
Durchgespielt
Halo Campaign Evolved
Das letzte von mir mit voller Hingabe gespielte FPS (vor meiner Rückkehr zu einer Konsole) war 2010 Singularity. Als MMO-Spieler klebte ich ab 2000 an der PC-Plattform und so entging mir eben auch Halo das nach Goldeneye und Medal of Honor als nächster großer Wurf des Genres ohne Maus und Tastatur gilt. Bisher hatte ich das immer belächelt, denn selbst auf dem PC war das Genre spätestens mit Half-Life anders und nicht immer nach meinem Geschmack.
Die Struktur wurde linearer, das Gameplay dadurch vereinfacht und eine cineastische Komponente sollte das alles ausgleichen. Die verschachtelten Labyrinthe eines Doom oder Quake jedenfalls machten Platz für lineare Korridore. Das war selten damals nach meinem Geschmack und so schlief ich alle Zeit als passiver Zuschauer und verpasste somit eben auch Halo.

25 Jahre später ist der Titel zum zweiten Mal neu aufgelegt, reduziert auf seine Einzelspieler-Kampagne. Eigentlich genau das Richtige für mich, und so probierte ich mein Glück, auch weil es im Game-Pass-Abo enthalten ist. Halo Infinite hatte ich damals zur Veröffentlichung für 3 Stunden probiert und dann schnell fallen gelassen. Ich hatte eine leichte Vorahnung und was soll ich sagen, auch wenn man diesem Titel sein Alter anmerkt, mir ist bewusst, wieso dies damals so erfolgreich sein musste.
Erstmal war ich überrascht, wie dreist man sich auch hier an anderen Quellen bedient. Es gibt Sequenzen, die könnten 1:1 aus Aliens sein. Insgesamt wirkt die Formel wie eine Mischung aus Aliens und Starship Troopers mit dem Doom Ranger als Protagonisten. Aber gut, neu gemischt, muss nicht schlechter sein. Für ein Spiel ist die Welt spannend genug. Das Spielerische ist interessanter, finde ich.
Halo wirkt für mich, 3 neue Rezepte in dieses Genre zu integrieren. Zum einen kann ich als Spieler maximal 2 Waffen gleichzeitig tragen. Es existiert ein Schutzschild, das regeneriert und somit die Geschwindigkeit drosselt, was bei der Präzision eines Controllers eine wirklich smarte Idee ist. Drittens: Zwischen den sich sehr wiederholenden linearen Tunnelsequenzen, brechen diverse Fahrzeuge die gefühlte Enge auf und lassen die Welt deutlich größer wirken, auch wenn sich wirklich alle davon miserabel steuern.
Alles in allem hatte ich ein paar unterhaltsame Stunden und der Titel weiß sehr gut, wann Schluss sein sollte, auch das ein Relikt der Zeit, das mir sehr gefällt. Ich brauch keine 10+-Stunden-Spiele mehr.
Viele Kritiken zerreißen diese neue Version und rein visuell muss ich zustimmen, dass die Ästhetik hier sehr generisch ist und das 2001er Original markanter wirkt. Hier zeigt sich wieder, wie wertvoll technische Limitierung auch künstlerisch sein kann.
Ich muss den Daumen hochgeben. Ein kurzweiliger Spaß, wobei man wissen muss, dass sich hier eben auch 25 Jahre alte Zutaten verstecken. Das kann nicht jedem schmecken.
0 Kommentare