Everything Everywhere All at Once

Gibt nicht viele Kinobesuche die mich wirklich prägen. Viele davon sind hier im Weblog verewigt. Seit gestern kommt ein neuer Titel auf diese exklusive Liste und seit Fury Road war ich nicht mehr so gebannt im Kinosaal wie bei Everything Everywhere All at Once. Es ist ein Film der inspiriert und mich dazu bringt hier endlich mal wieder einen neuen Eintrag zu veröffentlichen.

Ich werde den Film sicherlich nicht Spoilern, aber ich denke man bekommt auch ohne Spoiler ein ziemlich guten Eindruck, welche epische Reise dieser Film geht, drum sei jeder gewarnt weiter zu lesen, denn diesen Film sollte man möglichst völlig unvorbereitet genießen.

Letzte Warnung!

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Everything is a remix

Als ich gestern vom Kino nach Hause kam, hab ich wie üblich noch einige Kritiken zum Film konsumiert. Alle herausragendes Lob und sehr oft die Aussage “Sowas hat man noch nicht gesehen!”. Nun auch wenn Everything Everywhere All at Once wirklich brilliant ist, alles im Film habe ich schon mal (wenn auch in anderen Medien) gesehen. Dieser Film ist die Definition von Everything is a remix denn auch wenn es keine neuen Einzelteile gibt, so ist die Kombination auf einer neuen Ebene des Mediums.

In den letzten Wochen habe ich mich im YouTube Dschungel der B- und C-Movie Besprechungen verloren. Immer das gleiche Format, meist Personen meines Alters, die sich an furchtbar schlechten Filmen erfreuen und diese wie Oscar-reifes Material besprechen. Solche Filme leben meist vom Schock-Effekt eben Dinge und Szenen die “man noch nicht gesehen hat”.

Viele Details bei Everything funktionieren wie in C-Movies, nur mit dem Unterschied, dass auch die anderen 80% des Films toll gemacht sind. Ich wollte nur mal die ganzen Aussagen relativieren, dass der Film das Medium neu erfindet. Es ist nur ein brillanter Remix zweier Autoren und Filme, die wahrscheinlich mit der gleichen cineastischen Muttermilch aufgezogen wurden, wie ich, was sich allein an der Besetzung zeigt. 80er und 90er Jahre Ikonen wie Michelle Yeoh, Jamie Lee Curtis, James Hong und Ke Huy Quan.

Multi-Verse, Schmulti-Verse

Mein Pitch für den Film lautet, The Matrix trifft auf Groundhog Day im Rahmen eines Familien Dramas. Beworben wird der Film wie ich finde zwar sehr smart, aber stark vereinfacht. Marketing möchte die Action-Fans ins Kino locken, um sie im 3ten Akt zu Tränen zu rühren. Hat bei mir nicht ganz funktioniert, aber der Kontrast ist mächtig stark. Kann mich nicht erinnern einen Film gesehen zu haben der so zwischen Slapstick und Tränen wechselt.

An dieser Stelle muss ich mal meinen Senf zum Thema Multi-Verse loswerden. Auch dieser Film schafft es absolut nicht, mir diesen Ansatz als etwas Tolle, etwas Gutes, Fortschrittliches zu verkaufen. Es ist Köder aber keine Substanz. Der Film käme ohne diesen Quatsch aus, denn der eigentlich Kern ist gut genug, im Gegensatz zu vielen ähnlichen Versuchen.

Einfach formuliert: wer sich erzählerisch nicht in einem Universum beweisen kann, sollte die Finger von mehreren lassen. Das ist auch mein persönlich kleiner Makel des Films und ja ich bin mir bewusst, das dies genau eben der progressive moderne Ansatz ist, ein eigentlich durchgelutschtes Thema aufzufrischen, aber ich werde einfach zu alt für sowas glaube ich.

Wir haben noch kurz nach dem Kino über den Film gesprochen und schon da musste ich irgendwie Fury Road erwähnen, weil dies für mich noch immer das beste Kinoerlebnis der letzten Jahre ist. Fury Road ist makellos und Ergebnis eines Großmeisters nach Jahrzehnten der Planung. Everything Everywhere All at Once ist das Ergebnis zweier Künstler auf dem Weg zum Großmeister Status. Ab jetzt muss ich mir wohl jeden ihrer Filme anschauen.

Zum Abschluss noch ein kurzer Ausschnitt eines Interviews mit der Hauptdarstellerin. Einfach mal ab Minute 16:30 anschauen.

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Die Dame ist seit Jahrzehnten ein cineastischer Schatz und liefert hier ein Lebenswerk ab.

Everything Everywhere All at Once muss man gesehen haben. Kein perfekter Film, aber einzigartig (gut) und um das Interview oben zu zitieren, auf sowas etwas warten Kinofans manchmal ihr gesamtes Leben.

Beide Daumen hoch.