
Durchgespielt
007 First Light
Meine spielerische Karriere im Bond-Franchise reduziert sich bisher auf zwei Titel. The Spy Who Loved Me und der beste Bond-Shooter ohne den Namen im Titel: No One Lives Forever. Im Rahmen der letzten Wochen und Monate fand ich wieder Appetit für das Franchise und so kaufte ich mir 007 First Light, das erste schwergewichtigere Spiel des Franchise seit Jahren und von den Machern der Hitman-Titel. Das sollte eigentlich passen.

Einfach formuliert: Für Fans des Franchise ist dieser Titel ein Muss. Wie man es oft schon formuliert: IO Interactive Understood the assignment. Diesen Titel zu bewerten, muss aus zwei Perspektiven stattfinden: als Spiel und als neues Teil des Franchise. Ich fange mit dem Einfacheren an.
First Light sieht teilweise richtig schick aus, klingt grandios (auch wenn irgendwie alle leicht nuscheln) und spielt sich dem Genre angemessen gut. Es möchte eine Mischung sein aus bombastischer Action und ruhigen Momenten des Spionlebens. Beides hat Stärken und Schwächen, aber der Titel lebt eben von dieser Abwechslung. Dieser Titel ist im Kern eines von diesen Spielen, deren Aufhänger hier buchstäblich ein cineastischer ist. Dafür rücken eben Gameplay und oder Interaktivität etwas in den Hintergrund. Zwar findet man ganz Hitman-ähnlich Abschnitte mit mehreren Optionen einer Lösung des Puzzles, aber es dominiert ganz klar eine superlineare Struktur, bei der Bond wie in einer Geisterbahn durchgeführt wird. Das ist ok, aber bleibt am Ende “nur” Oberfläche. Ganz wie die Filme auch lebt das Spiel vom Rhythmuswechsel und ja, einige dieser Setpieces sind großartig, aber oft zu schnell vorbei. Das Spiel hat einige tolle kleine smarte Gameplay-Ideen, aber verwirft sie nach 3 Minuten wieder. Ich bin mir sehr sicher, dass eine potentielle Fortsetzung hier ansetzt. Für mich der mit Abstand beste Moment: Bond hackt ein Flugzeug und man bekommt so als Spieler die Möglichkeit, die Ausrichtung zu steuern, woraufhin die Fracht darin zum Problem für die Bösewichte wird. Das ist eine so gute, aber zu kurze Sequenz im Spiel.
Kleine Kritikpunkte. Das Spiel pendelt zwischen Arenen, in denen ich als Spieler relativ viele Optionen habe, und eben diesen Abschnitten, ohne überhaupt mehr als eine Option. Hinzu kommt dieses seltsame Gefühl realistischer Grafik, in der alle interaktiven Pfade mit gelber, blauer und weißer Farbe markiert sind. Das ist jetzt kein Problem dieses Titels, sondern des Mediums insgesamt.
Zwei Mal blieb mein Bond in der Geometrie stecken und ich musste neu starten. Ich weiß nicht, ob ich hier schon zu verwöhnt bin, aber die Ladezeiten sind spürbar altbacken lang. Ich hätte mir eine explizite Speicherfunktion gewünscht, stattdessen existieren nur implizite Checkpoints. Das UI ist teils inkonsistent bei der Anzeige essentieller Interaktionen, aber das sind wirklich nur Kleinigkeiten.
Insgesamt ist beeindruckend, wie smart man hier wieder investiert zu haben scheint. Dies ist kein Titel mit riesigem Budget, sondern mit einem fachlich sehr gekonnt eingesetzten. Sie wissen, wo sie sparen können und wo nicht, deshalb ist die Präsentation auch leicht durchwachsen, aber trägt die Kino-Komponente problemlos ins Ziel.
Visuell finde ich First Light spannend. Die Optik ist eine Mischung aus dem Versuch, möglichst realistische Umgebungen zu haben, in denen sich dann doch eher abstrahierte Charaktere bewegen. Das dauerte bei mir eine Weile, um mich dran zu gewöhnen, aber irgendwann verschmelzen beide Ansätze. Gleichwohl sieht und spürt man bei den Charakteren, dass hier kein endlos großes Budget verfügbar war und man doch sehr viele davon ins Spiel bringt. Alles zusammen gibt dem Titel eine individuelle visuelle Ästhetik, die mir gefällt.
Die Bond-Perspektive
Was zeichnet diese Serie so aus? First Light ist erfolgreich und ich bin gespannt, wie Amazon als Besitzer der IP die Spiele neben den Filmen platzieren wird. Dieses Spiel versucht zum ersten Mal einen Blick zurück und das Spiel ist effektiv eine Erzählung, wie aus einem Engländer, Mitte 20, ein Superagent wird. Diese Hürde muss man als Fan nehmen und ich bin ehrlich, das wirkt lange nicht falsch, aber zu anders. Dieser Bond ist eine Mischung aus Connery und Moore. Damit finden sowohl die ernsten als auch die heiteren Momente ihren Aufhänger. Zu keinem Moment jedoch kippt der Film in die Parodie.
Strukturell finde ich den Titel mal wieder zu lang. Es gibt eine lange Strecke am Anfang, wo wir den Helden in seiner Schule für Agenten begleiten, wo er natürlich als Bester seiner “Klasse” fungiert. Das wirkt für mich wie ein inhaltlicher Puffer, den es nicht braucht, auch wenn es dramaturgisch als emotionale Treppe für Bond dienen soll. Was das Spiel kann und die Filme nicht, sind eben diese zusätzlichen Minuten des Narrativs. Im Film wäre sowas eiskalt gestrichen.
Auch die allgemeine Handlung ist deutlich langatmiger als ein Film. Ich werde nicht das Adjektiv „komplex“ benutzen, weil das eine Lüge wäre, aber das Spiel nimmt sich sehr viel Zeit, seine Bösewichte, deren Motivation und Plan zu offenbaren. Das gefällt mir aber sehr und nur ganz am Ende wirkt es unnötig in die Länge gezogen. Ich fühlte mich teilweise wie in der vierten finalen Konfrontation. Nur soviel: Natürlich bedient sich das Spiel an relativ modernen Themen wie KI und Gier als großen Zutaten seines Plots. Ohne zu spoilern, ist First Light mehr die Geschichte einer anderen Figur im Spiel und das ist in der Tat die stärkere. Alles in allem wäre der Plot, etwas zusammengestrichen, durchaus reif für eine Filmversion.
Spannend war auch, wie sexgeladen solch ein Spiel im Jahr 2026 ist. First Light verzichtet in jeder Hinsicht auf Explizites und Bonds Bettgeschichten finden bis auf eine kurze Einstellung auch wirklich nur implizit statt, wenn sogar darüber hinaus. Es fühlt sich jedoch so an, als ob die Macher gern die alte Ära des Franchise auch in diesem Winkel reaktivieren würden, aber sich bewusst sind, wie falsch das wäre. Am Ende gibt es hier und da ein Male Gaze.
Die Details stimmen einfach und dazu gehört auch die Titelsequenz, also hier eine schnelle James-Bondparade-Analyse.

Lana Del Rey bekommt nur endlich ihren Bondsong, wenn auch nicht auf der großen Leinwand, dann aber in einem verdammt guten Spiel. Das Lied … nun ja, ich sage mal so, es wirkt wie eine Mischung aus allen musikalischen Bond-Motiven der letzten 60 Jahre und so fehlt mir das Individuelle hier. Ich glaube aber, für dieses Spiel passt es perfekt, denn hier findet sich eine andere Zielgruppe und es ist auch eine andere Zeit. Ich sage mal, dieses Lied ist Bond-Musik mit der Brechstange, was auch zur Optik hier passt. Eine ganz solide Sequenz samt Lied, die aber schnell vergessen ist.
Fazit
First Light bleibt für mich dennoch tolle Unterhaltung mit kleinen Abstrichen im Gameplay. Insgesamt kommt First Light etwas zäh in die Gänge und es dauert ein paar Stunden, bis es sich wie vollständiges Gameplay anfühlt. Dann jedoch erwartet den Spieler ein authentisches Bond-Erlebnis der besseren Art, welches etwas den besten Moment des Abschieds verpasst.
Dies ist ein etwas anderer Bond und gleichzeitig ein vertrauter neuer Eintrag. Die Details stimmen und man spürt die Sorgfalt und Liebe der Macher für diese Serie. Bonuspunkte für die Verwendung des Titels First Light in einem bemerkenswert subtilen und treffenden Dialog. Hier stimmen so viele kleine und wichtige Details, die einfach Fans des Franchise ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern werden. Ich jedenfalls hatte meinen Spaß.
Beide Daumen hoch. Nun warte ich auf eine Fortsetzung, denn auch hier: James Bond will return.
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