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Moderne Uniformen
  • Di., 24. März 2026
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Moderne Uniformen

Als ich letztens beruflich unterwegs war, endete der Arbeitstag abends in einer lokalen Quelle für Speis und Trank. Dieses Gewölbe war bis zum letzten Platz gefüllt. Es war laut, die Luft durchsetzt von Aromen aus gut bürgerlichem Essen, Bier, Schweiß und Parfümen, die den Kampf gegen alle anderen Aromen verloren hatten. Es war zu laut, um sich für meinen Geschmack angenehm mit den Sitznachbarn zu unterhalten. Nach dem notwendigen Smalltalk wich mein Fokus wie so oft auf den Rest des Raumes und seine Darstellerinnen und Darstellern. Ähnlich wie unsere kleine Runde schienen die meisten anderen Tische und Bänke ebenfalls von vielen kleineren beruflichen Gruppen dominiert gewesen zu sein. Teilweise trug man auch das Firmen-Logo direkt auf der Brust.

Am Nebentisch war klar eine weitere Runde von Mitarbeitern einer Software-Schmiede – eine reine Männerrunde und in ihrem Spektrum für mich allein an der Oberfläche erkennbar. Leicht zu unterscheiden waren Engineers und eben jene, die eher verwalten oder verkaufen. Selbst innerhalb der Code-generierenden Hände war allein an der Kleidung erkennbar, welche Position in der Hierarchie jeder Einzelne einnimmt. So zumindest malte ich es mir im Kopf aus. Ich habe lange genug mit solchen Gruppen gearbeitet, um mit relativ guter Präzision allein am Äußeren bestimmen zu können, wer Architekt, wer Lead, wer Manager oder Fußsoldat1 ist. Diese ungeschriebenen Regeln, diese virtuelle Uniformität ist spannend. Ich hasse es, oberflächlich zu sein, aber irgendwo hat das seinen Ursprung, gleichwohl das Medium Film mich hier auch stark geprägt hat. Jedenfalls saß da am Nebentisch eine 90-%ige Kopie von Dennis Nedry aus Jurassic Park. Ich glaub, heute würde man solche visuellen Klischees in großen Blockbustern doch eher vermeiden. Auch das ist Fortschritt?

Nach 30 Jahren der lokalen IT-Industrie hat sich eine Uniformität entwickelt, die weit über White-Collar hinausgeht und schon Züge hat von Armee-Uniformen und ihrer Markierung als klares Zeichen der Hierarchie. Und ich frage mich, ob und wie das seinen Ursprung hat. Klar ist es besser im Kundenkontakt, kein verwaschenes Alf-T-Shirt zu präsentieren. Ich erinnere mich noch an recht klare Anweisungen des Kleidungsstils, als ich noch bei Salesforce gearbeitet habe und zum ersten Mal auf einer größeren Veranstaltung die Firma präsentieren durfte. Da musste ich mir eine neue Hose kaufen, die mir schon lange nicht mehr passt und die sich wirklich immer nach Uniform anfühlte. Was für eine ironische Symbolik.


  1. Aufmacherbild: Die Nachtwache – Rembrandt (1642) ↩

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