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Eine Weihnachtsgeschichte

Eine Weihnachts-
geschichte

Die­ses Jahr schließe ich mal mit einem län­ge­ren Weih­nacht­s­ein­trag. Diese Weih­nach­ten wer­den wie­der anders. Vor weni­gen Mona­ten ist mein zwei­ter Groß­va­ter ver­stor­ben, irgend­wie lässt mich diese trau­rige Tat­sa­che in Weih­nachts­nost­al­gie schwel­gen, in Erin­ne­run­gen baden, als sich ein klei­ner Junge über Bilderbuch-Weihnachten gefreut hat. Dies ist ein Fest für Kin­der und wie schön waren meine ers­ten Weih­nach­ten. Dass ich die bes­ten mit schnö­den Geschenke ver­binde, ist ein glück­li­cher Umstand, auf die­sem Teil des Pla­ne­ten gebo­ren sein zu dür­fen.

Weih­nach­ten war jedes Jahr ein Ritual, dass ganz früh am 24ten Dezem­ber begann. Die Groß­el­tern der väter­li­chen Seite wohn­ten wei­ter ent­fernt. Zu Weih­nach­ten fuhr die ganze Fami­lie zum Bahn­hof, um die ers­ten Groß­el­tern zu begrü­ßen. Die Details blei­ben mir unver­ges­sen. Die Win­ter waren wirk­lich immer sehr kalt, das Früh­stück anschlie­ßend erwär­mend. Zum Kaf­fee kamen Opa und Oma Num­mer zwei vor­bei. Ab 15 Uhr war ich nur noch am Fens­ter­brett sit­zend zu fin­den, auf der ver­zwei­fel­ten Suche, einen Blick auf den Weih­nachts­mann erha­schen zu kön­nen. Ich erin­nere mich immer schreck­li­che Abdrü­cke vom Fens­ter­brett an den Unter­ar­men gehabt zu haben. Pünk­lich nach Kaf­fee und Stolle, durf­ten die ver­pack­ten Schätze ent­deckt wer­den.

1988 - B zum M zum X

In die­sem Jahr hat mich mein Bru­der in einem ganz schlech­ten Film geschleppt. Die BXM Bande. Danach wollte ich nur noch eines: ein BMX Fahrad. Nun waren das andere Zei­ten und ein ande­res Waren­wirt­schaffts­sys­tem. Es war unmög­lich solch ein Pro­dukt ein­fach so im Laden zu kau­fen, was mir damals so noch nicht bewusst war, ich wollte nur einer der BMX Bande sein und dazu fehlte mir der ein­zig not­wen­dige Gegen­stand: das Rad.

Pro­dukt­be­schaf­fung in der DDR funk­tio­nierte etwas anders. Nicht der direkte Kauf führte zum Erfolg, son­dern Bekannt­schaff­ten und Tausch­wirt­schafft. Wer die rich­ti­gen Leute kannte und irgend­wie selbst was zu bie­ten hatte, der kam an die Waare unter dem Laden­tisch. Über den glei­chen Weg kam 88 mein BMX Rad unter den Weih­nachts­baum, dass ich eigent­lich noch zu klein dafür war, war unwich­tige Neben­sa­che. Meine Freude dar­über bleibt unver­ges­sen. Am nächs­ten Tag, bei arsch­kal­tem Wet­ter gab es die erste Pro­be­fahrt. Näher komme ich dem Gott-Status wohl nie mehr. Die­ses Rad zog vier mal mit um und hat sei­nen Spaß­fak­tor bis zum Schluss nie ver­lo­ren.

1989 Dino­sau­rier über alles

Ende der 80er hatte die Indus­trie das geniale Kon­zept der Trickfilm-Spielzeug-Synergie per­fek­tio­niert. Man kre­iert ein Fran­chise auf einer Zei­chen­trick­se­rie im TV und Spiel­zeu­gen im Laden um die Ecke. Je zeit­ge­mä­ßer, desto kurz­wei­li­ger, aber erfolg­rei­cher. Dino Riders war so eine geniale Mar­ke­ting Idee. Dino­sau­rier mit Lasern. Oh ja. Ent­we­der man war Dino Riders oder M.A.S.K. Anhän­ger. Bei mir behiel­ten am Ende die Dino­sau­rier die Ober­hand. Die jeweils impo­san­tes­ten Spiel­zeuge der Serie waren der Bron­to­sau­rus und der T-Rex. Am Ende war mir egal, wel­ches der Mons­tren der Weih­nachts­mann lie­fert.

Allein dar­über zu schrei­ben lässt mich breit schmun­zeln beim Gedan­ken an das Aus­pa­cken des rie­si­gen Bron­to­sau­rus. Dies war der Höhe­punkt mei­ner Spiel­zeug­zeit. Ein Mons­ter aus Plas­tik, des­sen eigent­li­ches Poten­tial dann doch eher dürf­tig war. Eigent­lich konnte das Biest nur brav rum­ste­hen, aber im mei­ner Vor­stel­lung erwachte das Stück­chen Plas­tik regel­mä­ßig zum Leben und lie­ferte sich einen epi­schen Kampf mit den Rulo­ni­ern. Ein letz­tes gro­ßes Auf­le­ben des prak­ti­schen Spiel­zeugs, bevor die Elek­tro­nik die Ober­hand gewin­nen sollte, und Spiel­zeug für immer und ewig vom Video­spiel abge­löst wur­den.

1995 SNES Über­do­sis

1995 war das letzte große Jahr des Super Nin­tendo. Die Play­Sta­tion war als Import erhält­lich aber viel zu teuer. Gleich­zei­tig konnte man bei Freun­den das gol­dene Zeit­al­ter des PCs mit­er­le­ben. Aber auch die­ser Traum sollte noch lange uner­füllt blei­ben. Also bestand die Wunsch­liste ’95 aus vie­len poten­ti­el­len letz­ten SNES Spie­len. Dafür muss ich mir heute immer noch mal den Preis vor Augen füh­ren. Wäh­rend meine heu­ti­gen Spiele fast alle nur wenige Euro kos­ten, waren Module zu SNES Zei­ten im Ver­gleich dazu sur­rea­lis­tisch bepreist. Die meis­ten Titel mei­ner Liste kos­te­ten im örtli­chen Kon­sum­tem­pel 149,95 DM. Selbst heu­tige Son­der­edi­tio­nen kom­men an diese Preise kaum heran. Am Ende brachte der Weih­nachts­mann nicht nur einen, son­dern gleich zwei Titel und beide aus der teu­ers­ten Preis­re­gion. Autsch.

Bekom­men habe ich das GTA und das Modern War­fare der 90er. Es gab tat­säch­lich einen Port von Doom für das SNES. Ebenso frisch war der dritte Teil der Mor­tal Kom­bat Serie. Zu die­sem Zeit­punkt war kei­ner der Titel schon indi­ziert. Da saß ich nun mit zwei poten­ti­ell ver­bo­te­nen, “erwach­se­nen”, über­teur­ten Titeln. Wel­ches zuerst zocken? Erste Welt Pro­bleme der 90er. Die Ernüch­te­rung für Doom setzte schnell ein. Toll, aber auf dem PC der Freunde sah das bes­ser aus. MK3 dage­gen war ein Super Port und blieb die nächs­ten Tage im Schacht der Kon­sole ste­cken. Ich erin­nere mich noch, als meine Groß­vä­ter einen Fata­lity sahen und ich erklä­ren musste, was grad pas­siert. Wun­der­schöne Erin­ne­run­gen, die ich mir die­ses Jahr ganz gezielt wie­der in Erin­ne­run­gen rufen werde. An die­ser Stelle wün­sche ich allen Lesern ein schö­nes Weih­nachst­fest und ein gutes Ankom­men in 2012.

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