
Momentaufnahme
Das wichtigste Werkzeug
2024, es muss Ende Mai gewesen sein, da hatte ich ein letztes Gespräch mit einer Person. Zu diesem Zeitpunkt hatte dieser Mensch sich einen erstaunlich guten Zugang zu mir erarbeitet, aber damit sollte Schluss sein, denn die Wege trennten sich. Man wollte sich noch mal die Meinung sagen und Fragen stellen, die in den vergangenen zwei Jahren nicht angesprochen worden sind. Die Gegenfragen waren präzise und trafen ins Ziel. Da waren ein paar Fragen, auf die ich keine Antwort hatte, die mir nicht peinlich gewesen wären. Anschließend war ich für ein paar Tage fertig mit der Welt. Zäsur ist das richtige Wort. Von einem auf den anderen Tag hab ich ein paar fundamentale Dinge geändert. Ein Punkt auf der Liste an Baustellen: der eigene Körper.
Als ich mir damals vorher einen neuen, viel zu großen Fernseher hab liefern lassen, half mir ein Freund, diesen das Treppenhaus hochzuschleppen. Ich musste mehrfach auf dem Weg eine Pause einlegen, weil der Körper sagte: „Stop.“ Mein Freund dagegen ist knapp 20 Jahre älter und war am Ende nicht mal einen Hauch angestrengt. So nahm ich es jedenfalls wahr. Kurzum: Meine körperliche Verfassung spiegelte nur wider, was nur mehr als nachvollziehbar war. Mein letztes Mal Sport war vor ganz vielen Jahren.
Angesichts der Tatsache, wie ich den eigenen Körper die letzten Dekaden behandelt habe, kann ich noch ganz froh sein. Genetisch hab ich auch etwas Glück gehabt, wobei der Start jetzt ungünstig war. Ich kam mit einem Herzfehler auf die Welt und dieses kleine Detail bremste die körperliche Entwicklung immens. Mein Gewicht war während der gesamten Jugend problematisch niedrig. Ich muss bis heute um jedes einzelne Kilo kämpfen. Zu Schulzeiten war das lange Zeit nicht so lustig. Und natürlich wirkte sich das auf meine eigene Wahrnehmung aus. Wenn man beim Aufstellen der Teams während des Sportunterrichts immer als einer der Letzten dasteht, dann formt auch das einen Charakter. Auch dadurch war jetzt mein Verhältnis zum Körper und Sport eher vorbelastet.
Bei einer Körpergröße von 179 cm war mein negativer Rekord Mitte der 2000er einmal 58 Kilo. Der andere negative Rekord war 2019 nach vielen Monaten des Fressens und Saufens bei 82 Kilo. Ich habe beide Bilder immer noch vor Augen und sie sind nicht toll. Seit Juni 2024 passe ich nun mehr auf mich auf. Ich esse noch bewusster, verzichte viel und gern und versuche, die Woche mehrere Fitnesseinheiten zu platzieren. All das sorgt ganz objektiv für ein positives Ergebnis. Und letztes Jahr am Strand fühlte ich ein Bewusstsein1 für den eigenen Körper, welches ich in dieser Form für mich nicht vorstellbar fand.
Heute hab ich einen Punkt erreicht, wo ich gern den Status quo halten möchte. Ich fühl mich grad wohl in meiner eigenen Haut. Zum ersten Mal eigentlich. Und auch wenn ich jedes Mal beim Griff der Hanteln schlechte Laune bekomme, am Ende weiß ich, wie gut mir das tut, und respektiere den unangenehmen Weg zum so angenehmen Ziel. Was ich auch gelernt habe während dieser kleinen Reise: Ein Wohlfühlen im eigenen Körper fällt mir nicht einfach zu, sondern erfordert Energie und Disziplin. Wie so viele andere tolle Dinge im Leben eben auch.
Bei Reddit gibt es alle paar Monate die populäre Frage: Was würdest du deinem 20-jährigen Ich heute sagen wollen? Bei mir wäre der Hinweis, den eigenen Körper besser zu pflegen, ziemlich weit oben auf dieser Liste an Ratschlägen. Es ist mein wichtigstes und unersetzbares Werkzeug.
2 Kommentare
… und das absurde dabei … wenn man den Körper in Schuss hält, dankt er es einem ja nicht nur mit mehr Ausdauer, sondern auch noch mit seeliger Entspanntheit. In Grenzen, klar. Aber … frag mal Martin, hihi …
Und absurder: Die Person aus dem einleitenden Absatz hat nach langer Pause mir gestern zum Geburtstag geschrieben. Manche unerwartete Stimmen verstummen wohl nie, andere sind über Nacht aus der Welt. Das Universum ist seltsam.
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