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Videospiele haben ein Identitätsproblem
  • Sa., 14. März 2026
  • 1 Kommentar

Videospiele haben ein Identitätsproblem

Die Schlagzeilen der letzten Jahre und Monate sind voll davon und nun trifft es neben der Software auch Hardware: Egal welches Puzzlestückchen, alles wird unbezahlbar oder ist sowieso schon ausverkauft für Monate. Während Hardwareengpässe, getrieben von feuchten KI-Fieberträumen, eigentlich was Gutes sein könnten, sind sie eher eine weitere riesige Hürde für eine Unterhaltungsindustrie, die wie andere auch um ihre Identität und ihren Nachwuchs kämpft und aktuell Meter um Meter dabei verliert.

Ich persönlich sehe für mich zwei entscheidende Ereignisse in meiner Vergangenheit als Spieler. Eines davon war Januar oder Februar 2000. Das Jahr zuvor verdiente ich mein erstes eigenes Geld und ich hatte ein ordentliches Budget für Videospiele. 1999 gönnte ich mir eine importierte Dreamcast samt vielen Spielen sowie einen ersten eigenen PC zum Zocken. Monate später, dann während des Spielens von Phantasy Star Online, erwähnte ein Mitspieler meiner Stammgruppe damals, dass sie ein neues anderes Spiel nebenbei spielen, und ob ich nicht Lust hätte, dort teilzunehmen. EverQuest war der Titel und mein Ether für die nächsten 4 Jahre.

EverQuest war so einnehmend als Spiel, dass ich nichts anderes mehr gespielt habe, und dabei habe ich so richtig Geld gespart, denn mit 9 Dollar im Monat war alles bezahlt an spielerischer Unterhaltung. Worauf ich hinaus möchte: Der Trend zu diesen Forever-Games kreiert in der Regel Konsumenten, die weniger Umsatz bringen. Wer jahrelang ein kostenloses Spiel zockt und nur dieses, lässt die Umsätze nicht steigen. „Spiele als Service“ mag im Nachhinein Sargnagel Nummer 1 sein.

Steam Sales und Entwertung

Ok, so ab und zu dann doch mal wieder einen Offline-Einzelspielertitel zocken? Damals war Steam meine Plattform der Wahl und eines Tages gab es einen Steam-Sale, einen Sommerschlussverkauf für Waren, die immer Saison haben und niemals ausverkauft sind. Grandiose Idee und für mich damals schon der Beginn immer auf eine Aktion zu warten, denn wieso den doppelten Preis zahlen für Spiele, die sowieso eine längere und längere Haltbarkeitszeit haben?

Ich bin überzeugt, dass hier die Entwertung für Spiele, lange bevor Free-to-Play existierte, hier begann. Dann heute für Titel 80,- Euro zu verlangen und sich zu fragen, wieso die Umsätze nicht mehr genug steigen, ist sehr naiv. Der Markt für 80,– Euro-Titel ist genauso gesättigt wie in den 90ern für 150,– DM-Module oder im Fall von Neo-Geo 250,– DM-Titel. Hinzu kommt ein Generationskonflikt. Diese Titel kauft in der Regel die immer gleiche Demografie, ziemlich genau meine Generation. Jüngere Generationen kleben an kostenlosen Forever-Games fest. Die gewinnt man auch nicht mehr für etwas anderes. Wenn dann zusätzlich einzelne Titel fünf Jahre und mehr mit Tausenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern benötigen, dann wird es sehr schnell eng mit der Profitabilität.

Als ich anfing, Video- und Computerspiele zu entdecken, war der Markt noch überschaubar und somit voller Potential und neue Titel waren in einem Jahr fertig. Heute sind bis auf ein paar Schwellenländer alle Märkte erschlossen und übersättigt. Es werden mehr Texte geschrieben, mehr Musik komponiert, mehr Filme und Spiele entwickelt, als Menschen geboren werden, um das alles zu konsumieren, respektive wirtschaftlich funktionieren zu lassen.

Die einzige Anomalie ist Nintendo, aber die sind als Firma klein genug, um profitabel zu bleiben, und ihre IPs sind wertvoll genug, um nicht von der Börse abgestraft zu werden (was dennoch passiert ist). Aber selbst Nintendo hat kapiert, dass Videospiele an Bedeutung verlieren, und investiert nicht grundlos die letzten Jahre mehr und mehr in andere Bereiche. Das machen sie nicht freiwillig und generell fällt hier gerade für viele Hardcore-Fans meiner Generation, glaube ich, zum ersten Mal der Vorhang. Videospiele sind auch Kunst, ja, aber erstmal eine ganz schnöde Industrie in Konkurrenz mit anderen, die viel profitabler sind. Deshalb versucht man da mit aller Kraft, effektiver mit Hilfe von LLMs zu werden. Es gibt kaum eine Alternative und ganz ehrlich, das ist auch seit vielen Jahren irgendwie der Fall. Niemand modelliert heute einen einzelnen Baum mehr.

Das Modell des AAA-Titels mit 5 Jahren Entwicklungszeit setzt voraus, dass der Umsatz mit jedem Titel steigt, und genau dies ist nicht mehr der Fall, und ich fürchte, das wird es auch so schnell nicht mehr. Ganz ehrlich? Persönlich vermisse ich nichts. Wer soll das alles spielen? Ich schaue generell heute, wie lange ein Spiel zum Durchspielen benötigt, und wenn es mehr als 20 Stunden sind, bin ich sofort raus. Auch hier müsste mal reguliert werden. Solch lange Spielzeiten sind mir befremdlich und Daten belegen, dass die meisten Spieler sehr selten das Ende eines Titels sehen.

Hinzu kommt das Ende des technologischen Marathons. Präsentation ist gut genug, schon lange. Der normale Spieler wird keinen Unterschied erkennen zwischen den letzten beiden Konsolengenerationen. Insofern bin ich auch ganz froh, dass aufgrund der Hardware-Krisen momentan mal wieder optimiert werden muss, statt nur alle paar Jahre zu warten, dass die CPU- und GPU-Upgrades die Frames mit mehr Pixeln und Frames tanzen lassen.

„The Internet is for Porn“

Jetzt wird es erst spannend, dann lustig und eher auch traurig. Es stellt sich heraus, dass jüngere Generationen mehr und mehr Zeit mit sozialen Medien, Kryptowährungen, Glücksspiel und Pornografie verbringen und Videospiele den Kampf um Aufmerksamkeit verlieren. Tja, was soll ich dazu kommentieren? Fakt ist, dass dieser Kampf verloren ist und nicht nur Videospiele davon betroffen sind. Wenn der nächste Dopamin-Kick nur eine Touchscreen-Berührung entfernt ist, dann können viele klassische Medien nicht mehr konkurrieren, und verteufeln kann und werde ich das nicht. Das haben meine Eltern mit Videospielen damals gemacht. Auch Unterhaltung und Medien entwickeln sich, und solange man es nicht reguliert, ist der Trend eindeutig.

Auf einem Flug hab ich mal erlebt, wie ein junger Mann neben mir für mehr als 3 Stunden am Stück TikTok konsumiert hat. Die meisten Bilder/Videos wurden nach weniger als 2 Sekunden weggewischt. Das ist dann eben moderner Medienkonsum und ich glaube, es hat auch nicht nur was mit dem Alter zu tun. Ich sehe auch genügend Menschen meiner Generation und älter, die sich im virtuellen Umblättern auf diversen Plattformen verlieren. Als jemand, der genug von Technologie versteht, weiß ich durchaus, dass dieser Effekt ganz gezielt konstruiert ist und Videospiele eben vielleicht lernen sollten, die gleichen Werkzeuge zu verwenden, wenn sie eine Chance haben wollen.

Ich habe selbst keine Kinder. Von Freunden höre und sehe ich nur, dass hier Videospiele in zwei Formen stattfinden. Bei den Jüngeren Roblox, bei den etwas Älteren Fortnite. Die Idee, den Erfolg dieser Titel zu reproduzieren, wird genauso gut funktionieren wie die vielen erfolgreichen MineCraft und World of Warcraft “Killer”, der letzten 20 Jahre.

Am Ende bade ich hier dann in der Gelassenheit des Alters eines Mitt-Vierziger-Spielers.1 Selbst wenn morgen kein einziger Titel mehr kreiert werden würde, es gibt genug für den Rest meines Lebens. Gleichwohl würde ich gern wieder konsistenter neue Titel kaufen, aber für mich werden weniger und weniger Titel gemacht, was nachvollziehbar, aber eben auch eine selbsterfüllende Prophezeiung ist. Ich würde gern Preise sehen von 20 bis 50,- pro Titel und wäre fein damit, 6 bis 10 Stunden Spaß damit zu haben. Mit genau dieser Formel bin ich aufgewachsen und vielleicht ist solch ein Umfang auch nachhaltig kreierbar. Es ist schwierig, neue Formate zu etablieren und Spieler daran zu „binden“, wenn sie 5 Jahre auf den zweiten Teil warten müssen.


  1. Aufmacherbild: „How Do You Do, Fellow Kids?“ – 30 Rock ↩

  • Schlagwörter:
  • Fundstücke,
  • Games,
  • PC Games.

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1 Kommentar

  • #1
  • Sa., 14. März 2026
  • Marc schrieb:

Naja, nicht für jeden. Ich bin super happy mit den großen AAA Titeln für die PS5. Switch 2 habe ich nicht mehr gekauft weil ich ohne neues Zelda nicht wüsste was ich kaufen soll. Steam Deck und PC mit Baocera sind reine Emulationskisten. Das ist doch alles total geil! Und optisch gab es das vorher auch so nicht. Ich laufe immer gerne noch durch Horizon 2 und schaue mir die Landschaft an. Kann so weitergeht.

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