
Live erlebt
Dendemann – Konzert im Astra Berlin
Wieder so eine intensive lebenslenkende Woche. Dendemann-Konzert mit Ben in Berlin. Was soll da schiefgehen? Nüscht! Wobei ich meine Ohrenschützer zu Hause vergessen hatte und so schnell neue kaufen musste, aber das war ein lösbares Problem. Also war ich bereit, nach einem tollen Kaffee, toller Pasta und wertvollem Gequassel mit Ben auf Hip-Hop made in Germany und eine Ikone des Genres.
Der Künstler ließ dann etwas auf sich warten und mit 45 Minuten Verspätung startete ein 2-Stunden-Konzert, in dem es bis zum Schluss keine Pause gab. Die Rap-Rentner Deutschlands können es noch. Erstaunlicherweise füllte sich die Konzerthalle doch sehr und plötzlich waren wir umgeben von primär Männern in ihren besten Jahren, die für zwei Stunden ihr spießiges Leben ausblendeten, um Eigenheim, Frau und Kind zu vergessen, und mit geballter erhobener Faust liberale Kapitalismuskritik zu zelebrieren. Das zu erleben war schon sehr surreal und alternde Jugendkultur bleibt mein Ambrosia.
Bei diesem Künstler bin ich nicht wirklich textsicher. Ich kenne die großen Lieder, aber mehr auch nicht, weiß aber auch um seinen großen Ruf. Dieser Tour liegt auch ein neues Mixtape zugrunde, das ich nun auch grad belausche und in Erinnerungen an gestern schwelge. Dendemann gilt als Lyriker und einer der besten lokalen Live-Acts des Genres, denn diese Pferdelunge bleibt auch noch heute bemerkenswert. Er braucht keine zweite Stimme auf der Bühne, die Atempausen füllt. Er zieht das noch locker durch, auch wenn die Jahre ihre Spuren bei allen hinterlassen haben.
Ein kleiner potentieller Makel: Er ist wohl noch Freund von primär US-Beats großer anderer Künstler, als Untermalung seiner Live-Auftritte. Das muss man mögen, aber hier passt das für eine Club-Tour wie die Faust aufs Auge und Bonuspunkte für die Nutzung eines wahren Timbaland-Deepcuts.
Es war intensiv, voll, laut und getragen von einem Dendemann der wirkte, als hätte er Spaß.
Ein toller Abend. Danke, Ben_.
1 Kommentar
Das war nicht weniger als unvergesslich und wirklich richtig, richtig viel Spass. Bei solchen Konzerten merkt man voll, was für eine andere und grossartige Kultur Hip-Hop doch eigentlich ist und wie tief er in Konzepten von Gemeinschaft verwurzelt ist. Davon abgesehen: Meine Fresse, hat Dendemann es drauf …