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Anatomie des Basketballspiels
  • Sa., 02. Mai 2026
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Anatomie des Basketballspiels

Vor zwei Wochen bin ich in ein YouTube-Loch gefallen. Ich weiß nicht mal genau, wieso, aber plötzlich schaue ich viele Videos über die NBA und Basketball im Allgemeinen. Meine eigene Basketball-Karriere war kurz. Ich war körperlich Jahre zurück, klein gewachsen, schmal und umgeben von Freunden, die fast alle ein oder zwei Köpfe größer waren und tatsächlich in der Schulmannschaft spielten. Zwar hab ich da oft mittrainiert, aber das mehr aus Loyalität, und die floss in beide Richtungen. In dem Moment, wo ich bei einem Punktspiel jemals aufs Feld hätte gehen müssen, hätten wir sowieso schon verloren. Einmal durfte ich, weil der Vorsprung für die letzte Minute ausreichte, und dann waren meine 15 Minuten des Ruhms vorbei.

Wir waren auch alle Fans und wussten in dem Moment nicht, dass wir die vielleicht beste Zeit der NBA als Fans fast live erleben durften. Wir sammelten Karten, lasen Magazine, kauften überteuertes Merchandise. Jeder hatte so seine eigene Mannschaft als Fan (Orlando Magic meinerseits), aber die Chicago Bulls mussten alle respektieren. Bis heute gilt die 90er-Bulls-Mannschaft als die beste aller Zeiten.

Nach der Schule und mit dem Weggang aus der Heimat hörte ich auf, dieses Hobby zu verfolgen, und schaute mir auch keine Spiele mehr an. Als Dirk Nowitzki in den 00er auch hier noch mal das Fieber für die NBA auslöste, schaute ich sporadisch mal hin und erkannte schon ein anderes Spiel. Heutige NBA-Spiele dagegen sind komplett anders. Das hat primär zwei Gründe. Zum einen änderten sich Regeln und nahmen Physikalität aus dem Spiel (kein Kampf mehr unterm Korb) und irgendjemand erkannte, dass 3er-Würfe statistisch der Schlüssel zum Sieg sein müssen. Heute ist das Spiel darauf ausgelegt und extrem langweilig anzuschauen. Die Akrobatik ist weg, der Kampf um den Ball ist weg, dominiert und geworfen wird hinter der Linie. Dazu gestern ein Video, und das ist so gut formuliert und lässt sich auf fast alle Bereiche des Lebens anwenden, die in unserer subjektiven Wahrnehmung an Spaß und Wert verloren haben.

I think we’ve allowed science and analytics to have too much of a say in how we play this game. #

Basketball erlebt hier nichts anderes als data-driven development. Was seit dem Moment gepredigt wird, seit wir Daten in dieser Masse sammeln und auswerten können, und ähnlich wie in der NBA gibt der Erfolg des Spiels vielleicht sogar Recht. Nur für Zuschauer, für Menschen geht hier etwas verloren, was kein Spreadsheet abbilden kann.

Die gleiche Kritik möchte ich bei allen Medien anbringen. Alles ist durchanalysiert, alles ist fokustestet, bis zum kreativen Umfallen1. Auch wie in vielen oder sogar den meisten Firmen heute Produkte entwickelt werden, auch da bleibt weniger und weniger Raum für Kreativität und ich glaube, so haben auch in vielen Bereichen die Kreativen an Einfluss verloren, den sich die Spreadsheet-Jongleure erobert haben. Zu sehen, was aus Basketball geworden ist und warum, war augenöffnend. Besser ist eben nicht immer besser. Data-infused nicht data-driven.


  1. Aufmacherbild: Rembrandt: Die Anatomie des Dr. Tulp (1632) ↩

  • Schlagwörter:
  • 90s,
  • Basketball,
  • Fundstücke,
  • Sport.

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