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Taxi Driver

Taxi Driver

Taxi Driver war vor vier Jahren einer der ersten Filme, die ich hier ausführlicher notiert habe. Jahre später im Folge des 100F-Projekts krame ich den Film auch im Blog noch einmal hervor. Taxi Driver hält sich noch immer tapfer und führt klar die Liste meiner meistgesehendsten Filme an. Inhaltlich was zu ergänzen ist unmöglich, dafür steht zuviel im ersten Artikel, also was Anderes versuchen.

Thematisch könnte der Film kaum zeitaktueller sein, denn er beschreibt eine Figur, wie sie unsere moderne Gesellschafft wohl im Sekundentakt produziert. Wenn es eines dieser Exemplare mal an die Oberfläche spült, regnet es am selben Tag Sondersendungen im Fernsehen, um die immer wieder gleichen Fragen zu stellen, die Taxi Driver eigentlich schon vor mehr als 30 Jahren beantwortet hat. Travis Bickle ist die personifizierte Kälte des Alltags, der sich die Wärme mit halbautomatischen Waffen und in Pornokinos sucht. Jedes mal wenn wir nach Ausrastern junger Mitbürger, verwackelte YouTube-Videos vorgesetzt bekommen, wie sie sich selbst als Waffe inszenieren, dann stellen sie Szenen des Films praktisch 1:1 nach, ohne es zu wissen. Wie verdammt seiner Zeit voraus ist dieser Film bitte? Die Spiegelszene ist nicht mehr nur Imitationsvorlage für Möchtegernschauspieler, sondern mehr denn je absurde Karrikatur aktueller Realität.

„I realize now how much she’s just like the others, cold and distant, and many people are like that, women for sure, they’re like a union.“

Mein Blick auf den Film hat sich in den letzten Jahren stark verändert, auch weil mehr und mehr Parallelen zu unserer Zeit sichtbar werden, die mir den puren Unterhaltungswert und die handwerkliche Brillianz des Films etwas trüben. Erstaunlicherweise kann sich der Film bis heute dem Remake-Rausch Hollywoods entziehen, wahrscheinlich auch weil so viele der damals beteiligten Macher noch heute mächtige Größen sind. Zuviel Respekt umschließt diesen Film und ich glaube auch nicht, dass man ohne große Änderungen kommerziell hiermit erfolgreich sein kann. Ein Travis Bickle ist trotz seiner verzerrten Wahrnehmung nicht durchgeknallt genug für die aktuelle ADS-Generation.

Das Fazit des Films begeistert mich noch immer. Der Unterschied zwischen Held und Bösewicht ist immer nur purer Kontext. Mit dieser Idee spielen leider zu wenige Geschichten heute. Nirgends jedoch ist dieser Ansatz so offen und doch ersichtlich umgesetzt wie hier. Jeder muss für sich selbst urteilen ob ob Travis seine Erlösung findet oder noch tiefer in die Hölle herab steigt. Auch deshalb wäre selbst ein offzielles Sequel weniger wertvoll. Die Geschichte dieser Figur ist so unvollendet sie auch sein mag perfekt.

Das Bildmaterial des Eintrags stammt von Fanpop.

5 Kommentare

Für diesen Eintrag wurden die Kommentare geschlossen.

  • #2
  • Do, 04. März 2010
  • ben_ schrieb:
  • #3
  • Do, 04. März 2010
  • Starbuck Rogers schrieb:
  • #4
  • Fr, 05. März 2010
  • Thomas schrieb:
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