Logocoldheat - Weblog von Christian Mücke

  • Wer ich bin
  • Archiv
  • Layouts
  • Impressum
Alien Heptalogie
  • Do., 14. Mai 2026
  • 0 Kommentare

Mehr als 40 Jahre Franchise Geschichte

Alien Heptalogie

Wieder ein Text zum Alien-Franchise? Ja, denn mittlerweile sind seit Quadrilogy 17 Jahre vergangen, es sind 3 Filme hinzugekommen, das Medium hat sich verändert. Das Franchise ist noch crossmedialer geworden. Heute existieren neue Videospiele und nun sogar eine TV-Serie. Auch ich bin ein anderer. Drum möchte ich eine weitere Perspektive notieren und wieder alle Filme abarbeiten und zu jedem ein paar Gedanken festhalten.

Mit dieser VHS-Hülle begann vor mehr als 35 Jahren meine Faszination für diese Filmreihe.

Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt (1979)

Neues Testmaterial, welches auch andeutet, was der Film nicht geworden ist.

Es hat sich wenig geändert, auch nachdem ich diesen Film nun endlich im Kino gesehen habe. Das war im Herbst 2024. Es war ein Freitag, 22 Uhr, und der schon kleine Saal war nicht sehr gefüllt. Für mich ging in diesem Moment ein kleiner Traum in Erfüllung und ich hatte Erinnerungen vor Augen, wie ich zum ersten Mal mit 10 Jahren damals die VHS-Hülle des Films in einem Laden in den Händen hielt und davon völlig gefesselt war, mir ausmalte, wie der Film wohl sei, und damals keine Ahnung hatte, wie sehr mich dieses Werk den Rest des Lebens prägen wird. Ich erinnere mich noch heute, wie sich die Pappe anfühlte, wie es dort roch und wie nach Minuten des Studierens dieser Box der Blick des Ladenbesitzers auf mich fiel. Mehr skeptisch als euphorisch.

Interessant im Kino war zu erleben, wie die Szene noch immer alle zum Luftanhalten bringt. Diese letzte Einstellung darin ist jedoch nicht mehr so gut gealtert und wirkt schon fast wie seine Spaceballs-Parodie. Mir fiel auch, nachdem ich den Film lange nicht mehr gesehen hatte, auf, dass sich das Finale, wenn Ripley nur noch allein ist, doch für heutige Empfindungen etwas zieht. Einer der wenigen Aspekte, die den Film zeitlich einordnen. Vieles andere jedoch ist weiterhin ein Meisterwerk, auch und besonders die Ästhetik. Es bleibt eine Schablone für das gesamte Genre und weit darüber hinaus. Bemerkenswert auch, wie zeitgemäßer auch dieser Film wirkt, da heute jeder seine eigene KI in der Hosentasche trägt, und meine Skepsis gegenüber solcher Technologie ist ganz klar auch durch diesen Film geprägt. Gut so.

Ich bevorzuge mit Abstand die reguläre Kinofassung. Dieser Directors Cut verlangsamt den Film noch mehr und es sind leider auch schwächere Trickeffekte. Dies zu kürzen ist die bessere Option. Dallas im Kokon zu sehen, schwächt seine Figur unnötig. Überhaupt muss ich noch mal notieren, wie sehr moderner Film von allen Figuren des Films lernen kann. Jeder hat eine essentielle Aufgabe, jede Rolle bekommt ihre 5 Sekunden des Ruhms und dieser Trucker in space Ansatz ist moderner denn je. Die Ästhetik ist mittlerweile sehr auffällig. Makeup, Licht, die Besetzung selbst, alles wirkt realistisch, haptisch.

Dieser Tage lese ich oft die Wortschöpfung Competence porn. Es soll beschreiben, dass Superheldentum einfach nur sein kann, Regeln und Wissenschaft zu folgen, sachlich und langweilig Probleme anzugehen, um sie so zu lösen. Ripley ist nicht grundlos die Überlebende hier, am Ende folgt nur sie einem inneren Protokoll und den Regeln. Die Langeweile gewinnt sozusagen und der Film schafft es, alle romantischen Winkel zu umgehen, was spätere Filme mehr und mehr aufgeben. Schaut man sich dieses Testmaterial jedoch an, war das offenbar nicht immer der Plan.

Und was sonst noch? Zugegeben, diese letzten Bilder von Ripley in Unterwäsche erfüllen weiterhin ihren Zweck bei mir. Manche Bilder sind so dermaßen eingebrannt und funktionieren wie ein Knopfdruck. Ich glaub, ich war 12 oder 13, als wir den damals zum ersten Mal bei einem Kumpel auf VHS geschaut haben. Dieser Film, diese Darstellung, diese Rolle haben mein Frauenbild, was Anziehung betrifft, absolut definiert, ja zementiert, und ich kann und möchte nichts dagegen tun.

Fazit: Dieser Film hat für mich nichts an Reiz verloren, ganz im Gegenteil. Es bleibt mein Lieblingsfilm mehr als jemals zuvor.

Aliens – Die Rückkehr (1986)

Analyse einiger Trickeffekte des Franchise

Recht spät habe ich realisiert, dass zwischen den ersten beiden Filmen tatsächlich 7 Jahre liegen. Das sieht man den Filmen nicht an, aber es ist ein kleines Detail, was auch erklärt, warum Aliens ein solch sehr anderes Erlebnis ist. Meine erste Begegnung mit dem Film war ein Anschauen einer TV-Ausstrahlung, noch bevor ich den ersten Film kannte. Mein großer Bruder hat seinen Wunsch erfüllt bekommen, diesen Film zu sehen. Anfangs durfte ich noch dabei sein und ich habe es aufgesogen wie ein Schwamm. Als die Chestburster Szene beendet war, musste ich ins Bett gehen. Wahrscheinlich realisierten meine Eltern, dass es keine so gute Idee sei, mich das sehen zu lassen. Allerdings öffnete ich die Tür meines Zimmers einen kleinen Spalt und konnte so den Film im Ton verfolgen und mein Kopf zeichnete die Bilder. Natürlich hab ich die nächsten Nächte kaum schlafen können, aber das war es wert.

Mittlerweile habe ich diesen Film auch im Kino gesehen, es spielte sich im Dezember 2024 ab, kurz vor Weihnachten. Es war großartig, auch wenn es wieder erst 22 Uhr startete, der Saal halb leer war und ich sehr müde war, aber diesen Film konnte ich nicht ausfallen lassen. Dass mich damals die Dame an der Seite begleitete, war so wie die Marmelade auf dem Erdnussbutterbrot.

Hier lief sogar die Directors Cut Variante und hier hab ich auch ein paar Gedanken mittlerweile. Die Hintergrundgeschichte der Kolonie zu Beginn ist toll, aber es raubt dem Film spätere Intensität, Spannung und auch Newt ist mit weniger Informationen eben mehr. Die zweite größere Szene sind die autonomen Waffen. Nun auch hier im Ansatz fein, jedoch sieht man eigentlich immer die gleiche Einstellung, wie es die Aliens zerlegt. Da war nicht mehr genug Budget vorhanden. Beides zu kürzen für die finale Fassung, kreiert das bessere erste Seherlebnis. Die längere Fassung ist ein tolles zweites Ansehen wert.

Mit Ausnahme der wenigen Einstellungen, welche die Aliens in vollem Ausmaß zeigen und so doch relativ schwache Ganzkörperanzüge entblößen, altert dieser Film von allen am besten. Aliens wird dieses Jahr 40 Jahre alt und dient weiter als Regelwert für modernstes Kino. Ich glaube, es ist Camerons rhythmisch bester Film, den ich gesehen habe (nach True Lies hab ich keinen seiner Filme mehr verfolgt), ja, sogar besser als Terminator 2. Es sind antike 3 Akte, aber jeder ein kleiner eigener Film in sich. Es gibt keine Längen, kein Luftholen ab dem zweiten Akt und dennoch fühlt es sich nicht so überladen an wie viele moderne Versuche.

Ich vermisse Bill-Paxton-Charaktere im Kino. Hudson bleibt wohl sein markantestes Vermächtnis. Das Ensemble hier ist nicht so reduziert wie im ersten Teil. Vermutlich aus Gründen der Logik, aber so trägt der Film eben auch Figuren mit sich, die wirklich nur Beiwerk sind, und Aliens startet den Trend einer seichten Romantik. Hicks ist zu keiner Sekunde Ziel der Begierde unserer Heldin, aber der Film skizziert eine gemeinsame Zukunft für die beiden, ohne dass es beide Figuren schwächt.

Ein großes Thema dieses Franchises ist die Rolle seiner Androiden. Dass Cameron Bishop aus der Schablone des Archetyps von Alien herausnimmt, ist ein vorauseilender Schatten zum Twist in Terminator 2. Lance Henriksen tritt in große Fußstapfen, aber sein Bishop spielt auf einer Ebene mit Ash. Wer sich fragt, was in modernem Kino “fehlt” und warum es sich so “leer” und seelenlos anfühlt, schaue bitte noch mal diesen Film. Allein die wechselnde Dynamik zwischen Ripley und Bishop ist super-effektiv, ohne Plattitüde zu sein.

Bis auf einige wenige nicht gut gealterte Trickeffekte, eine perfekte 2-stündige Achterbahnfahrt und das Ergebnis: Ripley ist das Franchise. Mehr noch: Aliens hat die Welt dieses Franchise mit einem großen Fundament versehen, weit mehr als der ursprüngliche Film. Auch wenn ich kritisiere, dass Gigers Werk hier verschlimmbessert sein mag, so sind alle Details drum herum wirklich bemerkenswert, besonders wenn man berücksichtigt, unter welchem Druck dieser Film entstanden ist.

Alien 3 (1992)

Es sollte weitere 6 Jahre des Wartens benötigen. Zu Alien 3 habe ich schon einmal was separat notiert, was nun auch schon wieder 14 Jahre her ist. Bis heute ist dieser Film der einzige, den ich noch nicht im Kino angeschaut habe. Es führte damals kein Weg hinein und ich fiel immer auf als viel zu jung. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich beide vorherigen Filme schon auf VHS gesehen und der Gedanke an einen weiteren Teil war euphorisierend. Ich ging regelmäßig in Zeitschriftenabteilungen und -läden, auf der Jagd nach einem neuen Filmmagazin, welches den Film beinhaltete. Einige dieser Ausgaben habe ich mehrfach gelesen, während ich auf Familie oder Freunde im örtlichen Karstadt warten musste. Auch hier malte ich mir im Kopf wieder den besten Film aller Zeiten aus. Als ich den Film dann zum ersten Mal wieder auf VHS sah, setzte schnell eine gewisse Ernüchterung ein und die hielt viele Jahre an.

Einer meiner vielen üblichen Sprüche: Mit guten Karten gewinnt jeder ein Spiel, mit einer schlechten Hand zu gewinnen, ist die Kunst. David Fincher hat hier die schlechtesten Zutaten bekommen, um daraus ein Leibgericht für Fans zu zaubern. Einige der Zutaten waren von Beginn an verdorben und dennoch ist das Ergebnis genießbar, ja sogar ein Geschmack, an den man sich gewöhnen kann. Nach all den Jahren schmeckt mir diese Zubereitung sogar besser und besser.

Alien 3 wird kein guter Film, dafür sind seine Vorgänger einfach zu große Schatten, aus denen sich dieser Film niemals herausbewegen kann, aber objektiv ist das Ergebnis nicht so furchtbar wie auf den ersten Blick. Dass das Drehbuch einen Schritt an Eskalation zurückgeht, ist richtig und die Grundidee einer kleinen und einfachen Gemeinschaft gegen das Biest gefällt mir, aber es kann nicht hinwegtäuschen über die Fehlentscheidungen, zwei Figuren, mit denen man zuvor 2 Stunden mitgefiebert hat, so feige abzuschreiben. Allerdings ist dieser bittersüße Drops dann auch geschluckt und der Film muss für sich funktionieren. Das tut er zu großen Teilen gut, gleichwohl verformt er seine Heldin visuell und emotional zu sehr. Dass Ripley ohne dass Hicks und Newt wirklich kalt sind, sich schon von Clemens trösten lässt, wirkt … einfach so deplatziert und falsch.

Seinen religiösen Winkel bekommt der Film nicht wirklich in Szene gesetzt. Als aus Mönchen plötzlich Verurteilte wurden, verlor wohl auch das Drehbuch seinen Fokus und hier liegt wie so oft die eigentliche Ursache für die vielen Probleme dieses Films. Der Wikipedia-Artikel zählt bisher ganze 6 verschiedene Anläufe eines Drehbuchs. Strukturell ist der Film ein Flickwerk. Zu wenig Fokus, zu viele Figuren, alle unsympathisch Die alternative Variante, bekannt als Assembly Cut ist tatsächlich der bessere Film und hiermit empfohlen. Visuell bleibt der Film sehenswert, aber langweiliger als die ersten beiden. Auch die Tricktechnik ist hier nicht gut gealtert und wirkt teilweise schlecht nachträglich zusammengefügt. Geht doch nichts über klassische In-Kamera-Magie, aber den Mut, etwas Neues zu probieren, muss ich belohnen.

Alles in allem wirkt dieser Film, zu schnell mit zu großen Ambitionen und zu planlos kreiert, und ist dennoch besser als viele moderne Anläufe dieser Art. Immerhin die Fox-Fanfare hat dieser Film perfekt neu interpretiert. Der Film ist auch die Zäsur des Franchises, weg von Sorgfalt und Qualität, hin zur Retorte. Die Figur verlor vieles, was sie die ersten beiden Filme mühselig aufgebaut hat, und sie handelt auch anders. Grundsätzlich ist dagegen nichts zu sagen, nur das Ergebnis ist ein Film, der seelenlos nach einer Neuinterpretation dessen sucht, was auch ohne Neues noch viele Jahre getragen hätte.

Irgendwie ist emotional das Franchise hier für mich zu Ende.

Alien – Die Wiedergeburt (1997)

Wieder verfiel ich 1997 dem Marketing von Alien – Die Wiedergeburt und wieso auch nicht. Endlich war ich nicht mehr abhängig von der Gnade der Kinokasse, sondern konnte ganz legal dieses neue Meisterwerk anschauen. Das tat ich während einer Nachmittagsvorstellung. Der Saal war so gut wie leer. In meiner Erinnerung waren noch zwei weitere Seelen dort. Keine davon war so wirklich begeistert, glaube ich. Alien – Die Wiedergeburt ist ein seltsamer Film, in jeder Hinsicht. Für mich ist es eine _Roger-Moore-Version der Serie. Im Namen zwar noch gleich, aber eigentlich etwas völlig anderes. Irgendwie ist dieser Film auch brutal modern, denn welches Franchise versucht nicht, seine alten Grundpfeiler wiederaufzuladen, so absurd die Idee auch sein mag.

Hier nun also Ripley als reproduzierte Variante. Irgendwie bekannt und doch irgendwie alles neu. Weder Fisch noch Fleisch, noch Visch, noch Vleisch. Der Plot des Films ist übersichtlich, was den Film heute so sehenswert macht. Hinzu kommt eine epische Besetzung, und der Grund, warum ich den Film mehr und mehr mag. Dieser Film ist gefühlt mehr Das fünfte Element als Alien. Sigourney Weaver geht hier gefühlt schon unter im Sog aller anderen und das ist auch gut so, denn Ripley existiert hier nicht.

Alien 4 ist Jean-Pierre Jeunets einziger Film, den er nicht geschrieben hat, der sicher eine Visitenkarte für Hollywood sein sollte. Es war irgendwie eine brillante Idee, hier nur noch Spaß zu haben, denn die DNA dieses Franchises war schon mit Alien 3 verwässert. Wieso also nicht den zweiten Schritt machen und wieder und wieder frische Köpfe auf das Material setzen? Das hält diesen Film am Leben und so absurd es ist, es macht Spaß zuzuschauen. Winona Ryder ist leider keine gute Android-Variante, aber die Rolle ist auch nicht gut unterfüttert. Joss Whedon ist kein James Cameron, aber er hat gleichwohl einen kleinen, aber feinen Plot konstruiert. Das Dreckige Dutzend als Heist-Film im Alien-Universum. Dann allerdings beginnt irgendwann der dritte Akt und dem Film geht die Luft aus.

Ich mag den Goth-Ripley-Look. Überhaupt ist der Film toll gestaltet, definitiv anders, aber in meinen Augen gelungen. Insgesamt habe ich selten einen Film gesehen, in dem jede Darstellerin und jeder Darsteller eine einzigartige und markante Optik mitbringt. Ein irrer Kontrast zum Film davor. Leider startet dieser Film auch den Trend der Serie, dass sich die Kreaturen wieder und wieder neu erfinden und überbieten müssen, was nie gelingt, denn Gigers Original ist bis heute unangetastet.

Die Wiedergeburt reduziert den Horror, dreht den Spaß und die Action auf und gibt seiner Heldin eine letzte Bühne, um selbst noch mal zu präsentieren, wie sehr diese Dame Filmgeschichte schrieb und selbst in solch durchschnittlichen Filmen, sehenswert bleibt. Dieser Film ist die Anomalie der Serie und dafür wirklich sehenswert.

Prometheus – Dunkle Zeichen (2012)

Stille um ein Franchise, das wie viele seines Alters kreativ bankrott erschien. 15 Jahre konnte sich Fox gedulden, hatte man sich doch zweifach mit den furchtbaren Alien-vs-Predator-Filmen die Finger verbrannt. Sollte die Antwort lauten, wieder zurück zur Quelle zu gehen?

Als ich damals las, es werde einen neuen Film im Alien-Universum geben, von Ridley Scott persönlich verantwortet, war meine Vorfreude durchaus vorhanden. Selbst wenn alles schiefgehen sollte, der Film würde toll aussehen. Prometheus schaute ich damals in Berlin im Kino, zusammen mit Ben_ und einem Freund von ihm. Wir hatten einen tollen Abend, waren vorher eine Kleinigkeit essen und anschließend im Multiplex Potsdamer Platz. Der Saal war vollgefüllt, aber überschaubar groß. Woran ich mich noch ganz genau erinnere: Bei der Szene des Films ergriff die Person neben mir sitzend krampfhaft die Armlehne und damit auch meinen Arm. Kino kann sehr effektiv sein. Was für eine makellose Szene.

Prometheus auf den Kaiserschnitt zu reduzieren, wäre böse. Ich gebe es ganz offen zu, dieser Film ist mir ans Herz gewachsen und mein Guilty pleasure des Franchises. Es ist kein guter Film, aber seine Zutaten sind von höchster Qualität (das Drehbuch ignoriere ich). Prometheus begeht auf der einen Seite die großen Fehler moderner Geschichte, nämlich alles erklären zu wollen und damit Geschichten auch ihrer wertvollen Geheimnisse zu berauben. Ich als Fan habe mir nie die Frage gestellt: “Huh, wie kam eigentlich dieser Space-Jockey dorthin?” Vielleicht jedoch war dies eine der wenigen Optionen, das Narrativ zu erweitern. Das kann und möchte ich kritisieren.

Was dagegen gelungen ist, wenn auch erst mit den folgenden Filmen, war der hier beginnende Fokus auf die Androiden dieser Geschichten. David ist ein Meisterstreich und Fassbender trägt dabei fast allein zwei Filme der Serie. Grandiose Figur und ideale Besetzung. Das kann Scott offenbar noch.

Prometheus restliche Figuren sind sehr modern im Sinne von, sie handeln nach einer emotionalen Agenda, entgegen den Regeln, und besiegeln damit wieder ihr Schicksal. Alle, diesmal sogar die Heldin (wenn auch leicht verzögert). Noomi Rapace ist natürlich grandios, aber ihre Rolle ist eben keine Ripley. Shaw ist ein Oxymoron, eine von Emotionen getriebene Wissenschaftlerin, den Protagonisten von Jurassic Park sehr ähnlich, nur haben die ihren Mäzen zur richtigen Zeit hinterfragt und kritisiert. Vielleicht hätte man wieder Trucker statt Wissenschaftler in die Prometheus setzen sollen, aber ich mag nicht zu viel schimpfen. Hier sind so viele Zutaten dabei, die ich mag, dass der Gesamteindruck wirklich positiv ist. Objektiv kann ich das nicht begründen. Dann ist da natürlich noch diese Oberfläche. Hier weiß ich beim Zuschauen, wo das Budget hingeflossen ist. Meine Güte, sieht dieser Film noch immer toll aus, allen voran auch Vickers, die spirituelle Ripley dieses Films und irgendwie die wahre Heldin. Hätte der Rest nur auf sie gehört. Tja.

Jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, mag ich den Film gleich wieder anschauen. Prometheus ist voller Makel und nicht gut aber so dermaßen unterhaltsam, und damit sticht er definitiv aus den neueren Filmen heraus.

Alien: Covenant (2017)

Alien: Covenant | Prologue: The Crossing

Was war auch hier wieder viel über den Film zuvor zu lesen. Irgendwie eine Fortsetzung? Und irgendwie auch wieder nicht? Allein der Titel ordnet das Werk als regulären Film der Reihe ein. Offenbar hatte Ridley Scott genug Spaß bei Prometheus, denn er macht hier einen sehr ähnlichen Film.

Alien: Covenant war mein erstes Erlebnis in einem AMC-Kino an der Ostküste. Ich war zu der Zeit damals beruflich dort und wollte diesen Film sehen, ja, fand sogar jemanden, der mitwollte. Der Saal war groß und die Sessel noch größer. Ich fühlte mich irgendwie sehr verloren darin, aber schnell waren wir beim Trailer vorbei und der Film flimmerte vor uns, ohne größere Höhen- oder Tiefpunkte. Alien: Covenant ist meh. Ich hab fast alle Details des Films wieder vergessen, bis auf den David-Plot. Das beschreibt den Film schon recht gut, wenn der Antagonist als einzige Erinnerung bleibt.

Covenant listet 4 verschiedene Leute als Autoren und das ist halt sehr offensichtlich. Der Film hat keinen Fokus und musste am Ende irgendwie noch kleine Vorfilme recyceln, um seinen wahren Plot zu füllen. Die neue Crew existiert nur, weil die alte nicht mehr existiert und Davids Plot weitergehen muss. Der gesamte Film wirkt wie eine günstigere Kopie von Prometheus und irgendwie hat der Film das nicht verdient. Auch hier sind die Zutaten wieder toll: Besetzung, Optik, nur eben die Grundlage (Drehbuch) reißt alles runter. Ohne zu lesen, konnte ich keine einzige Figur außer der Protagonistin mehr mit Namen nennen. Mit Abstand das Beste an diesem Film ist sein Abschluss, oder genauer gesagt, welche narrative Tür er öffnet. Ich möchte sehen, wie es weitergeht, denn David als Antiheld klingt sehr spannend. Viel mehr kann ich hier notieren. Alien: Covenant ist ganz viel Füllstoff und wenig Kern.

Daniels scheint eine direkte Reaktion auf die Kritik Shaws zu sein. Allein visuell scheint Ripley mehr als eine Inspiration zu sein, was ich nicht kritisieren mag, aber Covenant zeigt auch hier weniger Mut zum Risiko als Prometheus und das macht das Ergebnis einfach weniger spannend und so verdammt generisch, was sehr schade ist, denn vielleicht wäre der Film ohne seinen Moniker “Alien” im Titel besser aufgehoben. So bleibt es ein verkrampfter Spagat zwischen Alien und Frankenstein. Dass wir vermutlich keinen Abschluss zu dieser Geschichte bekommen, ist schade.

Es gibt diesen Trend, wo selbst Dekaden später Fans mehrere Filme neu schneiden und dadurch etwas Neues kreieren. Ich bin technisch dazu nicht fähig, aber ein Film aus Prometheus und Covenant, als fokussierter David-Plot, das dürfte besser funktionieren als diese zwei separaten Filme. So bleibt Covenant in meinen Augen das Schlusslicht dieser Serie, was es absolut nicht verdient hat.

Alien: Romulus (2024)

Die neueste Bereicherung dieses Franchises heißt Romulus und der Film hat seine Aufgabe erfüllt. Die Serie ist wieder im Gespräch, hat eine TV-Interpretation bekommen und irgendwie zieht das alles wieder genug Aufmerksamkeit auf sich, dass wir momentan eine kleine Renaissance erleben. Macht es den Film gut? Mitnichten, aber er baut ein solides Fundament für mehr. Mit etwas Abstand hat sich meine Meinung nicht wirklich geändert. Romulus ist modernes Kino. Was eben auch bedeutet, nicht zwangsläufig mehr für mich gemacht. Aber für wen denn dann bitte schön? Der Film ist so voller Zitate, dass pur neue Zuschauer ebenso wenig das Ziel sein können.

Ich frage mich, was hier die Intention war. Ein neuer Start? Ein Schauen, was passiert? Ein Litmus-Test Positiv anzumerken ist seine gekapselte Geschichte. Es würde mich wundern, wenn wir hier eine direkte Fortsetzung sehen. Keine der Figuren trägt einen weiteren Film in meinen Augen. Vielleicht ist genau das die Idee: separate Vignetten dieses Universums, weil auch der Schatten der früheren Filme und seiner Idole zu groß ist. Sie werden keine zweite Ripley bekommen, dafür ist die Medienlandschaft heute eine andere, und Sigourney Weaver mag noch ihren Logan Film bekommen, aber auch nur maximal das.

Ein kleines Detail: Aliens‘ künstliche Protagonisten und Antagonisten verfolgten lange eine smarte und lustige Namensformel. A, B, C, D. Ash, Bishop, Call, David. Romulus verabschiedet sich davon (wieso?) und setzt gleichzeitig auf so deplatzierte Zitate, dass es zeitweise peinlich ist. Oder ist Andy ein Hinweis darauf, dass hier eine neue Zeitlinie beginnt? Nö, dafür referenziert der Film einfach zu direkt die Vorgänger.

Aber Andy ist hier eine der großen Stärken. David Jonsson ist großartig ambivalent über lange Teile des Films. Er findet seine Interpretation und braucht sich vor seinen Vorgängern nicht zu verstecken, ganz im Gegenteil. Wie schafft es dieses Franchise, immer solch sehenswerte Darsteller für eigentlich kaum neu zu interpretierende Rollen zu finden? Respekt. Romulus muss noch etwas reifen in meiner Wahrnehmung. Vielleicht braucht es auch noch neuere Filme, um diesen mehr Kontext zu geben.

Nicht falsch verstehen, wie auch die anderen Filme dieser Reihe ist hier nichts wirklich schlecht, aber Teil 1 und 2 sind einfach solche Meilensteine, dass die Wahrnehmung meinerseits verzerrt ist. Romulus muss ich kein zweites Mal sehen. Das bringt es einigermaßen auf den Punkt.

Nachbetrachtungen

Diese Serie ist ein guter Spiegel für das Medium Film selbst und auch für Technologie. Wenn ich mir heute 4K-Versionen der Filme zu Hause auf einem OLED-TV anschauen kann, dann sehe ich diese Werke in einer Qualität, die so nie beabsichtigt war. Besonders James Cameron selbst reinterpretiert die Optik radikal neu. Aliens in 4K sieht sehr anders aus. Dass Camerons Film insgesamt in vielen Bildern sehr flach wirkt, tut der neuen körnungsfreien Optik nicht sehr gut. Der Film wirkt noch kälter und die Filmkörnung macht für mich viel der Textur des Films aus.

Insgesamt ist diese Reihe eine sehr typische Repräsentation ihrer jeweiligen Epoche. Spannend auch, das im Makeup zu sehen, besonders bei Ripley, wie sich auch hier Trends verändert haben und welche zeitlose Optik der erste Teil noch immer stemmen kann.

Ich wollte kurz noch das Thema anreißen, des Versuchs vom District-9-Auteur vor knapp 10 Jahren, den _Ripley-Plot zurückzuspulen im Stil von Terminator – Dark Fate, was scheiterte, weil Scott selbst wieder Feder führen wollte. Gut so. Schaut man sich die Filme an, die Blomkamp die letzten Jahre gemacht hat, so haben wir nicht viel verpasst. Was man liest, generiert auch Romulus viel Aufmerksamkeit für das Franchise und Sigourney Weaver selbst spricht, dass Walter Hill wohl sogar etwas schreibt. Meine Vermutung: Die Chancen stehen 50/50, dass es ein weiteres Kapitel der Ripley-Saga geben wird. Es wäre eine Herausforderung, es wäre mehr als angebracht, aber es wäre auch unglaublich schwierig und ein fast unmögliches Ziel. Der Gedanke jedoch, dass verdammt noch mal Walter Hill schreibt, ist absurd gut und sicher auch Indikator für ein unrealistisches Projekt. Hill hat viel verbrannte Erde hinterlassen, aber auch noch die Hände am Steuer dieses Franchises.

Ich wäre natürlich der Erste im Kino und wieder mental 11 Jahre alt und hielte zum ersten Mal das VHS-Cover in den Händen.

“This is Ripley, last survivor of the Nostromo, signing off.”

  • Schlagwörter:
  • 10s,
  • 20s,
  • 70s,
  • 80s,
  • 90s,
  • Alien,
  • Horror,
  • James Cameron,
  • Kino,
  • Ridley Scott,
  • Sci-Fi.

Zum Weiterlesen

  • Warhammer 40,000: Space Marine Master Crafted Edition
    Warhammer 40,000: Space Marine Master Crafted Edition
  • Blur – Blur
    Blur – Blur
  • Star Wars – Episode V
    Star Wars – Episode V
  • Oskars 2007 im Schnelldurchlauf
    Oskars 2007 im Schnelldurchlauf
  • The Prodidy – The Fat of the Land
    The Prodidy – The Fat of the Land
  • Hawaii-iihh
    Hawaii-iihh

0 Kommentare

Kommentar schreiben

HTML ist in Kommentaren zugelassen. Erlaubt sind: <a>, <i>, <p>, <strong>, <em>, <ul>, <ol>, <li>, <blockquote>.

<UberBlogr Webring>Datenschutzerklärung

CC © 2004–2026 C.MückeZurück zum Seitenanfang