
Momentaufnahme
Merci Paris
Als ich gestern nach 20 Uhr wieder zu Hause ankam, war da eine Mischung aus Euphorie und Traurigkeit im Kopf. Irgendwie traf dies auf alle letzten Tage zu. Mein Plan war sicherlich ein anderer, als diese Art, Paris zum ersten Mal zu sehen, aber erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt. Seit Covid und seit Verlust meines damaligen Jobs bin ich nicht mehr allein grenzüberschreitend gereist. Früher war das fast Normalität und heute eben seit vielen Jahren nicht mehr. Hinzu kommt, dass 2026 ein anderes Jahr für mich ist. Ich gebe zu, da existiert noch immer eine gewisse Unsicherheit, sich die Welt wieder allein anzuschauen, aber ich hatte einfach irgendwie Appetit darauf.
Paris ist schon lange auf der Liste meiner Wunschziele. Irgendwie hat es bisher nie funktioniert. Ich hatte einfach Lust auf einen kurzen Umgebungswechsel und natürlich die legendäre Kulinarik dort. Es stellt sich auch heraus, dass ich nach solchen Ausflügen immer mit einer gewissen Inspiration wieder heimkehre. Auch das habe ich dort versucht zu finden. Am Ende war sicherlich auch ausschlaggebend, dass ich nach langer Pause wieder Kontakt zu einem Menschen bekommen habe, die dort mittlerweile seit zwei Jahren lebt, deren Kontakt für 12 Monate brach lag und die ich zuletzt vor 4 Jahren zum letzten Mal live sah. Ich glaube, der Gedanke daran hat mich diesen Trip auch relativ spontan durchziehen lassen.
Schon die Zugfahrt hin war toll irgendwie. Anschließend war ich nach 2 Fahrten mit der Metro am Zielort. Paris erscheint erstaunlich sauber, verglichen mit anderen Metropolen meiner Vergangenheit. Auch besonders die Metro-Stationen. Mir fiel aber schnell auf, wie unsicher ich mich in einer Umgebung fühle, in der ich die Sprache weder spreche noch verstehe. Wir hatten auch ein kurzes negatives Erlebnis, als ein vermutlich verwirrter junger Mann, brüllend und aggressiv artikulierend auf mich/uns wartend, auf die Metro-Haltestelle zurannte und ich die Situation entspannen wollte, aber sprachlich dazu nicht fähig war, denn mit Deutsch oder Englisch war dieser Person nicht beizukommen. Seltsame Situation und wieder gemerkt, wie essenziell Sprache sein kann.

Ein Hund im Café? Bei uns würde das Gesundheitsamt schreien, mir kamen fast die Tränen bei diesem Anblick. Die beste Frühstücksbegleitung.
Am ersten Tag konnte ich alle größeren Sehenswürdigkeiten für mich als erledigt markieren. Ich warf mich unvorbereitet in die örtliche Gastronomie und fiel abends sehr erschöpft ins Bett. Der Höhepunkt war zweifellos, die Person wieder zu treffen und viele Stunden mit ihr teilen zu dürfen, auch wenn wir beide irgendwie nicht in unserer besten physischen und mentalen Form waren, aber vielleicht machte genau das gerade die Offenheit und Verletzlichkeit aus. Ansonsten besuchte ich natürlich die John-Wicke-Orte und nun den Film wieder zu sehen ist gleich was anderes. Alles wirkte aber kleiner in der Realität. Selbst ein lokales Kinoerlebnis war möglich.
Ich hab sehr gut gegessen und irgendwie waren die Preise auch geringer als hier in Deutschland. Besonders ein Marktbesuch bleibt mir im Gedächtnis. Die Qualität der Waren zu sehen, zu riechen und zu schmecken, war ein Erlebnis für sich. Da wird mir wieder vor Augen geführt, welch geringe Qualität wir hier in Deutschland bekommen, weil wir uns lieber bei Lebensmitteln krank sparen. Auf diese Vielfalt und Qualität bin ich schon jetzt neidisch.
Für zwei volle Tage hab ich, glaub ich, viele Eindrücke sammeln können und bis auf wenige Momente waren diese sehr positiv, auch wenn es für mich gleichzeitig wieder eine ungewohnte Situation war, allein das große Unbekannte zu erkunden. Gleichzeitig war da eine gewisse (un)gesunde Melancholie meine ständige Begleiterin.
Paris, ich werde dich wiedersehen. Das tat gut. Merci
2 Kommentare
Schön zu lesen, dass das eine tolle Reise war. Mich würden kulinarische Details interessieren. Gerne hier im Blog.
Bei meinem ersten Besuch hat mich damals vor allem die Pracht beeindruckt, mit der Frankreich über Jahrhunderte seine Hauptstadt auf- und immer wieder umgebaut hat. Was für eine Pracht!
Es war recht unspektakulär, was das Speisen betrifft. Das muss ich das nächste Mal vorher besser planen. Ich aß zweimal hier, weil es nah am Hotel und super günstig für die Qualität war: 750g La Table. Ein 3-Gänge-Menü für unter 30 €. Ich kostete die Terrine, die Foie gras, einmal Fisch und einmal Huhn, sowie zweimal den Schokoladenkuchen danach. Dieser war wirklich traumhaft und ich bin kein großer Fan von Süßspeisen. War eben reduziert süß, aber schokoladig mit unglaublich vielen Texturen.
Beim Frühstück war ich etwas anspruchsvoller, da ich früh was Herzhaftes mit Ei essen möchte. Le Versailles hat ein tolles Angebot mit solidem Omelett und Croissant, auch hier war ein kurzer Weg ein Argument. Kozy dagegen war ok und eher Touristen-Anlaufstelle. Würde ich kein zweites Mal hin, auch weil das Egg Benedict auch nur wirklich singular, ein einzelnes Ei, war und das habe ich so noch nie erlebt. Instagram-Essen, mehr nicht. Preis war noch ok dafür.
Abends waren wir zu zweit im Les Antiquaires. Zu 60% würd ich sagen, ein Touristen-Lokal. Etwas überteuert, aber es schmeckte sehr gut. Dort aß ich Zwiebelsuppe (die mir einen Hauch zu salzig war) und ein perfektes Thunfisch-Steak mit Ratatouille. Den zweiten Abend suchte sie ein unscheinbares asiatisches Suppenlokal auf, dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe. Auch hier galt: nicht das beste Essen der Welt, aber ein bemerkenswertes Preis-Leistungs-Verhältnis. Wir hatten Dumplings als Vorspeise und eine Nudelsuppe mit Rinderbrühe.
Zwischendrin gab es hier und da ein Croissant und natürlich war hier die Qualität wie auch beim Brot bemerkenswert.