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der PC als untote Spiel-Plattform

der PC als untote Spiel-Plattform

Diese Woche ist GDC, eine Art Klas­sen­tref­fen für Spie­le­ent­wick­ler und jähr­lich immer wie­der Quelle für mehr oder weni­ger sinn­volle Kom­men­tare. Ewi­ges Thema wohl auch dies­mal? PC-Gaming. Tot? Leben­dig? Wie sieht’s aus? Populous-Urvater und Gaming-Urgestein Peter Moly­neux kommt plötz­lich mit der Behaup­tung daher, PC-Gaming sei in einer “tra­gi­schen Form”. World of Wacrraft und Die Sims seien die ein­zig gut lau­fen­den Fran­chi­ses und ande­res funk­tio­niere nicht mehr.

Wo soll man bei der end­lo­sen Debatte um den PC als Platt­form für Spiele anfan­gen? Ich bin mitt­ler­weile rei­ner PC-Spieler, nach­dem ich ein Jahr­zehnt lang nur für Kon­so­len ver­füg­bar war. Ich kenne beide Platt­for­men sehr gut. Wenn Moly­neux und Co. über den PC jam­mern, dann weil sich eben nicht mehr so ein­fach Mil­lio­nen schef­feln las­sen wie frü­her.

PC-Gaming is dead

“I think it’s a huge tra­gedy. I mean, you might as well say PC gaming is World of War­craft and The Sims… The weird thing is everyone’s got a PC, they’re just not buy­ing soft­ware for it,”

Frü­her herrschte ein regel­rech­ter Wett­kampf zwi­schen PC und Kon­sole. Beide hat­ten ihre ganz spe­zi­fi­schen Gen­res. Kon­so­len hat­ten das Mono­pol für Iko­nen wie Mario, Sonic und Arcade-Ports, PCs dien­ten für technisch-fortschrittlichere, kom­ple­xere und hard­ware hung­ri­gere Gen­res. Kon­sole war Jump’n’Run, PC war Stra­te­gie und Ego-Shooter. Die­ses Sze­na­rio baute sich nach der Home-Computer-Ära auf. Home­com­pu­ter ver­ein­ten zuvor PC/Konsolen-Genres. Als die Ära um C64, Amiga und Co. endete, teil­ten Kon­so­len und PCs die Genre unter sich auf und mit bei­den ließ sich so, rela­tiv ein­fach gut ver­die­nen.

Als mit der ers­ten XBOX ein Semi-PC als Kon­sole ver­kauft wurde, war klar, dass sich die Zei­ten ändern. Spiele zu erschaf­fen wurde teuer. Die Hard­ware wurde ver­wäs­sert, ergo fie­len sämt­li­che Gen­re­mo­no­pole. Ego-Shooter erober­ten Kon­so­len, allen vor­ran das Halo-Franchise. Umge­kehrt wur­den erhiel­ten exklu­sive Konsolen-Serien, plötz­lich einen PC-Port. Die Plattform-Genre-Grenzen fie­len rapide.

Vor 8 Jah­ren wurde ich von Mit­spie­lern, von der Kon­sole - damals Dream­cast - zum PC gelockt: Ever­Quest hieß ein damals noch unbe­kann­tes PC-Spiel. Ein MMORPG, was immer das auch war. Ever­Quest war etwas, was es auf Kon­so­len nicht gab, daher wurde der PC für mich zur pri­mä­ren Platt­form. Bis heute ist es dabei geblie­ben. Kon­so­len sind für mich bis heute völ­lig unin­ter­res­sant. Was die Genre-Evolution betrifft, tre­ten Kon­so­len seit Jah­ren auf der Stelle. Prak­tisch seit Play­sta­tion One Zei­ten, finde ich nur noch “Höher, schnel­ler, wei­ter.” Neues sehe ich nicht. Mit Boom­blox kommt bald ein Wii-Titel, wo ich erst­mals sagen würde: “Ja das sieht unter­halt­sam aus.” Halo? Das ist Doom 2.0. GTA? Sand-Box Titel die­ser Art gab es schon auf dem C64, nur gra­fisch hat sich was ver­än­dert. Gui­tar Hero und Co.? Bemani-Spiele haben wir damals schon auf dem Dream­cast bis zum Exzess gespielt.

Das wirk­lich Neue sind MMOR­PGs und da sieht es nun mal auf Kon­so­len mau aus. PC-Gaming wird von dem domi­niert, was man nicht auf Kon­so­len fin­det, dies war auch schon in den 90ern der Fall. Wenn Stu­dios erwar­ten mit PC-Ports die glei­chen Absatz-Zahlen zu bekom­men wie auf Kon­so­len, dann sind sie sehr blau­äu­gig. Eine XBOX360 gibt es ab 299,- Euro. Die­ses Sys­tem spielt Titel wie Assasins Creed. Der PC-Port von dem glei­chen Spiel, braucht ein Sys­tem, was unter 1000,- Euro kaum zu bekom­men ist. Hmm, wel­che Option wird der Käu­fer wohl wäh­len. Blee­ding edge PC-Gaming ist in der Tat auf dem abstei­gen­den Ast. Soweit ich das sehe, ver­hält sich der Konsolen-Markt nicht viel anders. Die Spiele die sich 2007 am meis­ten ver­kauf­ten, defi­nie­ren sich nicht pri­mär mit Gra­fik und tech­ni­schem Schnick-Schnack. Die klas­si­sche Ziel­gruppe für (PC-)Spiele - jung, männ­lich - ist nicht mehr so markt­be­stim­mend, wie noch vor 10 Jah­ren. Wer jetzt immer noch aus­schließ­lich dafür Pro­dukte ent­wi­ckelt, braucht sich über sin­kende Umsätze nicht wun­dern. Mus­ter­bei­spiel dafür ist Bio­s­hock. Die­ser Titel heimste über­all die bes­ten Kri­ti­ken und diverse Aus­zeich­nun­gen ein. In der Liste der 10 meist ver­kauf­ten Titel 2007, taucht Bio­s­hock den­noch nicht auf, eben weil es ein ganz klas­si­scher düs­te­rer Shoo­ter ist, der eben auf jene junge, männ­li­che Käu­fer­schicht zielt, die auf dem abstei­gen­den Ast sitzt. Hardcore-Gamer ver­lie­ren an Bedeu­tung und das miss­fällt Urge­stei­nen wie Moly­neux, die jahr­zehn­te­lang nur für sol­che Spie­ler ent­wi­ckelt haben.

Audio­surf

Es geht aber auch anders. Klein und fein. Audio­surf zum Bei­spiel. 9.95 Dol­lar kau­fen einem ein wun­der­ba­res PC-Spiel, dass in die­ser Form wohl eher schlecht auf Kon­so­len funk­tio­nie­ren würde. PC-Gaming ist nicht tot, es hat sich nur an den Markt ange­passt, ein Markt der weni­ger tech­nik­fo­kus­siert ist, als vor 10 Jah­ren. Die­ses Jahr kommt end­lich Spore auf den Markt und wird hof­fent­lich bewei­sen, wie “tra­gisch” der PC-Markt so ist. Der Markt hat sich ver­än­dert, Urge­steine wie Moly­neux wohl eher nicht. Wer über PC-Gaming lamen­tiert, beweist nur Neid, kein Sims oder WoW im Port­fo­lio zu haben. Ein Sims oder WoW würde auch den Konsolen-Markt finan­zi­ell absau­gen und auch die­ser Platt­form zu einer “tra­gi­schen” Form ver­hel­fen. Moly­neux sollte weni­ger ana­ly­sie­ren und ein neues Popu­lous kon­zi­pie­ren.

Audiosurf

PS. Audio­surf unbe­dingt bei Steam kau­fen. Ist eine Mischung aus Rez, WipeOut und Beje­we­led. Ein­zi­ger Makel bis­her? Es las­sen sich nur MP3s ins Spiel inte­grie­ren. iTu­nes’ AAC-Format wird strikt igno­riert, gro­ßer Punkt­ab­zug dafür. Meine Song-Empfehlung für Audio­surf lau­tet Nara­yan von The Pro­didgy. Schö­ner lan­ger Titel mit lang­sa­men und schnel­len Pas­sa­gen. Funk­tio­niert her­lich mit Audio­surf.

Fez

Weil es halb­wegs zum Thema passt und schon jetzt irre unter­halt­sam aus­schaut, ers­ter Bil­der von Fez einem Indie-Game, dass von der Games Deve­l­oper Con­fe­rence schon jetzt viel Hype bekommt.

  • #1
  • Mi, 20. Februar 2008
  • Marc schrieb:

Auf dem PC ist schon seit lan­ger Zeit tote Hose ange­sagt. Das Pro­blem ist, dass selbst MMOR­PGs sich selbst zu ähnlich sind. D.h.: Kennst Du eines, kennst Du alle. Auf dem Kon­so­len kom­men im Moment ein­fach die bes­se­ren Spiele wäh­rend man auf dem PC nicht mal mehr anhand der Num­mer einer Gra­fik­karte sagen kann, wie schnell sie wirk­lich ist.

  • #2
  • Mi, 20. Februar 2008
  • Chris schrieb:

> Das Pro­blem ist, dass selbst MMOR­PGs sich selbst zu ähnlich sind. D.h.: Kennst Du eines, kennst Du alle.

Wenn du EVE kennst, kennst du WoW, kennst du Guild Wars? Mit ähnli­cher Berech­ti­gung (quasi so gut wie gar kei­ner) könnte man über Kon­so­len­renn­spiele sagen, dass wer Forza kennt, auch PGR und GT kennt.

> Auf dem PC ist schon seit lan­ger Zeit tote Hose ange­sagt.

Mmh. 10 Mil­lio­nen zah­len monat­lich für WoW. Die Ver­kaufs­zah­len jeder belie­bi­gen Nextgen-Konsole sehen dage­gen lächer­lich gering aus, schließ­lich geht es da jeweils um die Ver­käufe einer gesam­ten Platt­form, nicht nur um ein ein­zel­nes Spiel. 15 Mil­lio­nen Steam-Accounts sind für Valve auch ein Erfolg.

Als Fan “west­li­cher” Rol­len­spiele bin ich am PC immer noch am bes­ten auf­ge­ho­ben. Wir haben den Wit­cher, wir haben NWN2 samt Mask of the Betrayer, wir bekom­men Dra­ken­sang und Dra­gon Age, wir haben zahl­rei­che MMOR­PGs und letz­ten Endes bekom­men wir sogar Mass Effect noch die­ses Halb­jahr.

Letz­ten Endes muss ein­fach jeder schauen, was er gerne spielt, und dann die Hardwareplattform(en) wäh­len, die ihm das bie­tet. Was ich am aller­we­nigs­ten abkann, sind Leute, die mir erzäh­len, dass Wii, PS3, PC oder DS das aller­größte seien, nur weil die zufäl­lig ihren Spiel­ge­wohn­hei­ten am ehes­ten ent­ge­gen­kom­men. Am auf­fäl­ligs­ten ist das ja bei den Hand­helds: Im Ver­gleich zu den Nextgen-Konsolen ver­kau­fen sich sowohl PSP als auch DS aus­ge­spro­chen gut. Aber ein “Krieg” kann offen­bar nur einen “Gewin­ner” haben, auch wenn beide Hand­helds kom­plett unter­schied­li­che Ziel­grup­pen anspre­chen.

Webmaster

Tech­nik und Gen­res spie­len hier eine kleine Rolle, denn schließ­lich kennt wer ein FPS gespielt hat, auch jedes andere. Bio­s­hock unter­schei­det sich im Kern recht wenig von Castle Wol­fen­stein. Die Spiel­me­cha­nik ist fast unver­än­dert, darum auch der immer grö­ßer wer­dene Fokus auf dem Erzäh­len von Geschich­ten, weil man spie­le­risch seit Jahr­zen­ten auf der Stelle tritt.

Was Sta­tis­ti­ken immer als Attachment-Rate bezeich­nen ist hier der Schlüs­sel. PS360-Spieler (also 360 und PS3 Spie­ler) sind eine ganz homo­gene Kli­en­tel. Zum gro­ßen Teil Core-Gamer, die monat­lich meh­rere Spiele kau­fen, auch weil die Durchschnitts-Zeit für klas­si­sche Single-Player-Spiele sinkt. PC/Wii-Spieler dage­gen besit­zen eine sehr nied­rige Attachment-Rate, kau­fen also eher wenig Soft­ware für ihre Sys­tem, weil auch die Spiel­zeit ins­ge­samt gerin­ger aus­fällt. WoW mal völ­lig außer vor gelas­sen, vebrin­gen PS360-Spieler sehr viel mehr Stun­den, als ihre PC/Wii-Kollegen.

Es gibt auch Kon­so­len nichts Ver­gleich­ba­res wie die Sims/WoW, also ein rela­tiv offe­nes Kon­zept, was sich quasi end­los spie­len lässt. Ein­zig Gui­tar Hero/Rockband gehen in die Rich­tung und posi­tio­nie­ren sich nicht grund­los in den Top­sel­lern 2007. Beim Wii die glei­che Situa­tion. Wii Sports und die end­lo­sen Mini-Game-Sammlungen haben kein ech­tes Ende und bedie­nen damit per­fekt ihre Spie­ler­schaft.

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