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Nürnberg
  • Fr., 15. Mai 2026
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Film des Tages

Nürnberg

Russell Crowe ist der einzige Grund, Nürnberg zu sehen, idealerweise im O-Ton. Der Film ist genau das, was man erwartet, und das ist in vielen Fällen, das Problem solcher Werke mit realen Vorlagen. In diesem Fall sogar mit geschichtlicher Präzision, die weniger Spielraum für Improvisation lässt. Diese Filme haben ein “Problem”. Man kennt den Plot vorher, was dem Film somit seine Überraschungsmomente nimmt (die Nürnberg krampfhaft versucht zu finden und zu nutzen), aber am Ende hat auch dieser Film nur eine Aufgabe: Die Szene, den Zenit nicht zu vermasseln: Göhrings Zeugenvernehmung.

Mein Schimpfen wiederholt sich auch hier. Nürnberg ist zu lang, hat einige wirklich überflüssige Figuren und verpasst dadurch einen Fokus. Im Prinzip ist dies eine Das Schweigen der Lämmer Kopie und Anthony Hopkins‘ Lecter ist hier zweifellos eine große Inspiration für Russell Crowe gewesen. Den Vergleich muss ich fortführen. Rami Maleks Protagonist ist aber keine Clarice Starling, was das größte Problem des Films ist. Er spielt einen sehr unsympathischen Helden, der eigentlich nichts richtig macht und durch andere und Zufall den Plot vorantreibt.

Zwei völlig unterschiedliche Punkte noch. Ich habe dazu neulich etwas gelesen und gesehen und nun fällt es mir zu oft auf: Botox-Gesichter. Zwei der Hauptdarsteller (Malik und Shannon) sind so zugespritzt und/oder nachbearbeitet, dass sie eigentlich keine einzige Mimik zeigen, am einfachsten zu erkennen an Falten der Stirn. Sobald ich das einmal erkannt hatte, war es zu spät. Das ist gespenstisch zu sehen irgendwie und transportiert Null Emotionen. Ein Film, der dann zu 95% auf Nahaufnahmen und Dialoge setzt, dem geht dann etwas Essenzielles verloren. Umso größer ist der Kontrast dann zu Crowe, der hier weiß, welchen Wert jeder einzelne Gesichtsmuskel hat. Was für ein trauriger Trend. Und: Auch 80 Jahre später erfüllen Originalaufnahmen aus Konzentrationslagern ihre Funktion. Man hätte eine Nadel im Kinosaal fallen hören können.

Gebe den Daumen nach oben, aber Nürnberg muss man nicht im Kino sehen, ist eher ein Film für das Heimkino.

  • Schlagwörter:
  • 20s,
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1 Kommentar

  • #1
  • Fr., 15. Mai 2026
  • Alex schrieb:

Danke für den Filmbericht – auch weil ich seit Jahren nicht mehr ins Kino gehe. Dann wird es mal irgendwann im Streamingangebot meiner Wahl zu sehen sein.

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