Logocoldheat - Weblog von Christian Mücke

  • Wer ich bin
  • Archiv
  • Layouts
  • Impressum
Quentin Tarantino – Cinema Speculation
  • Do., 05. Februar 2026
  • 2 Kommentare

Durchgelesen

Quentin Tarantino – Cinema Speculation

Vor ein paar Jahren schenkte mir mein Bruder Cinema Speculation und seitdem habe ich das Buch gekonnt ignoriert, aber ich habe mir endlich eine Routine kreiert, in der das Lesen wieder ordentlich Platz gefunden hat.

Natürlich hat das Thema des Buches schnell meinen Zugang gefunden. Der genaue Inhalt war mir unbekannt und das Konzept des Buches ist sehr eigen. Ich wusste um die Affinität des Autors für 70er-Jahre-Kino, für ihn mit Abstand die beste cineastische Dekade. Genau daran arbeitet sich Tarantino im Buch ab, pickt sich einen Film und schreibt jedem einen sehr persönlichen Aufsatz, eine Mischung aus Kritik, Hintergrundbericht und manchmal auch noch einer aktuellen Perspektive.

All dies funktioniert teilweise hervorragend und teilweise überhaupt nicht für mich. Auch wenn ich mir ein solides Filmwissen der 70er attestiere, so geht mir teilweise der Faden verloren, wenn sich der Autor im Schwall von Referenzen und Namen verliert, die mir überhaupt nichts sagen.

Das Buch macht auf mit einer jetzt nicht neuen These. Ende der 60er war das alte Hollywood kreativ bankrott, der heutigen Zeit nicht unähnlich. Eine neue Generation von Autoren und Regisseuren kratzte an den Türen der großen Studios. Eine Gruppe, die zum ersten Mal mit Fernsehen aufgewachsen und dadurch massiv beeinflusst war. Eine Generation, deren Wissen um das Medium Film das der meisten Studiobosse übertraf und die bereit war, sich dafür aufzuopfern. American Zoetrope beinhaltet die wohl bekanntesten Köpfe dieser Generation: Coppola, Lucas, Spielberg, Schrader (@Ben, der war in Berlin auf der Bühne, als wir Taxi Driver geschaut haben), Scorsese, De Palma. Was für mich am Buch so spannend ist, ist der Kontrast zwischen Alt- und Neuhollywood, den Tarantino hier heraushebt, und die jungen Wilden immer in Relation zu ihren Ziehvätern skizziert.

Dirty Harry ist ein enorm wichtiger Film, ähnlich wie Death Wish. Ohne Ein Mann sieht rot gäbe es kein Taxi Driver. Tarantino arbeitet sich sehr am White Washing der Zuhälter-Rollen ab. Das ist wirklich unterhaltsam zu lesen und es überbrückt die schwachen Stellen des Buches. Erstaunlich finde ich, welche Details er aufzählt, wenn er berichtet, wie und wann er gewisse Filme zum ersten Mal gesehen hat. Natürlich gibt es auch Zitate seiner mittlerweile vielen Kontakte, und so bekommt das Buch etwas mehr Gegenwart, wenn die Köpfe von damals heute ihre Werke reflektieren.

Ich persönlich teile seinen 70er-Geschmack nicht so absolut. Ich verstehe diese Perspektive, aber für mich als Fan von mehr Fantasy und Sci-Fi, waren die 80er einfach wichtiger, aufgrund des technologischen Fortschritts und so meine Dekade des Films. Aber bei einem Punkt stimme ich zu: Das 70er-Kino traute sich mehr und hat ganz bewusst teilweise auf das Happy End verzichtet, was in den 80ern fast nicht mehr stattfand.

Am Ende ist Cinema Speculation eingeschränkt zu empfehlen, einfach weil es ein wirklich fortgeschrittenes Wissen des Mediums voraussetzt. Und selbst dann, sind einige Seiten enorm zäh. Ganz viele Bonuspunkte für die Haptik des Buches. Ich habe selten eine solche Qualität an Papier und Druck gesehen. Allein dafür bin ich dankbar für das Geschenk und gebe meinen Daumen nach oben.

  • Schlagwörter:
  • Buch,
  • Kino.

Zum Weiterlesen

  • One flew over the Cuckoo‘s nest
    One flew over the Cuckoo‘s nest
  • No Other Choice
    No Other Choice
  • Euro-Bonds
    Euro-Bonds
  • Der Osten: eine westdeutsche Erfindung
    Der Osten: eine westdeutsche Erfindung
  • Don’tcha
    Don’tcha
  • No escape
    No escape

2 Kommentare

  • #1
  • Do., 05. Februar 2026
  • Nico schrieb:

Du hattest das Buch schon einmal vor ein paar Tagen erwähnt, woraufhin ich es mir sofort als Hörbuch geklickt habe. Das erste Kapitel (und das letzte, aber da war ich noch nicht) wird von Tarantino selbst gelesen und es wird irgendwie sofort klar, warum und wie er sich an all diese Kleinigkeiten erinnert. Ich bewundere die Detailverliebtheit und diesen Wissensdurst sehr. Und das 70er Kino, das für mich natürlich mehr im TV stattfand (aber eben noch linear, nachts heimlich). Einige der Filme die er nennt, gehören zu meinen Lieblingsfilmen, z.B. Bullit oder French Connection. Leider habe ich sie wohl nie so gesehen, wie Tarantino es kann (oder damals konnte). Danke für den Tipp, das Buch wäre sonst an mir vorbei gegangen.

Webmaster
  • #2
  • Do., 05. Februar 2026
  • Chris_ schrieb:

Ich war etwas enttäuscht, dass French Connection kein eigenes Kapitel bekommen hat, aber irgendwie auch smart, denn über diesen Film ist so viel gesagt und geschrieben, da wäre eine weitere Stimme kein wirklicher Mehrwert.

Freut mich Nico, dass es dir gefallen hat.

Kommentar schreiben

HTML ist in Kommentaren zugelassen. Erlaubt sind: <a>, <i>, <p>, <strong>, <em>, <ul>, <ol>, <li>, <blockquote>.

<UberBlogr Webring>Datenschutzerklärung

CC © 2004–2026 C.MückeZurück zum Seitenanfang