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Kriegshypokrisie

Kriegshypokrisie

Nor­ma­ler­weise ver­su­che ich den Blog poli­tik­frei zu hal­ten, heute mache ich mal eine halbe Aus­nahme. Ich lese gerade die­sen Arti­kel bei ZEIT Online und muss als Enkel zweier Groß­vä­ter, die Ton­nen von Geschich­ten vom zwei­ten Welt­krieg erzählt haben und erzäh­len, nur noch mit dem Kopf schüt­teln. Viele davon habe ich mir übri­gens nicht nur gemerkt, son­dern mitt­ler­weile auch schrift­lich fest­ge­hal­ten. Wenn ich in 30 oder 40 Jah­ren noch blogge, wird sowas viel­leicht mal Thema. Sol­che ech­ten Geschich­ten sind jeden­falls Grund­stoff für wah­ren Pazi­fis­mus und bes­sere Lehre als ver­geu­dete Jahre Geschichts­un­tericht in der Schule.

Mich widert es wie­der und wie­der an, wenn ich sol­che kli­nisch rei­nen und mora­lisch so ver­dammt gerecht­fer­tig­ten Äuße­run­gen zum Thema lese. In Saving Pri­vate Ryan gibt es den selbst in der eng­li­schen Fas­sung so unter die Haut gehen­den deut­schen Satz “Ist halt Krieg.” Und egal wie mora­lisch gefes­tigt unsere regie­ren­den Anzug­trä­ger sein mögen, jeder Mensch han­delt unlo­gisch und unmo­ra­lisch in jenen Situa­tio­nen, in die man 2009 fremde junge Men­schen steckt, ohne sie vor­zu­be­rei­ten. Wer han­delt macht Feh­ler.

Wieso erfin­det kei­ner ein so bescheu­er­tes TV-Konzept, dass deut­sche Poli­ti­ker nach Afgha­nis­tan schickt. Ich möchte mal sehen, wie anstän­dig unsere staat­li­chen Moral dann wirk­lich han­delt.

  • #1
  • Fr, 18. Dezember 2009
  • ben_ schrieb:

Der alten Apho­ris­mus – des Teu­fels größ­ter Leis­tung sei, die Men­schen davon zu über­zeu­gen, dass es ihn gar nicht gebe – hat in den letz­ten 20 Jah­ren eine völ­lig neue Dimen­sion erhal­ten. Die größte Leis­tung der Kon­ser­va­ti­ven und Neo­li­be­ra­len in die­ser Zeit ist imho und davon zu über­zeu­gen, dass wir gar nicht Krieg füh­ren. Seid dem ers­ten Golf­krieg befin­den sich die USA und mit ihnen die NATO und spä­tes­tens mit dem Kosovo-Krieg gehö­ren auch wir dazu unent­wegt im Krieg.

Das Auß­maß der Gehirn­wä­sche in die­sem Zusam­men­hang ist wirk­lich erschre­ckend. Ich hatte vor ziem­lich genau einem Jahr die Gele­gen­heit mal mit einer Ser­bin in unse­rem Alter zu reden. Mir schnürrt sich heute noch die Kehl zu, wenn ich an diese Gesprä­che denke. Neben der schreck­li­chen Din­gen, die wir im Namen aller Deut­schen und aller Euro­pä­rer über andere Län­der brin­gen, ohne dass hier auch auch nur einer den Ein­druck hat, wir wür­den Krieg füh­ren sind wirk­lich erschre­ckend.

Fast noch erschre­cken­der finde ich die Tat­sa­che, wie wir eigent­lich mit unse­ren Sol­da­ten umge­hen. Ich bin bei aller Liebe kein Freund der Bun­des­wehr und des Mili­tär­diens­tes. Aber ich bin der Mei­nung, dass wenn wir schon Mit­bür­ger in den Krieg schi­cken, wir wenigs­ten zwei­hun­der­pro­zen­tige Pro­fis dort hin schi­cken soll­ten. Und wir soll­ten nicht so tun, als wür­den die dort nur Hüt­ten aus­fe­gen und Brü­cken bauen.

Ich muss auch sagen, dass mich die aktu­elle Dis­kus­sion wirk­lich abstößt. Obs­zö­ne­res habe ich in die­ser Repu­blik sel­ten erlebt.

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