
Momentaufnahme
Dem Prozess vertrauen
Die letzten Tage oder eher schon Wochen verweile ich im medialen Morast und da kamen mir immer wieder diese eine Bezeichnung vor die Augen und Ohren: Trust the process oder eben Dem Prozess vertrauen. Der Kontext war meist auch sehr unterschiedlich: Fitness, Kreatives, Persönlichkeitsentwicklung. Die Alternativen sind meist der Versuch, abzukürzen, um an irgendein weich formuliertes Ziel zu kommen. Mir wurde beim Anschauen und Anhören wieder bewusst, wie sehr ich selbst auf den Prozess gepolt bin, in so ziemlich allen Bereichen des Lebens. Vielleicht bin ich auch deshalb so empfänglich dafür.
Dieses Vertrauen in Dekaden der Wissenschaft, die Beständigkeit kleiner Schritte über eine lange Distanz und die erforderliche Geduld dafür, das ist genau meins und ich habe auch schnell gelernt, dass ich mir damit nicht immer viele Freunde machen kann und dass diese Tugenden Werte, heute oft als Hindernis gesehen werden. Individueller Fortschritt als Wettkampf ist ziemlich absurd und destruktiv.
Ich vermute, mein Vertrauen darin begründet sich primär aus dem Misstrauen gegenüber den verlockenden Alternativen. Momentan wird mein Glaube daran etwas getestet, denn es fehlen die Erfolgserlebnisse, die Beweise, und genau da setzt mein blindes Vertrauen in den Prozess ein. Irgendwie hat das auch was Religiöses, merke ich grad beim Schreiben. Es fehlen harte Beweise, aber die Alternative ist eben keine für meinen Kopf. Gesundheitlich gibt es eben eine neue langfristige Baustelle1 und da muss ich eben wieder genau diesen Ansatz fahren. Das scheint auch das große Thema meines Jahres zu sein. Eines muss ich aber zugeben: Mein Vertrauen in den Prozess wurde noch nie so sehr getestet wie in den letzten Monaten.
Zurück zum Prozess.
Aufmacherbild: Eisenwalzwerk (1872–1875) – Adolph von Menzel ↩
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