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Wunderkinder

Wunderkinder

Unwür­dig ist nicht wer kopiert und es als eige­nes Werk ver­kauft, son­dern wer den Köder blind schluckt und detailiert berich­tet wie gut er schmeckt. Pop­me­dien haben irgend­wann ihre Erdung ver­lo­ren, so sur­real dies auch klin­gen mag. Wich­tig ist nicht mehr was geschaf­fen wird, son­dern wie groß das wirt­schaft­li­che Poten­tial um Werk und Macher ist. Beson­ders in der Lite­ra­tur zählt nur noch noch die Ober­flä­che. Sämt­li­che “Volks­bü­cher” haben sich in den letz­ten zehn Jah­ren nur über ihre Marke ver­kauft. Wenn ein brav aus­se­hen­des Etwas über ver­saute Details schreibt, dann greift der ver­kappte Pöbel natür­lich zu. Der pro­fes­sio­na­li­sierte Dr. Som­mer als lite­ra­ri­sches Opium fürs Volk. Die fomu­lierte vir­tu­elle Sehn­sucht nach Dro­gen, Sex und Gewalt, am liebs­ten aus der Feder von Schwie­ger­sohn oder -toch­ter. Das ist so inno­va­tiv wie Schweins­kopfsülze und offen­sicht­lich auch so beliebt.

Mülleimer

Schuld ist die Kri­tik, die seit Ewig­kei­ten nicht mehr ihrer Auf­gabe nach­kom­men kann und möchte. Statt sich eine echte Stimme zu ver­schaf­fen, was zuge­ge­ben in Zei­ten der gele­se­nen Pixel schwie­ri­ger gewor­den ist, ver­kauft man sich als Wer­be­mit­tel für Ver­le­ger. Dass kopier­ter Deck durchs Ras­ter fällt ist nichts Neues. Dass man es der Ziel­gruppe aber als neuen Koks ver­kau­fen möchte schon. Es ist kein Wun­der, dass jetzt Blog­ger jene Auf­gabe über­neh­men müs­sen, wofür andere noch heute teuer bezahlt wer­den. Eine zu har­sche Kri­tik ist für die Kunst för­der­li­cher, als eine wöchent­li­che Wunderkind-Mentalität. Es ist ok nega­tiv zu urtei­len, selbst oder beson­ders über kom­mer­zi­ell erfolg­rei­che Werke. Ein­fach mal wie­der die Haus­auf­ga­ben machen. Ist ner­vig aber für man­che Berufe dann doch noch essen­ti­ell.

  • #1
  • Mi, 10. Februar 2010
  • ben_ schrieb:

Wer v.a. jetzt auf­heult, der ist ein Lite­ra­tur­kri­ti­ker, der nicht auch nur die aller­ge­ringste Ahnung davon hat, wie Lite­ra­tur ent­steht. Weil das hier ein Blog ist, will ich mal gar nicht erst Shake­speare als Säu­len­hei­li­gen her­vor­ho­len, son­den mich selbst, denn was Helene Hege­mann in ihrer Ant­wort beschreibt ist ein Pro­zess den sich von ganz alleine ein­stellt, wenn inten­siv und pro­duk­tiv mit Spra­che umgeht. Ich erwi­schen mich noch heute – wo ich “nur” blogge – noch regel­mä­ßig dabei, dass ich Flos­kel, Sprach­ges­ten, ganze Text­kon­zepte ver­wende und erst Stun­den, Tage oder sogar Monate spä­ter merke, dass es dafür einen Vor­gän­ger im Geiste gibt.

Erschre­cken­des Bei­spiel dafür ist der Text “Jene blei­erne Farbe” des­sen Auf­bau und Sprach­ges­tus ich vom Jan Fak­tor Text “Krank” habe, was mir aber erst vor ein paar Wochen gemerkt habe.

Sehr schö­ner Arti­kel, der schön die Pro­ble­ma­tik wie­der­gibt.

Ich melde mich noch­mal mit einem Schrieb an ben:

Das ist doch Unsinn. Bestimmte For­mu­lie­run­gen auf­zu­neh­men ist eine Sache, aber eine ganze Seite zu kopie­ren eine andere. Und das hat Hege­mann nun auch ein­ge­räumt. Sie ver­wirrt hier in dem sie auf einer Seite zugibt gemacht zu haben, was sie tat, auf der ande­ren Seite sich aus­re­det, mit einer Aus­rede die hier nicht passt.

Webmaster

Jene ange­spro­chene Auto­rin würde ich kom­plett aus dem Thema raus­neh­men, denn an die­sem Punkt ist sie nur Bau­ern­op­fer. Ich glaube beson­ders in der Lite­ra­tur ist ganz ein­deu­tig ein Punkt erreicht, wo eine beach­tete Kri­tik ganz klar die weiße Fahne schwen­ken muss. Es gibt nicht mehr jene Instanz, die all­um­fas­sen­des Wis­sen haben kann, dafür wird ein­fach glo­bal zu viel geschrie­ben und gele­sen. “Mein” Medium ist der Film und selbst da habe ich es lange auf­ge­ge­ben mir eine brauch­bare Grund­lage anzu­eig­nen, ein­fach weil ein Tag nur 24 Stun­den hat.

Ich habe auch kein Pro­blem wenn jemand Feh­ler macht, ganz im Gegen­teil sowas macht glatte Ober­flä­che für mich erst greif­bar. Es ist aber höchst fahr­läs­sig für eine Kri­tik, die alles ihr Unbe­kannte oder Unge­wöhn­li­che (in die­sem Fall eine Kom­bi­na­tion) für eine lobens­werte Leis­tung hält. Man ist hier in einer Ver­ant­wor­tung dem Leser gegen­über und nicht nur dem eige­nen Arbeit­ge­ber. Ich kann auch irgendwo nach­voll­zie­hen warum sich so ein Pro­zess ein­ge­schli­chen hat und dass er wirt­schaft­lich Sinn macht, aber dann sollte man die Kar­ten offen spie­len und sich nicht mehr als Kri­tik sehen.

Was Ben_ anspricht betrifft alle, die viel Zeit mit Schrift über­haupt ver­brin­gen. Aller­dings ist man als Autor, der mit Spra­che seine Bröt­chen ver­dient, in einer völ­lig ande­ren Ver­ant­wor­tung der eige­nen Arbeit gegen­über als ein Blog­ger oder Hob­by­schrei­ber. Um so eine Marke wie in die­sem Fall auf­zu­bauen, braucht es viel erfah­re­nere Leute im Hin­ter­grund. Offen­sicht­lich hat hier Gier wie­der über den eige­nen Stolz gesiegt, dies wäre aber eine furcht­bar ein­fa­che Eklä­rung.

  • #5
  • Mi, 10. Februar 2010
  • ben_ schrieb:

@Immanuel: Klar sind das über­neh­men einer ganze Seite durch­aus ein ande­res Kali­ber. Aber.

Zwei Dinge sind doch bemer­kens­wert: Das Netz führt uns zu einer Re-Oralisierung der geschrie­be­nen Spra­che. Und damit auch die Leich­tig­keit des gespro­che­nen Wor­tes. Damit ein­her geht die Tat­sa­che, dass es nie zuvor ein auch nur annä­hernd so idea­len Lebens­raum für Text gab, wie das Netz. Dass beide zusam­men fun­da­men­tal das Wesen von Text – und das ist ja nichts andere als die Ideen der Nut­zer davon – scheint mir zwin­gend.

Also meine Mei­nung dazu ist, dass Hege­mann ver­sucht sich mit Aus­re­den her­aus­zu­re­den die nicht pas­sen. Natür­lich gab es alles schon­ein­mal, und Inspi­rie­ren, lasse ich mich wohl wie jeder andere, der irgend­wie in der Kunst tätig ist - und sei es nur Hob­by­mä­ßig - auch. Wenn jemand es für nötig befin­det, Sachen Wort für Wort zu über­neh­men, will ich das nicht ver­bie­ten, jedem seine Art zu schrei­ben. Aber dann sollte man es auch als Zitat kenn­zeich­nen, da reicht nicht­ein­mal der Name in der Dank­sa­gung. Zitat und woher es genau kommt - so wie man es in der Schule schön lernt. Dann ist das ist Ord­nung.

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