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The Machinist

The Machinist

In Fight Club gibt es die Zei­len “Chloe looked the way Joni Mitchell’s ske­le­ton would look if you made it smile and walk around a party being extra nice to ever­yone.” Tre­vor Rez­nik ist wie Chloe. Mehr Gespenst als Mensch. Nicht nur das Äußere scheint von Pro­ble­men des Cha­rak­ters zu zeu­gen. Die ers­ten Sze­nen des Films zeich­nen der Figur mehr Kan­ten, als dem Zuschauer ange­nehm ist. Ange­nehm ist ein tol­les Schlüs­sel­wort. Wenn The Machi­nist eines nicht ist, dann ange­nehm. Es kein sim­pler Unter­hal­tungs­film,. Die­ser Film möchte in jeder Bezie­hung unan­ge­nehm sein.

“Are you okay?”
“Don’t I look okay?”
“If you were any thin­ner, you wouldn’t exist.”

Geplagt von Schlaf­lo­sig­keit lei­det Tre­vor zu jeder Sekunde des Films. Das Aus­se­hen des Cha­rak­ters unter­streicht sein Lei­den. Tre­vor arbei­tet tags­über in einem see­len­lo­sen Job als Maschinen-Arbeiter. Seine schlaf­lose Nacht gehört zwei wei­te­ren Cha­rak­te­ren des Films. Stevie ist eine Pro­sti­tu­ierte, bei der Tre­vor sein schwer ver­dien­tes Geld lässt. Für Stamm­kun­den wie ihn, gibt es mehr als die übli­che Dienst­leis­tung. Schon in der ers­ten Szene sehen wir vie­les zwi­schen Tre­vor und Stevie. Sie bie­tet ihm mehr als Sex: Seel­sorge, Freund­schaft, The­ra­pie und über­haupt jeman­den zum Anleh­nen. Stevie repa­riert, was Tevor selbst zer­stört. Die zweite Frau in Tre­vors Geschichte ist Marie. Sie ist Ruhe­pool für Tre­vor und mehr als die Bedie­nung am Flughafen-Cafè, die ihm jeden Abend nicht nur die Tasse Kaf­fee, son­dern auch ein Lächeln ser­viert.

Trevor’s All­tag ist bestimmt von Rou­tine, wel­che im Laufe des Films in sich zusam­men­fällt. Der Arbeits­all­tag wird plötz­lich aus den Fugen geris­sen, als Tre­vor in einen Arbeits­un­fall ver­wi­ckelt wird. An die­sem Punkt öffnet sich der klas­si­sche zweite Akt. Jener Mit­ar­bei­ter namens Ivan, wel­cher Tre­vor kurz zuvor ablenkte, scheint ein unbe­schrie­be­nes Blatt zu sein. Nie­mand kennt die­sen Ivan? There is no Ivan. Trevor’s Spi­rale ins Ver­der­ben dreht sich schnel­ler und schnel­ler.

Visu­el­les, Klang­far­ben

Die Optik des Films lässt sich wun­der­schön als rea­lis­ti­schen Comic bezeich­nen. Alle Figu­ren sind in sich her­lich über­zeich­net, ohne unrea­lis­tisch zu wir­ken. Stevie ist die abge­nutzte Blonde, Marie die strah­lend reine Brü­nette, Ivan scheint eine Kopie von Mar­lon Brando in Apo­ca­lypse Now zu sein. High­light ist jedoch Tevor selbst. Chris­tian Bale hat für diese Rolle mäch­tig Federn gelas­sen, knapp 30 Kilo1 um genau zu sein. Es schmerzt schon die Figur nur zu sehen, der klas­si­sche Anti-Held. Hier sehen wir einen Zom­bie, der völ­lig ohne Makeup über­zeugt.

Die wich­tigs­ten Cha­rak­tere im Über­blick. Von oben nach unten sind zu sehen: Tre­vor, Stevie, Ivan und Marie.

The Machinist -  Trevor The Machinist - Stevie The Machinist - Ivan The Machinist - Marie

Die Details der Optik sind nett anzu­se­hen. Wie auch der Ein­trag hier domi­nie­ren kalte Far­ben die Bil­der. Grau, grün, blau mit wenig Sät­ti­gung. Simu­liert wer­den soll hier­mit, wie auch Tre­vor die Welt sieht, was funk­tio­niert. Es gibt ganz wenige Sze­nen im Film, bei denen warme Far­ben zu sehen sind, wenn das sind es Schlüs­sel­ele­mente wie Ivan’s rotes Cabrio, oder die war­men Dia­loge zwi­schen Stevie und Tre­vor, unter­stri­chen von einem war­men Farb­klima der Umge­bung.

Toll auch hier jene klei­nen text­freien Sze­nen, die den Cha­rak­ter for­men. Wenn Tre­vor mit Zahn­bürste und Blei­che den Boden in sei­nem Bade­zim­mer rei­nigt, dann hat eine sol­che Szene sel­ten so gut funk­tio­niert wie hier. Die Kamera scheint sich hier mehr als ein­mal am klas­si­schen Comic-Panel bedient zu haben und lie­fert so sehens­werte Bil­der.

Auch die Ohren wer­den bedient. Die Musik im Film erweckt Erin­ne­run­gen an Hitchcock-Streifen, allen voran Psy­cho. Die Kom­bi­na­tion moderne Optik und klas­si­sche Melo­dien passt hier wun­der­schön zusam­men. Wie auch Optik, Regie und Dar­stel­lung, zeugt auch die Musik von ein­fach gutem Hand­werk der Macher.

Who are you?

The Machi­nist ist ein klei­ner Film. Wenige Cha­rak­tere, keine Action­sze­nen, wenige Dreh­orte. Was den Film groß macht ist in ers­ter Linie sein Haupt­dar­stel­ler. Was für Rober De Niro Raging Bull, ist für Chris­tian Bale die­ser Film. Bale geht nicht nur kör­per­lich an seine Gren­zen. Es gibt keine Sekunde im Film, wo man ihm die Figur nicht abnimmt. Glei­ches gilt für Jen­ni­fer Jason Leigh als Stevie. Eine ganz klas­si­sche und essen­ti­elle Neben­rolle, völ­lig unauf­dring­lich gespielt. Die Dia­loge zwi­schen den Bei­den sind text­lich die High­lights und genauso kom­men sie im Film her­über.

“Tre­vor, we got get you to a hos­pi­tal. You may have some inter­nal inju­ries.”
“it is just brui­ses.”
“Okay, you see this? This is a bruise, and this is a train wreck, alright?”

Natür­lich setzt der Film auf ein Plot-Twist, der nicht neu ist, aller­dings ist das hier nicht der Kern­punkt. Der Auf­bau zum Wan­del der Hand­lung ist genauso sehens­wert, wie der eigent­lich ent­schei­dende Moment. Hier kommt nichts von hin­ten Links durchs Auge geschos­sen. Wenn der Höhe­punkt der Hand­lung vor den Augen flim­mert, sagt man weni­ger “Oh wow!” son­dern mehr “End­lich”, nicht weil der Film sich zieht, son­dern weil man Tre­vor nicht mehr lei­den sehen möchte.

The Machi­nist ist ein Film über einen ganz nor­ma­len net­ten und ordent­li­chen Typen, der einen Feh­ler begeht und dafür büßen muss, um am Ende des Films vom Leid erlöst zu wer­den. The Machi­nist hat mehr als einen Hauch Reli­giö­ses an sich. Obwohl das Ende irgend­wie Licht ins totale Dun­kel des Films bringt, bleibt The Machi­nist ins­ge­samt ein Film der run­ter­reißt. Es gibt nicht einen ein­zi­gen typi­schen sau­be­ren Cha­rak­ter. Jede Figur hat mas­sive Ecken und Kan­ten, allen voran Tre­vor Rez­nik2 selbst. Dies scheint auch der Grund, wieso der Film kei­nen Anklang bei einem der gro­ßen Stu­dios gefun­den hat. Es ist eben kein typi­sches Hollywood-Material. Hier gibt es keine Blüm­chen und Bien­chen, die im Son­nen­un­ter­gang den Film enden las­sen. The Machi­nist ist häss­lich und damit klas­si­sches Indie-Material, dass mit ein paar gro­ßen Dar­stel­ler­na­men3, in Spa­nien pro­du­ziert wurde.

In sol­chen Sze­nen zeigt die Optik im Film ihre wahre Größe. Schön und gleich­zei­tig unan­ge­nehm.

The Machinist - Badezimmer

kleine Krat­zer

Der sicher­lich größte Makel im Film ist sein Wie­der­ho­lungs­wert. Der Film glänzt nicht mit wirk­li­cher Tiefe bei Dia­lo­gen. Die Spra­che ist funk­tio­nell und mehr auch nicht. Zusam­men mit dem Wan­del der Hand­lung, wird man sich die­sen Film kaum öfters anse­hen. Ein zwei­tes Anse­hen lohnt sich, weil dann beein­druckt, wie logisch die ein­zel­nen Teile des Rät­sels im Film plat­ziert sind. Der Auf­bau zum Höhe­punkt bzw. Wan­del der Hand­lung, ist mathe­ma­tisch exakt aus­ge­führt, im Gegen­satz zu z.B. Fight Club.

The Machinist - Who are you

Grund­sätz­lich ist alles im Film schon mal irgendwo vor zu sehen gewe­sen, sel­ten jedoch so naht­los und gekonnt umge­setzt. Die Grund­struk­tur ist gut zusam­men­ge­klaut und den­noch oder gerade des­we­gen unter­halt­sam. Wenige Cha­rak­tere haben Schwä­chen. Ivan ist irgend­wie zu sti­li­siert. Auch wenn man die Auf­gabe der Figur ver­stan­den hat, die­ser Marlon-Brando-Look-a-like wirkt ein­fach depla­ziert. Einige Sze­nen im Film len­ken zu sehr vom Kern ab. Der gesamte Sub­plot der Mutter-Sohn-Kiste, ist zu sehr mit der Faust aufs Auge. Weni­ger wäre hier mehr gewe­sen. Glei­ches gilt für die Geisterbahn-Szene.

Ich hab den Film so sehr ins Herz geschlos­sen, weil die­ser Tre­vor irgend­wie mehr als eine Ähnlich­keit zu mir bie­tet. Auch ich hab meine regel­mä­ßi­gen Pha­sen, in denen Schlaf unmög­lich wird. Auch ich muss um jedes Kilo zusätz­lich kämp­fen (Fluch oder Segen), auch mein größ­ter Feh­ler im Stra­ßen­ver­kehr beruht auf einem unglück­li­chen Moment der Ablen­kung, zwar ohne Per­so­nen­scha­den, aber immer­hin.

The Machinist - Badezimmer

Wer an Taxi Dri­ver oder Fight Club Gefal­len gefun­den hat, wird hier auch bedient wer­den. The Machi­nist ist ein nicht ganz so purer guys movie wie die ande­ren zwei. Ein­mal anschauen und so schnell nicht mehr ver­ges­sen. Fazit: Dau­men ganz klar nach oben, für einen her­vor­ra­gend Chris­tian Bale in einem klei­nen aber fei­nen Strei­fen. Ein 1-Character-Movie, der wun­der­schön umge­setzt ist und leich­te­ren Zugang als ähnli­che Filme bie­tet. Ein tol­ler Film, der meis­tens nur beim Umschal­ten im Nacht­pro­gramm ins Auge springt, 90 Minu­ten fes­selt und eine Weile im Gedächt­nis bleibt, bis man dann die DVD im Wühl­tisch für 3.99 Euro lie­gen sieht. Eine surea­lis­ti­sche Psy­cho­stu­die mit Klasse.

der Trai­ler

Nicht vom ver­pi­xel­tem Vorschau-Bildchen abschre­cken las­sen. Die Bild­qua­li­tät des Trai­lers ist wirk­lich ok. Weit bes­ser als das übli­che YouTube-Niveau, dank Trailer-Addict..


  1. Bale’s Film nach die­sem war selt­sa­mer­weise Bat­man Begins, für den er wie­der mas­siv an Gewicht zule­gen musste. 

  2. Die Ähnlich­keit des Namens zum NiN-Mastermind Trent Rez­nor, sind nicht zufäl­lig. 

  3. Ein wei­te­rer Bekann­ter hier: Genre-Veteran Michael Ironside als Mil­ler, ein Schicht-Arbeiter wie Tre­vor. 

funk­tio­niert sehr, sehr gut. coldheat bleibt… aber die stim­mung des films fließt geschmei­dig hin­ein. ich kenne the machi­nist nicht… aber die rezen­sion klingt viel ver­spre­chend.

»irgend­was zwi­schen blog und maga­zin« nimmt mehr und mehr gestalt an… ver­schiebt sich das ganze hier sehr in rich­tung maga­zin, so war der letzte arti­kel ein typi­scher blog­ein­trag. und ich weiß genau, warum die kom­men­tare hier so eine hohe qua­li­tät haben… die seite selbst steht die­sen in nichts nach — mehr davon.

klei­ner schön­heits­feh­ler: im safari ist noch ein scroll­bal­ken quer unter dem kom­men­tar­be­reich.

Webmaster

Wah, das ist kein klei­ner Schöh­heits­feh­ler, eher ein mit­tel­mä­ßi­ger GAU. Das kommt davon, wenn man sich nur die neuen Ele­mente anschaut. Kurz nach der Ver­öf­fent­li­chung kamen auch im Hin­ter­grund etli­che Makel ans Licht. Egal, der Safari-Bug scheint das letzte große Übel zu sein. Mal schauen.

Update 1: Übel­tä­ter hab ich schon. Trai­ler habe ich heute erst rein­ge­nom­men und nicht auf allen Brow­sern noch­mal getes­tet. Sollte gleich alles beho­ben sein.

Update 2: CSS-Lösung dau­ert doch län­ger, hab erst­mal die eine letzte Rand­be­mer­kung raus­ge­nom­men, diese in Kom­bi­na­tion mit dem Trai­ler, ver­ur­sacht den Feh­ler. Nehme ich ein Ele­ment raus, ist alles ok. Sind beide im Float, kommt der Scroll­bal­ken, irgend­wie ent­steht da ein rie­si­ger Margin-Wert. Sehr selt­sam.

Update 3: Fixed. Wenn auch ohne echt zu wis­sen, wieso Safari da rum­ge­spon­nen hat. Viele Wege füh­ren nach Rom und der zweite ist Safari wohl leich­ter zu lau­fen.

  • #3
  • Fr, 11. Juli 2008
  • ben_ schrieb:

Krass

  • #4
  • Sa, 12. Juli 2008
  • Thomas schrieb:

Klingt sehr inter­es­sant der Film. Werd ich mir gleich mal vor­mer­ken.

Wo ihr hier schon mal von klei­nen Bugs redet… Seit kur­zem fällt mir da ein klei­ner Feh­ler auf, direkt unter dem Feld “irgend­was zwi­schen blog und maga­zin”. Hab hier mal ein Foto gemacht. http://img.skitch.com/20080711-ntsi2ajuuk7qunwa5fkmmmtham.jpg Mög­li­cher­weise wie­der so ein Safari-Ding. Da du in dei­nen Bei­trä­gen ja schon des öfte­ren den Ver­flix­ten “einen” Pixel erwähnt hast, dachte ich mir, das inter­es­siert dich viel­leicht :)

Webmaster

Der ver­flixte Pixel sollte nun auch beho­ben sein. Ist ein grund­sätz­li­ches Pro­blem. Wer alle CSS-Mittel aus­gie­bigst zur Schrift­ge­stal­tung nutzt (grenz­wer­tig bei mir am Kopf der Seite), der merkt schnell, dass Brow­ser eben noch immer anders mit rela­ti­ven Grö­ßen arbei­ten. Zei­len­höhe ist hier ein Schlüs­sel­wort.

eh man du bist hier anschei­nend stän­dig dabei meine lieb­lings­mo­vies zu rezen­sie­ren ;D das wird jetzt aber lang­sam etwas creepy ^^^

  • #7
  • Mo, 19. Oktober 2009
  • ben_ schrieb:

Sag mal … weißt Du, ob die Spe­cial Edi­tion Loh­nens­wer­tes ent­hält? Län­ger scheint sie ja schon­mal nicht zu sein.

Webmaster

Also ich habe diese DVD zur Grund­lage genom­men. Es gibt nur einen Cut und ich sage mal so: ich habe schon bes­se­res Zusatz­ma­te­rial gese­hen. Ist eine Frage des Prei­ses. Ich hab den Film recht güns­tig auf dem Grab­bel­tisch gese­hen und der Samm­ler in mir greift dann mal eher zur sinn­lo­sen Sep­cial Edi­tion, wenn es nicht gleich den dop­pelte Preis aus­macht. Bei eini­gen Fil­men ist das Zusatz­ma­te­rial ein Muss. Hier ist es “nur” sehr net­tes Bei­werk.

  • #9
  • Mo, 19. Oktober 2009
  • ben_ schrieb:

Na dann ist die Ent­schei­ung ja klar. Danke!

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safari bug

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