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3 MCs and 1 DJ

Beastie Boys Juwel der späten 90er - handgemachte Musik ohne Instrumente

3 MCs and 1 DJ

Ich bin ein Freund von Minimalismus, ein Prinzip, dass sich auf fast jeden Bereich des Lebens anwenden lässt. Eigentlich bevorzuge ich kein festes Musikgenre. Was gut ist gefällt, auch wenn sich eine Vorliebe für Sprechgesang nicht leugnen lässt. Das Genre ist als pure Partymusik geboren und verkam dann Mitte der 90er zum heute kommerziellen Monster. Im Laufe der Jahre hat sich viel am Genre verändert. Aus einer Subkultur ist die finanziell stärkste und global erfolgreichste Musik überhaupt geworden. Heute sind die Größen der Szene nicht mehr nur Texter, sondern eher Großindustrielle, deren Gottheit die fiktive Figur Tony Montana zu sein scheint…aber es war nicht immer so.

Mitte der 80er waren es drei jüdische New Yorker aus der Mittelschicht Amerikas, die zusammen mit einem aufblühenden Label und einem ambitionierten Produzenten Musikgeschichte schreiben sollten. Die Beastie Boys sind noch immer einzigartig. Heute wahrscheinlich als Weichspül-Pop-Rap verteufelt, ist die Qualität vieler Titel einfach so gut, dass selbst die bösartig blickendsten aktuellen Künstler, der Gruppe Respekt entgegenbringen. Zu groß ist das Erbe der Beasties, selbst wenn man thematisch in anderen Welten spielt. Nach etlichen musikalischen Orgien, bei denen man die besten Samples der Funk-Geschichte verschmolzen hat, musste sich die Gruppe zumindestens musikalisch Ende der 90er neu erfinden.

3 MCs and 1 DJ bringt alles auf den Punkt. Es bleibt Beastie Boys und klingt doch völlig anders. Es braucht nicht mehr als eine Platte, einen Mixer und einen Großmeister des Handwerks. Die vielen bekannten anderen Titel der Band platzen vor Dichte. 3 MCs and 1 DJ reisst allen Ballast von sich und reduziert sich auf den ganz frühen Ursprung des Genres. Zur Zeit als 3 MCs and 1 DJ entstand, verlagerte sich die Produktion von Rap allgemein mehr und mehr zu jenem überproduzierten Brei, der noch heute den Markt dominiert. Besonders um die Jahrtausendwende etablierten sich alle großen Namen, die noch heute Garanten für kommerziellen Erfolg sind. Minimalismus sieht aber anders aus, nämlich so wie in diesem Titel, das ohne digitalen Kram und ohne aufgesetzte Bilder funktioniert. Der Song ist so auf den Punkt, so einfach, so humorvoll, so smart und damit so gut, dass er mir immer wieder ein Grinsen ins Gesicht zaubert. Gute pure Unterhaltungsmusik ohne aufgesetzten Anspruch und ohne Maske. Sowas ist selten geworden in einem Genre das mehr zu einer Karrikatur seiner selbst geworden ist.

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2 Kommentare

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  • #1
  • Mo, 01. März 2010
  • ben_ schrieb: