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Léon

Léon

Zeit­los. Eine wert­vol­lere Aus­zeich­nung kann ein Werk eigent­lich nicht erlan­gen. Léon ist mitt­ler­weile ein fünf­zehn Jahre alter Film und was für einer. Wie so viele mei­ner Lieb­lings­filme, darf man auch hier von einem unglück­li­chen Unfall spre­chen. Die­ser Film mar­kiert klar den Höhe­punkt des euro­päi­schen Action­ki­nos der 90er. Was den Film noch heute so frisch wir­ken lässt, ist der so durch und durch euro­päi­sche Stil Lúc Besson’s. Das Dreh­buch zum Film ent­stand an Anleh­nung einer Rand­fi­gur im Film Nikita, den Bes­son zuvor mit Jean Reno abge­dreht hatte. Reno spielt hier eine sehr ähnli­che Figur, die so gut funk­tio­niert, dass Bes­son ihr einen kom­plet­ten Film wid­met.

“Tony, you’ve kil­led for us in the past, and we’ve always been satis­fied, which is why it’s very hard for me to come down here today. One of my men was kil­led today in your ter­ritory, and the chinks tell me the kil­ler was of the… Ita­lian per­sua­sion. Now, wait, there’s more. You’ll love this. Not two hours later, a little twelve-year-old girl comes to my buil­ding, armed to the teeth with the sole inten­tion of sen­ding me strai­ght to the mor­gue. And guess who comes to get her? The very same Ita­lian hit man.”

Es ist jene Rolle, die einen Schau­spie­ler für den Rest sei­nes Lebens ver­fol­gen wird. Reno hat keine Chance als die­sem Cha­rak­ter zu erlie­gen. Für die weni­gen Minu­ten des Films ist er der Ein­zel­gän­ger Léon, des­sen Rou­tine aus den Fugen gerät, als er die junge Mat­hilda trifft. Die Geschichte ist nicht inno­va­tiv. Beson­ders das japa­ni­sche Kino hat hier etli­che Vor­la­gen gelie­fert, aber keine mit einem so durch und durch euro­päi­schen Blick insze­niert.

Léon lebt durch sei­nen Dar­stel­ler und eine Optik, die Stil aus jeder Bild­zeile trop­fen lässt. Bes­son schafft es ein­fach eine eigent­lich schreck­lich unrea­lis­ti­sche Figur funk­tio­nie­ren zu las­sen. Léon drückt bei mir alle Knöpfe. Jenen klei­nen Details, die mir per­sön­lich so wich­tig für fik­tio­nale Cha­rak­ter sind, wer­den hier nicht nur erwähnt son­dern zele­briert. Léon trinkt seine Milch und pflegt seine Pflanze. Mehr braucht es eigent­lich nicht.

Die lange Fas­sung des Films legt den Fokus dann jedoch auf das frag­wür­dige Ele­ment des Films: der Bezie­hung zwi­schen einem altern­dem Auf­trags­kil­ler und einem zwölf jäh­ri­gen Mäd­chen. Es gibt mehr als eine Szene, die ein­fach unan­ge­nehm wirkt und einen Unter­ton in den Film bringt, der erst im letz­ten Akt wie­der ver­drängt wird. Die­ser letzte Akt ist es auch, der dann aus einem klei­nen ruhi­gen Film, eine bra­chiale Lawine macht. Ich kenne kei­nen ande­ren Film, der seine Action so cle­ver insze­niert. Es braucht keine ein­stür­zen­den Brü­cken, keine mit Ben­zin bela­de­nen Trucks, keine end­lo­sen Stra­ßen, nur einen klei­nen Flur und ein gekonnte Kame­ra­füh­rung.

Léon bekommt kein Happy End. Der Held spielt mit dem Feuer, ver­brennt sich dabei die Fin­ger und erlöst sich selbst. Der Schluss ist so kon­se­quent wie die vie­len Minu­ten zuvor. Eigent­lich muss man dank­bar sein, dass diese Figur stirbt. Der Gedanke an eine Fort­set­zung ist ein­fach falsch. Zwar gab es viele Jahre lang den Wunsch Mathilda’s Geschichte wei­ter zu erzäh­len, aber so einen Film hat Bes­son schon vor Léon gemacht - Nikita. Es ist unmög­lich mit einer älte­ren Mat­hilda ein so gut funk­tio­nie­ren­des Duo auf­zu­bauen, wie es hier schon gelingt. Hier­bei sei auch zu erwäh­nen, dass die erste Fas­sung des Dreh­buchs auch Mat­hilda ster­ben lässt, was dann aber doch einen Schritt zu weit geht.

Der Film ist wie so viele Klas­si­ker nur die Summe sei­ner weni­gen per­fek­ten Zuta­ten. Bes­son hat hier seine zwei bes­ten Figu­ren geschrie­ben und per­fekt besetzt. Egal in wel­ches Sze­na­rio man Reno’s Léon und Portman’s Mat­hilda steckt, es wäre immer sehens­wert. Sel­ten bekommt man so über­zeu­gende Dar­stel­lun­gen ganz klas­si­scher Cha­rak­tere. Léon ist im Kern so alt­ba­cken wie die grie­chi­sche Sage, des tra­gi­schen Hel­den, die Bes­son hier wirk­lich selbst noch heute zeit­los gut insze­niert. Immer wie­der erstaun­lich, wie gut echte Qua­li­tät altert. Léon befin­det sich hier ganz klar in der Kate­go­rie Film, die man jähr­lich ein­mal anse­hen kann.

  • #1
  • Di, 15. September 2009
  • ben_ schrieb:

100%tige Zustim­mung. Die Geschichte ist per­fekt. Der Kil­ler, der eigent­lich noch ein Junge ist und das Mäd­chen, das durch den Mord an ihren Eltern ihrer Kind­heit beraubt wurde. Ein Setup, dass jeden Schrift­stel­ler vor Neid ver­blas­sen läßt.

Und es geht ja sogar nicht wei­ter. Nicht nur Jean Reno und Nata­lie Port­man beka­men in die­sem Film die Rol­len ihren Lebens geschenkt. Auch Gary Old­man war nie wie­der so bril­lant.

Nur für Luc Bes­son lei­der wurde der Film eher zum Fluch, so wie Das Boot für Wolf­gang Peter­sen und Alien und Blade Run­ner für Rid­ley Scott. Die eigene Bil­lanz der jun­gen Jahre ist eine Mess­latte über die sich erfolgs­ver­wöhnt und hoch­mu­tig ebenso schwer sprin­gen läßt, wie mit den Pfunden,die das Alter bringt.

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Old­man ist hier grenz­wer­tig für mei­nen Geschmack und wirkt hier eher auf einer Wer­be­flä­che für seine Rolle in The 5th Ele­ment.

Ob sich Bes­son hier eine zu hohe Hürde gebaut hat, ist keine Frage. Aus dei­nen Bei­spie­len sieht man auch, dass die­ser Effekt immer wie­der ein­tritt. Ich habe mir letzte Woche ein Album (The Blue­print 3) gekauft, dass auch wie­der beweist, welch sel­te­nes Gut Krea­ti­vi­tät ist. Eines was sich nicht über Jahre auf dem glei­chen hohen Niveau hal­ten lässt. Zu viele wirk­lich hung­rige neue Mit­spie­ler, las­sen die Alten eher nach Luft schnap­pen, als sich wirk­lich wei­ter zu ent­wi­ckeln. Zu früh zu schnel­len zu gro­ßen Erfolg zu haben, lässt sich nicht kon­tern.

Immer­hin macht Bes­son heute den immer glei­chen Film, von immer ande­ren Regis­seu­ren gedreht, aber von ihm geschrie­ben und/oder pro­du­ziert. Fast alles davon immer noch sehr sehens­wert.

  • #3
  • Di, 15. September 2009
  • ben_ schrieb:

Also das mit Gary Old­man sehe ich ja genau anders­herum. Seine Rolle im Fünf­ten Ele­ment ist die gleich Figur wie in Leon nur ein völ­lig über­zo­ge­nes Abzieh­bild (wie alles im Fünf­ten Ele­ment).

Ich meine … mal bitte … die Szene in der Gary Old­man den Kopf in den Nacken legt und die Dro­gen­kap­sel zer­beißt! Und das Rap­pel an der Dro­gen­dose vor­her. Und seine Sätze. Der Tod ist heute furcht­bar lau­nisch.

Wohl unnö­tig zu sagen, dass ich ihn in Leno liebe und im Fünfte Ele­ment nicht lei­den kann, wie den gan­zen Film ein­gent­lich. :]

  • #4
  • Di, 15. September 2009
  • Hex schrieb:

Ich wollte Léon seit eini­ger Zeit mal wie­der anschauen. Ich glaube jetzt ist der rich­tige Zeit­punkt dafür … Danke für den schö­nen Arti­kel.

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