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Elton John – Me
Ich lese gern Biografien. Es ist sehr unterhaltsam zu lesen, wie das Leben Menschen verändert und Menschen auch das Leben. In Kombination mit Einblicken hinter die Kulissen diverser Industrien, ergibt sich hier meist ein tolles Werk. Auch diesmal. Was sollte man erwarten bei dieser Biografie? Ein globaler Popstar, der mindestens vier Dekaden produktiv war, jemand, der so ziemlich alles mitgenommen hat, was geht, positiv und negativ. Ich hab jetzt keine Alben von ihm, aber mein gesamtes Leben waren Lieder von ihm präsent. Diese Biografie wollte ich unbedingt lesen, auch weil mehr Kontrast im Leben selten ist.
Viele Details zu dieser Person waren mir nicht bekannt. Ich kenne einige Lieder, sein von den Medien meist eindrucksvoll inszeniertes Leben und eben auch die letzten Dekaden als Ikone für Wohltätigkeit und Sponsor für viele nüchterne Prominente. Der letzte Punkt beeindruckt mich am meisten, ehrlich gesagt, denn wenn jemand konsumiert hat, dann Elton John bis in die 90er. Zeitweise mag er zweifellos der berühmteste und größte Konsument von allen verbotenen Substanzen gewesen sein. Dass er das alles halbwegs unversehrt überlebt hat, grenzt an ein Wunder. Für mich war dann dieser Winkel, neben dem kreativen, der Fokus meines Interesses an diesem Buch. Solch einem Strudel zu entkommen, ist eine massive Leistung und verdient großen Respekt. Das Buch verrät auch weniger erfolgreiche Versuche, Kolleginnen und Kollegen vor einem verfrühten Ende zu bewahren: Whitney Houston und George Michael werden genannt. Was für eine irre Phase das war, als eine 80er-Ikone nach der anderen plötzlich verstarb. Alles Grundpfeiler meiner Playlisten seit vielen Jahren.
Ganz offensichtlich hat der Autor selbst eine erstaunliche Kokain-Karriere hinter sich. Für solch ein Profil teilt das Buch doc viele, manchmal skurrile, teils beängstigende Details konkurrenzlosen Exzesses. Das Bild eines verschneiten John Lennons und Elton Johns, die nicht die Tür aufmachen wollen, an der Andy Warhol klopft, amüsiert mich zutiefst, aber genau solche Bilder zeichnet Me einige. Das Buch nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um all die Dinge geht, die man hier erwartet: Sex, Drugs & Rock’n’Roll. Wenn ich dem Buch eines ankreiden muss, dann, dass es Drogen und den damit verbundenen Lebensstil temporär zu sehr romantisiert. Das Buch widmet mehr Anteile dem Konsum als der Kritik daran, aber auch das ist Stilmittel und am Ende Unterhaltung.
Me ist auch eine tolle Erzählung zu einer nicht mehr existierenden Musikindustrie, die über Nacht globale Stars kreieren konnte, wenn die Qualität stimmte und alle Sterne korrekt ausgerichtet waren. Glück als Motiv zieht sich irgendwie auch konsequent durch das Buch. Was nicht bedeuten soll, dass hier Glück über Talent gesiegt hat. Ganz im Gegenteil. Elton John hatte viele konstante kreative Partner, mit denen er am Ende sogar wieder nach Jahrzehnten der Pause arbeiten möchte. Konsistenz.
Am Ende bleibt auch hängen, wie unvermeidbar, aber auch falsch es ist, ewigen Groll zu hegen, Kontakte schleifen zu lassen, um genau dies irgendwann zu hinterfragen. Das Buch zeichnet das Bild eines ewig Suchenden, der sich irgendwann verloren hat, um nur mit Hilfe anderer wiedergefunden zu werden und dann glücklicherweise genug Zeit hatte, vieles nicht nur aufzuholen, sondern weit darüber hinaus, andere positiv zu beeinflussen.
Ein tolles, in Teilen auch intensives Buch.
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