
Film des Tages
Father Mother Sister Brother
Jim-Jarmusch-Filme sind oft Litmus-Teste, die ich selbst oft erfolglos absolviere. Seine Filme sind oft einfach nicht mein Geschmack. Nun also läuft im Kino ein neuer: Father Mother Sister Brother, dessen Trailer mich recht schnell ins Kino gelockt hat. Tolle Schauspieler und Szenen, die für mich eher nach einer Familienfeier-Dokumentation wirken als nach einem Film. Den musste ich sehen.
Objektiv betrachtet ist dies kein guter Film. Einfach formuliert sind es nur drei Momentaufnahmen, ohne eine Entwicklung und ohne wirkliche Exposition. Subjektiv betrachtet ist das ganz großes Kino, für eine ganz klare Zielgruppe. Viel passiert hier nicht, aber das ist toll inszeniert. Father Mother Sister Brother besteht aus drei Episoden. Die erste davon ist stark, die zweite mächtiger und die dritte eher ein Versuch, auf einer milden Note den Film zu beenden, was aber klar die schwächste der drei für mich darstellt.

Ich reduziere es mal auf die ersten beiden Episoden, die eine ähnliche Formel nutzen. Eigentlich sehen wir nur erwachsene Kinder, die ihre Eltern besuchen. Kennt man, hat man schon tausendmal gesehen. Hier jedoch herrschen eine Kälte und eine Anspannung, wie ich sie selbst schon erlebt habe, und vielleicht genau deshalb fühle ich mich so abgeholt. Der Film versteht nonverbale Kommunikation wie kaum ein zweiter. Was es so verdammt gut macht, ist die Normalität seiner Figuren. Sie kennen genau das nicht anders. Teilweise wirkt es wie seichte Folter und alle Beteiligten genießen es. Selbst als Zuschauer wird man Teil davon. Sobald die Spannung dann am Explodieren ist, kommt Humor als Konter zum Einsatz. Einfach toll gemacht.
Ich verließ den Saal extrem inspiriert. Mehr kann ich von Kino nicht mehr verlangen. Daumen hoch.
1 Kommentar
Geil! Jim Jarmusch-Filme haben mir eigentlich immer total viel gegeben. Ghost Dog hat mit auf Jahre tief geprägt. Ich freu mich sehr, dass der Litmustest jetzt bei Dir mit Inspiration endete. Geil!
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