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Susannah Gora – You Couldn’t Ignore Me If You Tried
John-Hughes-Filme sind bis heute so eine einzigartige Zeitkapsel, die eine gewisse Zeit meines Lebens tolle Unterhaltung war, aber auch hier ändert sich meine Perspektive. Spätestens seit dem Tod des Auteurs im Jahr 2009 manifestiert sich eine gewisse Majestätsbeleidigung und das darf und muss auch so sein.
You Couldn’t Ignore Me If You Tried erschien ein Jahr nach seinem Tod und versucht, sich in eine neutrale Position zu begeben. Was die meiste Zeit auch gelingt, aber man schreibt nicht solch ein Werk, wenn man kein Fan ist. Das Format ist recht einfach, aber effektiv. Hughes Filme werden chronologisch Stück für Stück besprochen, garniert mit diversen Interview-Schnipseln von Beteiligten des jeweiligen Werks. Jeder Film bekommt so ein kleines Making-of, das zwar nicht in die Tiefe geht, aber das muss es bei diesen Filmen auch nicht. Hughes findet erstaunlicherweise eher im Hintergrund statt, auch weil er selbst keine Stimme des Buchs geworden ist.
Die wenigen Kapitel zwischen den Filmen widmen sich den Menschen dahinter, primär den Schauspielerinnen und Schauspielern, und wagen einen leicht kritischeren Blick auf den Personenkult, der damals noch ein Witz war im Vergleich zu allem, was danach kam. Diese Stellen des Buches waren für mich jetzt nicht so spannend. Ich bin wegen der Filme damals auf das Buch gestoßen. Hier hinterlässt das Buch gewollt oder nicht einen bitteren Beigeschmack. Der begründet sich bei mir aus zwei Faktoren. Zum einen merke ich heute, welch falsches Bild diese Filme bei mir hinterlassen haben und welch seltsame Rolle sein Auteur dann auch hinter den Kulissen eingenommen hat. Auch wenn die Filme ein anderes Bild erahnen lassen, scheint Hughes als Mensch nach dem Lesen des Buchs viel von seinem Glanz zu verlieren. Die einfache Ausrede wäre das Opfer seines Erfolgs, aber so einfach darf es nicht sein.
Mit 40 Jahren Abstand zwischen der Veröffentlichung seiner Klassiker und der heutigen Zeit rücken diese Filme in ein anderes Licht. Hughes‘ Geniestrich war klar seine Sprache und sein Instinkt, einer nicht existierenden Zielgruppe Hollywoods semi-dramatische Filme zu widmen. Und Hughes hatte ein gutes Gespür für das Gesamtpaket aus Marketing, Musik und, seien wir ehrlich, leicht auszubeutenden Darstellerinnen und Darstellern.
Ist das Buch lesenswert? Ich würde sagen, leider nein. Dafür ist die Sprache zu monoton und ähnlich wie die Filme selbst wird auch nur an der Oberfläche gekratzt. Am Ende existiert hier weder eine Lobeshymne noch eine wirklich kritische Gegenstimme. You Couldn’t Ignore Me If You Tried liest sich zwar schnell weg, aber es bleibt nicht viel hängen.
Was bei mir hängen bleibt? Die Dreharbeiten zu Planes, Trains & Automobiles waren wohl kein Zuckerschlecken und ein Klima, das primär vom Autor selbst getrieben war. Schade eigentlich. Vielleicht sollte ich doch nicht so viele Blicke hinter die Kulissen werfen.
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