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Michael Steinberger – Au Revoir to All That: The Rise and Fall of French Cuisine
Ich mag gutes Essen und ich weiß nicht genau, woher das kommt. Im Elternhaus wurde immer solide, manchmal auch gut gekocht, was immer sich auch aus den limitierten Zutaten innerhalb der DDR zaubern ließ. Laut Aussage meiner Eltern und als Kontrast zu meinem älteren Bruder war ich wohl immer “ein guter Esser” und das hat sich bis heute nicht geändert. Wofür ich meinen Eltern sehr dankbar bin: Glücklicherweise fanden beide nach dem Fall der Mauer schnell neue Berufe und dies ermöglichte Urlaube in den europäischen Nachbarländern. Die erste Fahrt ging mit einem Zwischenstopp in Südtirol weiter ins südliche Italien. Da muss ich 11 oder 12 gewesen sein und das hat solch einen Eindruck hinterlassen, dass ich bis heute kulinarisch davon geprägt bin. Italienisches Essen geht immer.
Als ich später auszog, rückten Speis und Trank in den Hintergrund. Ich ernährte mich primär von schlechtem fertigen Essen und Getränken aus 1,5-Literflaschen oder Tetrapaks. Das war nicht ganz freiwillig, aber in dieser Zeit wahrgenommen nicht schlimm, weil mein Leben in der virtuellen Welt Priorität hatte. Als auch diese Phase vorbei war, ich neuen Job, neues Einkommen und mehr Zeit hatte, rückte die Kulinarik wieder in den Alltag. Ich koche gern. Auch im letzten Jahr hab ich gemerkt, wie sehr mich das erfüllt hat, auch für jemanden an meiner Seite zu kochen, besonders weil es mein übliches Programm abwechselte und ich mehr Vegetarisches probiert habe. Meist relativ erfolgreich. Das war toll.
Insgesamt weiß ich auch, dass ich überdurchschnittlich viel meines Einkommens für Essen ausgebe und auch oft auswärts esse. Vielleicht ist es diese Kombination aus Genuss, Respekt für das Handwerk und sicherlich auch Freude darüber, dies finanziell zu können, was eben nicht immer der Fall war, was mich auch zum eigentlichen Thema des Eintrags führt, nämlich einem Buch über die französische Küche: Au Revoir to All That: The Rise and Fall of French Cuisine. Irgendwie wollte ich thematisch wieder etwas was anderes lesen und bin genau darauf gestoßen. Ich selbst war leider noch nie in Frankreich, vielleicht auch deshalb mein Interesse am Buch.
Michael Steinberger ist ein frankophiler Autor, der sich mit Artikeln zum Thema Wein im Slate Magazin einen Namen erarbeitet hat. 2009 erschienen, soll dieses Buch dokumentieren, wie und warum Frankreich seine Position als kulinarischer Leuchtturm der Welt verloren hat. Das Buch beginnt mit der Geschichte der Nouvelle Cuisine, den großen Idolen der französischen Küche, widmet sich dem legendären Guide Michelin und versucht anschließend, an einzelnen Segmenten (Käse, Wein, Globalisierung, Fast Food, Politik) den eben titelgebenden Verfall zu dokumentieren. Steinberger selbst hat dabei viele Menschen interviewt und hat als US-Staatsbürger eben auch eine gewisse Perspektive von außen . All das liest sich recht angenehm und ist diese Mischung aus Unterhaltung, samt weniger spannender Details und Kurzprofilen diverser Figuren in seiner Geschichte.
Am Ende dachte ich mir aber schon, was die Geschichte zwischen den Zeilen hier sein wird, nämlich eine uralte von Arroganz, Bequemlichkeit, Nostalgie und sicherlich auch Ignoranz, wie sich die Welt verändert. Eines der Kernzitate des Buchs für mich: “Defend an ideal.” im Kontext entstanden aus der Beobachtung heraus, wie und warum einige japanische Köche die lokale französische Kochkultur besser lebten als viele lokale Größen, und irgendwie kann man dieses Zitat überall anwenden, wo wir selbst heute einen Verfall von Institutionen, Handwerk und Kultur sehen.
Das Buch hat alle Erwartungen erfüllt und sei hiermit empfohlen, wenn man sich von mindestens einem der Kernthemen (Frankreich & Kulinarik) begeistern lassen kann.
2 Kommentare
Italienische Küche geht wirklich immer. Wenn sie aufrichtig und gut gemacht ist, ist sie immer ein Genuss, ausserhalb aller Konkurrenz. Oder um nochmal Paulie zu zitieren …
Rate mal, wo wir wieder hingehen, wenn du mal vor Ort das nächste Mal bist. 🙂