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Psycho

Psycho

Bis auf wenige Aus­nah­men altern Hitchcock-Filme ein­fach nicht. Lei­der geht das Gesamt­werk auch irgend­wie im Rausch ein­zel­ner Titel unter. Allen voran Psy­cho, ein Film so unglaub­li­cher Wucht, dass er jeden noch so ambi­tio­nier­ten Film­stu­den­ten mora­lisch pul­ve­ri­siert. Psy­cho ist die Mona Lisa des Films. Sicher kann man ver­su­chen nach­zu­ah­men, aber auch nach 50 Jah­ren, hat es kein Film geschafft, Psy­cho ernst­haft anzu­krat­zen. Psy­cho ist so genial, so gut, dass man selbst aus klei­nen Bro­cken des Films eigene erfolg­rei­che Nach­ah­mer auf­zu­zie­hen kann.

Es ist schwie­rig sich auf ein Ele­ment fest­zu­le­gen, dass mir als ers­tes in den Sinn kommt, wenn ich an Psy­cho denke. Das musi­ka­li­sche Thema ist sofort wie­der im Ohr, Saul Bass legen­däre Intro­se­quenz bleibt mini­ma­lis­tisch per­fekt, die Dusch­szene, der Genre-Wechsel mit­ten im Film, Anthony Per­kins letzte Mimik, Janet Leigh in Unter­wä­sche und natür­lich eine so stim­mige und ele­gante Schwarz-Weiß-Optik.

“It’s not like my mother is a maniac or a raving thing. She just goes a little mad some­ti­mes. We all go a little mad some­ti­mes. Haven’t you?”

Mein ers­ter Kon­takt mit Psy­cho?. Es gibt da diese eine Alf-Folge, in die Nach­ba­rin Baby­sit­ter spielt und dabei Psy­cho im Fern­se­hen schaut. Von da an war mit der Titel ein Begriff und irgend­wann lief der Film dann im Nacht­pro­gramm. Damals hat mir sicher der Zugang gefehlt, denn Psy­cho ist ein durch und durch erwach­se­ner Film, der trotz sei­nes Rufs, eigent­lich über­haupt nichts für junge Zuschauer bie­tet. Hier haben wir einen Film aus einer Zeit, als die Ziel­gruppe eben noch nicht aus 14- bis 24-Jährigen bestand. Diese Tat­sa­che macht den Film aus mei­ner Sicht noch heute so wert­voll.

Die Hand­lung und die mar­kan­ten Stel­len im Film kennt heute sicher­lich jeder. Abge­se­hen vom per­fek­ten Hand­werk, bin ich bis heute vom Gen­re­wech­sel des Films fas­zi­niert. Die erste Hälfte ist eine Mischung aus Adven­ture und Slas­her, wobei diese Genre Bezeich­nun­gen damals noch nicht exis­tier­ten. Die zweite Hälfte dage­gen baut auf neue Hel­den und wird fortan zum Thril­ler mit gro­ßen Tei­len eines Dra­mas. Die­ser Wech­sel macht den Film so ver­dammt unter­halt­sam. Zwar exis­tie­ren heute viele Bei­spiele für einen sol­chen Gen­re­wech­sel, aber sie fal­len nicht so sub­til und so naht­los aus wie in Psy­cho. Per­sön­lich finde ich die erste Hälfte inten­si­ver, beson­ders da die Hel­din so abprupt und ein­drucks­voll stirbt. Der Psy­cho spen­ded bis dahin sehr viel Sorg­falt und Zeit, um dem Zuschauer Figu­ren und Welt mög­lichst nahe zu brin­gen, um dann inner­halb einer schnel­len und uner­war­te­ten Szene, diese Wohl­fühl­stim­mung in eine kom­plett andere Rich­tung zu kip­pen. Hier haben wir einen Film, der heute unvor­stell­bar ist. Zu nega­tiv wären die Reak­tio­nen beim Test-Screening.

Am Ende zeigt beson­ders das Remake, wieso das Orgi­nal so wun­der­voll bleibt. Prak­tisch 1:1 kopiert, schafft es das Remake zu kei­ner ein­zi­gen Sekunde, auch nur den Fun­ken von Magie auf die Lein­wand zu zau­bern. Was mich zu dem Schluss bringt, dass Psy­cho mehr als alles andere von sei­nen Dar­stel­lern lebt, allen voran Anthony Per­kins als Nor­man Bates. Per­kins Leis­tung hier ist so ein­drucks­voll, dass er am Ende für ewig diverse Nor­man Bates Varia­tio­nen spie­len musste.

Die Frage nach dem Erbe des Films bleibt bis heute aktu­ell. Ohne Psy­cho wären viele 70er und 80er Horror-Filme Ame­ri­kas nicht vor­stell­bar. Psy­cho hat Hor­ror sicher­lich auch erst­mals zu einem popu­lä­ren Fran­chise wer­den las­sen und hat dem Genre das über­na­tür­lich Ele­ment genom­men. Keine Vam­pire, kein Fran­ken­stein und keine außer­ir­di­schen Mons­ter sind die Bedro­hung, son­dern der liebe unschein­bare Herr von nebenan. Heute sicher­lich kal­ter Kaf­fee, vor 50 Jah­ren zwei­fel­los ein Novum. Für mich bleibt Psy­cho pri­mär visu­ell und struk­tu­rell per­fekt.

  • #1
  • Sa, 30. Juli 2011
  • ben_ schrieb:

Ach herr­lich, mal wie­der so eine Arbeit hier zu sehen.

Dabei fällt mir aber auf: Gar kein Link zum 100F Pro­jekt. Liegt das auf Eis?

Als Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler muss ich der letz­ten These aller­dings mehr oder weni­ger wider­spre­chen. Sicher­lich für das Film-Genre war Psy­cho ein Novum. In der Lite­ra­tur fin­den sich aber mit Sicher­heit einige Vor­gän­ger im Geiste, auch wenn ich jetzt keine Zur Hand habe. Eine Recher­che wäre aber sicher mal span­nend.

Webmaster

100F liegt mit­nich­ten auf Eis. Ganz im Gegen­teil, ich habe viele Arti­kel dort ver­linkt und es ist mein Fahr­plan für Kün­fi­ges. So lang­sam füllt sich die Liste. Was ich über­se­hen habe sind die Tags. Was ange­sichts tie­fe­rer Män­gel der Seite eine Klei­nig­keit ist. Mea culpa :)

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