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Rocky in 2026
  • Mi., 04. November 2026
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Rocky in 2026

Gestern lief im Rahmen von Best of Cinema ein wirklicher Klassiker: Rocky und da ich den Film mag, aber noch nie im Kino gesehen habe, saß ich abends im Kino. Ein paar Notizen dazu. Der Kinosaal war voll. Primär Studentinnen und Studenten wie ich von der Dame neben mir sitzend lernte, welche ihre Karten für lau bekommen haben. Ich glaube, viele hier hatten diesen Film noch nie gesehen und die Motivation der Nachbarin war: „Meine Eltern sind große Boxfans und verehren diesen Film.“ Ich wollte ihr nicht mitteilen, wie wenig Boxenszenen eigentlich im ersten Teil vorkommen.

Seit meinem Eintrag 2010 hab ich den Film nicht mehr gesehen. Ich war überrascht, wie viel Stallone hier zu sprechen hat, aber es ergibt Sinn, denn es ist sein Drehbuch und so ziemlich seine erste große Produktion. Natürlich schafft er sich genug Raum. Aus heutiger Sicht finde ich es fast schon zu viel. Ich möchte noch nicht behaupten, es ist überschrieben, aber lässt den Film dadurch merklich altern. Irgendwie fehlt ein eindeutiger, klassischer zweiter Akt, aber das braucht es nicht mal, denn unser Held ist von der ersten Sekunde an in einer Krise.

Die Figur des Pauly ist für mich heute noch unerträglicher. Ich hatte vergessen oder noch nie realisiert, wie furchtbar er ist. Ich vermute, da steckt auch viel von Stallones eigenem Vater drin.

Meine Güte, wie perfekt war die Besetzung des Apollo Creed? Carl Weathers ist hier eine Naturgewalt und der perfekte blank polierte Kontrast zum schmutzigen Rocky Balboa.

Adrian dagegen ist heute eine Hülle von Charakter, ohne einen Kern. Natürlich ist der Film primär Charakter-Studie und am Ende eben auch ein romantisches Drama mit einer eindimensionalen Dame. Ok, es waren die 70er, aber dass man solche eine Darstellerin nur mit einer Brille und Mütze unscheinbar machen möchte, ist … nun ja, definitiv aus der Zeit gefallen. Adrian wird hier in Lichtgeschwindigkeit zu einer völlig anderen Person und stagniert dann die nächsten Filme.

Burgess Meredith Micky ist auch noch heute ein moralischer Kern des Films und die Szene in Rockys Wohnung bricht mir heute mehr denn je das Herz. Allein dafür hat der Film seine Preise verdient. Zwei hypermaskuline Figuren dieser Zeit, aus verschiedenen Generationen zu zeigen, die schmerzhaft Schwäche voreinander zeigen, Fehler eingestehen. Das bleibt auch 2026 vielleicht mehr denn je großes Kino.

Eine Szene brachte die größte Ruhe in den gesamten Kinosaal mit einer Anspannung irgendwo zwischen Faszination und Cringe wie viele es betiteln würden. Als Rocky Adrian in seine Wohnung bittet, dann ist das offenbar für viele der jungen Zuschauerinnen und Zuschauer eine Situation, die in ihren Details heute hinterfragt wird. Auf dem Weg nach Hause liefen zwei Personen hinter mir, die genau diese Szene besprachen und wie falsch viele der Details hier aus ihrer Sicht heute waren. Das zu belauschen war interessant und zeigte mir: Ich bin keine 20 mehr und Film ist eben auch ein Spiegel seiner Zeit, Klassiker hin oder her.

  • Schlagwörter:
  • 70s,
  • Kino,
  • Rocky.

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