irgendwas zwischen Blog und Magazin
Christian Mücke ist Mediengestalter, Blogger und Spieler. Zum Stöbern ins Archiv schauen. Für offene Fragen Impressum lesen oder eine schreiben. RSS
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Eigentlich war es nicht zu vermeiden. Nach The Dark Knight’s Erfolg war der Druck auf Nolan’s nächsten Film unvermeidlich groß. Über Inception war wirklich wenig bekannt. Das Drehbuch ist bis heute nicht zu lesen. Einzig die Trailer boten einen ersten Eindruck und der war auch meinerseits sehr gut, primär wegen Hans Zimmers eindrucksvoller Musik. Dafür ist der Oscar wirklich sicher. Die ersten Reviews waren mit Lob gefüllt und die Besucherzahlen in Amerika waren eine ernste Vorlage…und dann hab ich mir den Film angesehen.
Inception ist ein guter und sehenswerter Film, der aber ganz klar weder Meisterwerk- noch Kultstatus erlangen wird. Die Kritiken zu Inception waren auf den zweiten Blick nur von jener Generation ausnahmlos lobenswert, denen der Blick zurück fehlt. Alle erfahrenen respektive “älteren” Autoren, unterstreichen einen deutlich bitteren Beigeschmack.
Für Inception muss man ein paar Schritte zurück gehen. Popfiktion 2010 ist zu 99% das Verwenden alter Rezepte mit wenigen neuen Gewürzen. Es heißt es existieren überhaupt nur sieben originelle Geschichten und mindestens drei davon sind in Inception verarbeitet worden. Mein Problem mit moderner Popfiktion ist zum Einen das Fehlen neuer Ideen und zum Anderen das zwanghafte Aufsetzen einer Meta-Ebene. In den letzten fünf Jahren ist der auf seine Zuschauer masturbierende Autor zum Leitbild moderner Fiktion geworden. Dem Internet sei Dank sind die Forennerds zum Marketing-Tool geworden, das der Autor mit aller Macht bedienen soll. Folge dessen, sind Geschichten und Details deren einzige Funktion es ist, die Forennerds zu beschäftigen. Meta einzig der Meta-Wirkung wegen. Vielen Dank Lost. Inception ist die logische Folge dieses Trends.
An dieser Stelle eine kurze Referenz zu Avatar, um das Problem noch deutlicher zu beschreiben. Wie Inception bedient sich Avatar uralter Ideen, aber Cameron stammt aus einer anderen Generation Genrekino, dass eben noch ohne aufgesetzte Meta-Ebene auskam und das obwohl das Grundthema viel offensichtlicher dafür geeignet ist. Inception verkompliziert eine extrem einfache Idee, nur weil Nolan es kann und weil es Trend ist. Besonders das Ende ist so zwanghaft auf den Zuschauer herabschauend, dass der Film für mich keine Chance mehr hat.
Wie viele andere Filme zuvor, spielt Inception mit dem Verwischen von Realität und Traum, ohne es nach langer Laufzeit aufzulösen. Das Gleiche macht Totall Recall auch, aber im Gegensatz zu Inception ist diese Ebene hier Nebensache. Es ist egal ob McQaid ein Agent ist. Die Geschichte ist aufgelöst und wirklich so passiert. Inception jedoch hält sich vor den Zuschauer zwei Stunden lang verarscht zu haben. Sowas ist 2010 also der Zenit von Fiktion.
Inception’s Details sind auch schwach. Es gibt sehr viele Löcher und Zufälle in der Handlung und für so viele Figuren existiert echt wenig Entwicklung. DeCaprios Cobb bekommt neue Details. Der Rest sind Prototypen die eine einzige Funktion besitzen und nie darüber hinaus kommen. Ellen Pages Charakter existiert nur, um uns die Regeln der Welt zu erklären. Nicht mehr und nicht weniger. Mir persönlich stößt das Übliche sauber auf. Schauspieler deren Optik das Schulalter nicht überschritten hat, sind nicht jene Helden, die ich gern für zwei Stunden betrachte. DeCaprio wird für mich ewig der niedliche kleine Junge bleiben, Ellen Page ewig das lockende kleine Mädchen aus Hard Candy und Joseph Gordon Levitt, steckt bei mir auch noch in seiner TV-Serien-Schablone fest. Tut mir leid, aber diese Darsteller funktionieren bei mir in so ernsten Rollen einfach noch nicht. Dafür fehlen ihn noch immer mindestens zehn Jahre.
Es ist spannend wie Nolan sich als Autor weiterentwickelt, besonders bei seinen Off-Franchise Projekten. Inception ist sehenswert, aber ein Film über den man in zehn Jahren kein einziges Wort mehr verlieren wird. Wer mit überhaupt keinen Erwartungen den Kinosaal betritt, wird gut unterhalten werden. Wer einen Meilenstein des Kinos erwartet, findet ihn bei Inception leider wirklich nicht.