
50 Jahre Apple
Eine kleine Firma, die sich im April 1976 gründete und einen Apfel als Logo hat, wird 50 Jahre alt. Ein ungünstiger Geburtstag, ist Apple doch ganz klar in einer Qualitätskrise, denn auch wenn die Produkte nie schlecht waren oder sind, ist besonders in den letzten 2 Jahren die Magie der Dinge, dieser Fokus auf viele kleine Details und dieses it just works 2026 getrübt. Ist es so schlimm, dass ich wechseln muss? Keinesfalls, aber es wird immer schwieriger, dafür zu argumentieren.
Meine erste Erfahrung mit einem Mac war in der Ausbildung. Damals galt die Hardware noch als Farbmanagement-Monopol. Druckereien wollten PostScript und mit einem Mac und QuarkXPress hatte man die besten Chancen, gedruckt zu bekommen, was man auch am Bildschirm sah. Gefühlt war jeder, der mit dem Druck auf Papier Geld verdienen wollte, darauf angewiesen, einen Mac zu besitzen. Privat kam ich immer als Zocker von der _Windows-Front, aber ich hatte mich schnell an die neue Welt gewöhnt und mehr noch: Spätestens mit den bunten Röhren-iMacs war ein Produktdesign kreiert, das bis heute die Grundlage für den Erfolg gelegt hat.

Diese Prototypen zu sehen und sich dann anschließend die Miniaturisierung vorzustellen, sprengt grad mein Gehirn.
Als ich dann nach der Ausbildung arbeitete, war da ein Powermac unterm Schreibtisch. Anschließend wurde dieser ersetzt durch einen Intel-iMac. Von da an waren es eine Mischung aus MacBook Pros, iMacs und Airs. Selbst privat hab ich genug Geld dieser Firma gegeben, dass ich lieber nicht genau nachrechnen möchte, wie viel es eigentlich insgesamt ist. Ich bezahle die Überzeugung, mir hier die wenigsten Gedanken machen zu müssen, dass Dinge nicht funktionieren oder irgendwelche kleinen Macken nerven. Und auch wenn es eine halbe Illusion sein mag, attestiere ich dieser Firma, noch der Einäugigen unter den Blinden, zu sein, wenn es um den Schutz meiner privaten Daten geht.
Eine schöne Erinnerung? Vor vielen Jahren schauten wir in einer kleinen Gruppe nach Feierabend immer jede neue Produktvorstellung oder Keynote. Wir projizierten den Stream an die Wand, bestellten Pizza, machten ein Getränk auf, waren alle wieder für einen Moment 10 Jahre alt und schauten dem Weihnachtsmann beim Auspacken der Geschenke zu. Das waren noch die One more thing Momente, wo wirklich neue Produkte gezeigt wurden. Anschließend gab es epische Diskussionen, was man sich davon gleich bestellen möchte, was kein Mensch braucht und wo wir gemeinsam beschließen, es zu kritisieren, aber insgeheim gut finden: iPad. Das waren tolle Abende und hier ein Gruß an: Alex, Emanuel, Erik und Jonas. Ich vermisse diese absurden Stunden.
4 Kommentare
Und passend dazu die Staffel für Designer und auch Geeks, selbst Frogdesign mit Hartmut Esslinger kommt zu Wort: https://www.ardmediathek.de/serie/die-apple-story-eine-vision-verfuehrt-die-welt/staffel-1/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9zZGIvc3RJZC8xODY0/1
Diese schöne Erinnerung kann ich tatsächlich teilen — wir haben Keynotes immer mit ein paar Leuten von der Firma geschaut. Heute kann ich mir diesen Konsumfetischismus so gar nicht mehr vorstellen. Die Keynotes haben an Magie verloren, aber vor allem hat sich wohl meine (und in Teilen auch die gesellschaftliche?) Sicht doch sehr stark gewandelt.
Das merke ich auch bei dem verlinkten Archiv-Video: Natürlich sind das alles krasse Errungenschaften, aber irgendwie überwiegt ein mulmiges Gefühl, das ich gar nicht genau festmachen kann. Ist es der inhärente, unkritische Tech-Optimismus, der jedem Gerät und Satz von Tim Cook innewohnt? Oder doch die Abhängigkeit und der Konsum, die dort verkauft werden? Wahrscheinlich ist es auch das Bild von Tim Cook mit dem goldenen Apfel im Oval Office neben Trump und der endgültige Downfall des Silicon Valley. Mein immer weiter wachsendes Verständnis dafür, dass dieses System sein Ende erreicht und noch niemand genau sagen kann was darauf folgt.
Geht mir ähnlich. Meine Vermutung: Technologie umgibt uns so massiv und so breit in der Masse, dass sie wie Wasser aus dem Hahn geworden ist. Für die erste Generation war sicher auch sauberes Trinkwasser aus dem Hahn pure Magie, aber heute eben eine Selbstverständlichkeit. Schade eigentlich, aber der normale Lauf vieler Dinge im Leben.
Einen ganz lieben Gruß zurueck. Pizza, Bier und Siztbaelle im Buero, das vermisse ich remote schon etwas. Die Abende waren ein Highlight. Spaeter immer weniger wegen der Neuvorstellungen. Am besten war dann immer noch die Restpizza fuer den naechsten Morgen.
Ich bin neugierig, aber skeptisch, ob Apple jemals an einen zweite iPhone-Moment heran kommt. Vielleicht nach Tim.