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Beast Mode – Prolog
  • Mo., 12. Oktober 2026
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New Wave trifft auf Hip-Hop

Beast Mode – Prolog

Im letzten Jahr rückte die Band Depeche Mode in meinen Fokus. Aus guten Gründen wollte ich mein Halbwissen ergänzen und fand unter anderem heraus: Die Band nutzte mehr als ein Beastie-Boys-Sample und seit einigen Wochen ist mir klar, dass es da noch mehr Parallelen und spannende Kontraste zwischen beiden Bands gibt. Beast Mode ist eine neue Serie von Einträgen, eine Art duale Kritik aller oder der meisten Alben beider Bands. Beastie Boys sind mir seit langer Zeit ein treuer musikalischer Begleiter, aber auch hier fehlt mir bisher eine wirklich gezielte Kenntnis des gesamten Werks. Ich kenne einzelne Lieder, einzelne Alben, aber ein kompletter Gesamtüberblick fehlt mir. Gleichzeitig bin ich wirklich gespannt, bei Depeche Mode meine Wissenslücke etwas zu schließen.

Erstkontakt

Als mein Bruder 14 oder 15 und ich demnach 7 oder 8 Jahre jung war, hörte er vermehrt Musik dieser Kategorie, primär eben The Cure und Depeche Mode. Dementsprechend kam aus seinem Zimmer öfter genau jene Band. Es hingen Poster an den Wänden, aber ich war zu jung, um das angemessen zu verarbeiten. Für mich klang das damals komisch. Jahre später, als die ersten Violator-Singles auf MTV liefen, wurde mir der Name wieder bewusst, dass es eben jene Band ist, die damals aus dem Jugendzimmer meines Bruders erklang. Dieses periphere Anhören war bis heute der Fall, auch deshalb diese Serie und der Wunsch, das zu ändern. Hinzu kommt, dass ich nun einigen Menschen begegnet bin, für die allein diese Musik Symphonie und Monokultur des Lebens zu sein scheint. Hier muss es also etwas Besonderes geben.

Die Beastie Boys dagegen dauerten dann noch ein paar Jahre länger und was mir natürlich in Erinnerung ist: das Video zu (You Gotta) Fight for Your Right (To Party!), das selbst in den frühen 90ern noch oft bei MTV gespielt wurde. Dies war Party-Mucke der einfachsten Art, die wir tatsächlich auch regelmäßig hörten und auf Schul-Diskos spielten. So richtig gezielt hab ich die Band erst ab dem vierten Album Ill Communication gehört, war von da an aber sofort Fan und hab jedes neue Album zelebriert, auch wenn es ein Auf und Ab war über die Jahre hinweg. Mit mehr Lebensjahren auf dem Buckel und als Gast der Hip-Hop-Kultur scheint diese Band eine noch andere besondere Rolle zu spielen. Auch dies soll Teil der Serie werden.

Depeche Modes Rock-&-Roll-Hall-of-Fame-Ansprache (2020)

Warum diese so absurd wirkende Paarung?

Beide Bands wuchsen zu einer ähnlichen Zeit heran, nahmen Punk als Grundlage für etwas Eigenes, konnten wirklich Instrumente spielen und zogen dennoch die Synthetik vor. Machten technische Progression zur Grundlage ihrer Kunst. Beide Bands schufen ihre Nische, die zur Dominanz ausgebaut wurde, und bauten neben Studio-Alben eine zusätzliche Live-Identität auf, die anders, aber ergänzend funktionierte, wie es kaum andere Bands geschafft haben. Beide Gruppen erlebten nach großen Erfolgen einen Fall, aus dem sich beide mit neuen Alben zurück in die Weltspitze spielten, und die eine nutzte eben auch Samples der anderen. Beide verloren frühzeitig Gründungsmitglieder und befinden sich in meiner Wahrnehmung heute in einer Art Limbo. Ich wollte beide dieser Gruppen seit langer Zeit live sehen, was nie Realität wurde und nun unmöglich scheint.

Gleichzeitig sind die Kontraste spannend. New York und Londons Speckgürtel als Herkunft repräsentieren auch zwei Seiten der popmusikalischen Medaille und enden letztendlich in einer Ästhetik, die unterschiedlicher nicht sein könnte. Genau deshalb finde ich diese Serie schon jetzt spannend. Und hey, es existiert sogar eine Pressung mit beiden und natürlich Mashups.

Audio- und Musik-Geschichte

Auch spannend, besonders bei diesen ersten Alben: Ich höre Musik heute anders als vor 40 Jahren. Auch Audio-Technik hat sich weiterentwickelt und ich muss heute auf keinem Mono-Radio oder Walkman, der nach zwei Wochen defekt ist, Musik hören. Trotzdem wurde auch Musik zu dieser Zeit für die Technik von damals kreiert. Ist ähnlich wie einen alten Film, plötzlich in einer visuellen Pracht zu genießen, wie es vor wenigen Jahren nicht möglich war. Genauso kann ich heute Musik in einer Qualität hören, wie es selten zuvor in meinem Leben der Fall war. Klar gab es immer tolle Optionen, aber die konnte ich mir bisher nicht leisten und das heutige Preis-Leistungs-Verhältnis bei Audio-Technik ist großartig. Mittlerweile bin ich bei einem dritten Paar der gleichen Audio-Technica-Kopfhörer, die auch gefühlt jedes Jahr teurer werden.

Beastie Boys‘ Rock-&-Roll-Hall-of-Fame-Ansprache (2012), diese eine liegende Trophäe …

Vielleicht treibe ich dies hier auch schon zu weit, aber bei der Bildersuche fand ich auch schon Kassetten-Cover dieser alten Alben und da läuft mir schon die ein oder andere Nostalgie-Träne die Wange herunter. Beide Bands sind auch Geschichte des Musikvideos und beide haben Meisterwerke und Rohrkrepierer, was dieses Medium betrifft. Auch das wird spannend, noch einmal neu zu entdecken.

Erwartungen

Was ist mein Status quo zu beiden Bands heute? Ich erkenne die Leistung von mehr als 40 Jahren Kreation und dieses fokussierte Gesamtwerk aus Musik mit einer gewissen Ästhetik. Das kann ich sehr einfach respektieren und die großen Singles sind mir natürlich ein Begriff. Gleichzeitig erwarte ich, dass hier textlich weniger passiert als in der Komposition. Ich vermute auch, dass mir persönlich weniger die bekannten Singles, sondern mir die Stücke abseits der bekannten Auskopplungen besser gefallen werden. Und nach dem Anhören der ersten zwei Alben tritt genau das ein. Ich glaube auch, dass ich viele Zutaten erkennen werde, die Jahre später auch im Hip-Hop verwendet wurden.

Im Gegensatz dazu erwarte ich von den Beastie-Boys-Alben, dass sich mein Eindruck der Vergangenheit etwas ernüchtern wird. Auch hier erwarte ich, dass nicht alle Zutaten gut gealtert sind und die kulturelle Frage hier heute spannender ist als vielleicht die musikalische. Insgesamt glaube ich, dass ich die Beasties nach dieser Serie weniger und Depeche Mode mehr mögen werde. Mal schauen, was passiert.

Am Ende jedoch mag ich einfach nur sehr dediziert zwei sehr unterschiedliche Diskografien hören und daraus etwas Lesenswertes für das Weblog kreieren. Der nächste Teil dreht sich um das jeweilige Debüt beider Bands: Speak & Spell sowie Licensed to Ill. Gehört hab ich beides die letzten Tage schon oft. Bei den 1001 Alben habe ich aber gemerkt, dass ein halbherziges, peripheres Anhören für mich meist nicht ausreicht. Drum lasse ich mir hier etwas mehr Zeit. Eindrücke müssen etwas reifen. Aber so viel hab ich schon notiert: Es startet mit ganz viel nach Identität suchendem Kontrast und auch 40 Jahre später klingen beide Werke toll.

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