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Loriot – Der ganz offene Brief
Wieder ein seit vielen Jahren ignoriertes Geschenk. Loriot – Der ganz offene Brief möchte ich kategorisch als vielleicht bestes Nachttischbuch bezeichnen, so viel kann ich schon verraten. Ich selbst bin mit seiner Kunst früh in Kontakt gekommen. Wenn ich mich richtig erinnere, dann spielte auf dem elterlichen Plattenspieler auch die ein oder andere Loriot-Schallplatte. Natürlich war ich und bin ich großer Fan. Wieso auch nicht, allein diese Sprache, da geht die Sonne auf.
Der ganz offene Brief ist eine Sammlung von „Leserbriefen“, die Loriot für die Zeitschrift Quick in den 50ern und 60ern verfasst hat. Das Buch zeigt so beim Umblättern jeweils den Text des Briefs sowie eine Zeichnung passend dazu. Als Leser und Fan merke ich doch schnell, dass sich der Autor hier noch zu der großen Koryphäe entwickelt, die wir heute als die Ikone Loriot, und Vicco von Bülow kennen. Die Sprache zwar schon im üblich polierten Stil, aber noch unvollendet. Besonders thematisch arbeitet er sich hier mal an tagesaktuellem und mal an ganz normalem Alltag ab. Zweites gelingt besser und wurde am Ende auch zu den großen TV-Sendungen und Filmen, die ewig gut bleiben und köstlich unterhalten.

Eines muss ich im Detail hier zeigen, denn auch wenn es fast 70 Jahre her ist, einige Themen scheinen Dauerbrenner:
Sehr geehrte QUICK!
Offensichtlich fühlen wir Deutschen uns zu Höherem berufen, denn nur noch sehr vereinzelt findet man hierzulande jemanden, der in der Bedienung seines Mitmenschen berufliche Befriedigung findet. Glücklicherweise haben wir jedoch einen Nachbarn, der nicht ausschließlich aus Führernaturen besteht. Italienische Herren und Damen haben sich zu Abertausenden in der Bundesrepublik eingefunden, um aufzuräumen, abzuwaschen, Stiefel zu putzen, zu servieren und Straßen auszubessern. Leider sind sie jedoch der hiesigen Sprache nicht mächtig. So brachte mir der italienische Ober eines Stuttgarter Speiselokals statt eines Wiener Schnitzels vier Eier im Glas, bestrich infolge eines weiteren Missverständnisses mein Rumpsteak mit Orangenkonfitüre und öffnete, als ich um die Rechnung bat, augenblicklich eine Flasche Champagner. Ich verließ meinen flinken Neapolitaner dennoch im Hochgefühl des verwöhnten Gastes, denn er verrichtete seine Arbeit mit jener heiteren romanischen Noblesse, die in seiner Heimat selbst Putzfrauen den Hauch des Königlichen verleiht.
Hochachtungsvoll
Definitiv das perfekte Buch für wenige Seiten vorm Schlafen, aufgrund seiner Struktur und natürlich der Sprache. Daumen hoch, ganz klar, und ein wirklich gelungenes Geschenk.
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