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Altes Eisen oder vom spielerischen Zenit

Altes Eisen oder vom spielerischen Zenit

Ein wahrscheinlich nie fertig werdender Artikel lautet „Warum spielen wir?“. Es ist eine ganz simple Frage mit endlos vielen und komplexen Antworten. Für den folgenden Eintrag gebe ich mal eine meiner Antworten Preis. Spielen war und ist für mich das Lösen angenehmer Probleme. Aus ähnlichem Anlass, bin ich dabei im Team Fortress 2 eine neue Klasse zu lernen, die völlig aus meinem Verhaltensmuster als Spieler rausfällt. Es ist wie das Lösen einer neuen Matheaufgabe in der Schule. Etwas Eingebung, etwas Nachschauen, etwas Probieren, führt irgendwann immer zum richtigen Ergebnis.

Mir fiel es nie wirklich schwer mich einem Spiel anzupassen. Es gibt ganz wenige Beispiele, bei denen ich kapitulieren musste – FUCK YOU ACTRAISER. Irgendwie sind es aber auch bei mir einige Jahre seit dem Angang vergangen und das Lösen der Aufgaben geht nicht mehr so locker von der Hand wie früher. Ich bin kein manisch auf Sieg fokussierter Spieler, aber ich spiele auch nicht um zu verlieren. Gesunder Wettbewerb, mehr nicht. Auf einer Skala von 1 bis 10, wo 1 belanglosem Drücken von Tasten und 10 stundenlanges Trainieren simpelster aber wichtiger Bewegungen ist, dann bin ich momentan eine 7.5.

Auch wenn heutige Spiele in großem Maße einfacher oder leichter zugänglich geworden sind, so bleiben bei guten Beispielen, die kleinen Details weiterhin ganz wenigen Spielern vorbehalten – easy to learn, hard to master. Es wird immer schwerer für mich, zu diesen wenigen zu gehören. Sicherlich ist es eine Zeitfrage, aber dies ist nur eine Ausrede. Übung bringt einen nur ein Stück voran, aber nicht ans Ziel. Allein die Hand-Augen-Koordination ist eben nicht mehr, wie vor zehn Jahren noch und das zeigt sich wirklich. Was bei Quake Arena noch kein Problem war, möchte heute bei Quake Live nicht mehr gelingen. Das Spiel ist gleich, verändert habe ich mich.

Glücklicherweise hat sich grundsätzlich auch das Medium an die älter und somit schlechter werdenden Spieler angepasst. Allgemein verlangt man vom Spieler weniger Präzision, als noch vor zehn Jahren. Sicherlich trägt die Steuerung der Konsolen hier einen großen Teil bei. Ziel-Hilfen sind keine Schande mehr, sondern notwendiges Übel geworden. Überhaupt hat man bei vielen 3D-Genres die Koordination von zwei separaten Mechanismen (Laufen & Zielen) extrem entschärft. Ein Teil von mir schreit „Hurra!“ der andere „Verdammt!“. Ich werde dann wieder Konsolenspieler, wenn ich in den PC-Communities absolut kein Land mehr sehe. Noch ist es glücklicherweise nicht so weit, aber der Abstand wird nur größer und nicht geringer.

Im meinem aktuellen Beispiel Team Fortress 2 ist man schon weiter und bietet für jeden Spielertyp passende Klassen. Wer nicht pixelgenau in einer Millisekunde reagieren kann, findet weniger sensible Optionen. Ich glaube mein virtueller Mechaniker wird noch mehr als eine Senty Gun basteln. Die Heldentaten überlasse ich 2009 anderen. Im virtuellen Leben altert man offensichtlich mindestens doppelt so schnell. Irgendwie befreiend, auch weil man mehr und mehr die Leistung anderer zu schätzen weiß, statt neidisch nach Ausreden für die eigene Leistung zu suchen.

5 Kommentare

Für diesen Eintrag wurden die Kommentare geschlossen.

  • #1
  • Mi, 02. Dezember 2009
  • ben_ schrieb:
Webmaster
  • #4
  • Mi, 02. Dezember 2009
  • ben_ schrieb:
  • #5
  • Do, 29. Juli 2010
  • Yitu schrieb: