
Angehört
Gorillaz – The Mountain
Gorillaz sind ein bemerkenswertes Projekt, für mich immer noch in dieser interessanten Zwischenzeit geboren, als Musikfernsehen noch Macht hatte und das Internet sich erst langsam zu dem musikalischen Massenmedium entwickelte. Diese Musik war so perfekt inszeniert und als Produkt vermarktet, wie ich es selten erlebt habe. Ich war schnell Fan, auch weil die Band ihre Hip-Hop-Einflüsse zelebrierte. Hinzu kam die visuelle Ästhetik, die ich bis heute gelungen finde. Nun ist mit The Mountain ein neues Album da und das ist mal einen Eintrag wert.
Was die Band für mich so spannend macht, ist diese Fusion aus so vielen unterschiedlichen Genres und Gästen. Auch diesmal ist es nicht anders. Es existiert ein übergeordnetes Konzept, sowohl thematisch als auch musikalisch. The Mountain beginnt mit einem Instrumental-Intro und etabliert sich damit in wenigen Minuten ziemlich makellos. Es geht um Verlust von Menschen, aufgebaut auf einer indischen Instrumentalität und selbst mit vielen Gästen, die schon lange nicht mehr unter den Lebenden weilen. All das versetzt dem Album eine tonnenschwere Sentimentalität, die es mit Melodik kontert.

„You know the hardest thing is to say goodbye to someone you love. That’s the hardest thing.“
The Mountain hat die unterhaltsamsten, leichtesten, traurigsten Lieder, die ich seit langer Zeit gehört habe, und kaum ein Lied auf dem Album präsentiert das besser als Orange County. Dieser Kontrast aus seichter, eingängiger, positiver Melodie und der ersten Textzeile, so herzbrechend eingesungen, das macht was mit mir. Wundervoll. Ich hab das Lied mehr als 20 Mal angehört und möchte nicht aufhören damit.
Auch hier wieder meine Perspektive von alternder Jugendkultur und Themen, die erst Dekaden später ins Licht rücken und dann eben auch Kunst formen, wie es Popmusik dieser Art selten schafft. Man kann The Mountain aber auch nur rein objektiv betrachten und erhält ein surreal gut klingendes Album mit enormer Vielfalt zwischen den einzelnen Liedern. Diese Symbiose aus exotischer Instrumentalisierung und Hip-Hop-Texturen ist jetzt nicht neu und hatte in den späten 90ern und frühen 00ern ihren Zenit. Ich mochte das immer, aber es hatte sich dann überspielt und der erste, der das meines Wissens nach etabliert hatte, war Timbaland. Ist spannend zu sehen, wie auch dieser Mix heute wieder frisch klingen kann.

Allein für die Klangqualität ist das ein Anhören mehr als wert. Wer sich noch wie ich von einigen der Themen abgeholt fühlt, dem steht hier was ganz Besonderes bevor. Ein perfektes Album für eine Autofahrt.
Beide Daumen hoch für The Mountain.
3 Kommentare
Oh … OH … ooooh … indische Instrumentalität gehört bei mir seit Matthew Halsalls „Oneness“ ja auch fest zum emotionssteuernden Werkzeugkasten. Mal schauen, wie gut ich mit der tonnenschwere Sentimentalität zurecht komme. Ein Versuch ist es mehr als wert. Danke!
Ist die aufgefallen, dass in den Credits für den Aufmachertrack „The Mountain“ der Name „Dennis Hopper“ in den Credentials steht? Ich vermute, sie haben ein Sample von ihm irgendwo im Ende drin, erkenne es aber nicht … vielleicht ist es aber auch ein anderer Dennis Hopper …
Nein, das ist der echte und ist nicht so eindeutig, weil viel Echo und andere Stimmen, aber er sagt nur „the Mountain“?
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