22
08

Léon

Léon

Zeitlos. Eine wertvollere Auszeichnung kann ein Werk eigentlich nicht erlangen. Léon ist mittlerweile ein fünfzehn Jahre alter Film und was für einer. Wie so viele meiner Lieblingsfilme, darf man auch hier von einem unglücklichen Unfall sprechen. Dieser Film markiert klar den Höhepunkt des europäischen Actionkinos der 90er. Was den Film noch heute so frisch wirken lässt, ist der so durch und durch europäische Stil Lúc Besson’s. Das Drehbuch zum Film entstand an Anlehnung einer Randfigur im Film Nikita, den Besson zuvor mit Jean Reno abgedreht hatte. Reno spielt hier eine sehr ähnliche Figur, die so gut funktioniert, dass Besson ihr einen kompletten Film widmet.

„Tony, you’ve killed for us in the past, and we’ve always been satisfied, which is why it’s very hard for me to come down here today. One of my men was killed today in your territory, and the chinks tell me the killer was of the… Italian persuasion. Now, wait, there’s more. You’ll love this. Not two hours later, a little twelve-year-old girl comes to my building, armed to the teeth with the sole intention of sending me straight to the morgue. And guess who comes to get her? The very same Italian hit man.“

Es ist jene Rolle, die einen Schauspieler für den Rest seines Lebens verfolgen wird. Reno hat keine Chance als diesem Charakter zu erliegen. Für die wenigen Minuten des Films ist er der Einzelgänger Léon, dessen Routine aus den Fugen gerät, als er die junge Mathilda trifft. Die Geschichte ist nicht innovativ. Besonders das japanische Kino hat hier etliche Vorlagen geliefert, aber keine mit einem so durch und durch europäischen Blick inszeniert.

Léon lebt durch seinen Darsteller und eine Optik, die Stil aus jeder Bildzeile tropfen lässt. Besson schafft es einfach eine eigentlich schrecklich unrealistische Figur funktionieren zu lassen. Léon drückt bei mir alle Knöpfe. Jenen kleinen Details, die mir persönlich so wichtig für fiktionale Charakter sind, werden hier nicht nur erwähnt sondern zelebriert. Léon trinkt seine Milch und pflegt seine Pflanze. Mehr braucht es eigentlich nicht.

Die lange Fassung des Films legt den Fokus dann jedoch auf das fragwürdige Element des Films: der Beziehung zwischen einem alterndem Auftragskiller und einem zwölf jährigen Mädchen. Es gibt mehr als eine Szene, die einfach unangenehm wirkt und einen Unterton in den Film bringt, der erst im letzten Akt wieder verdrängt wird. Dieser letzte Akt ist es auch, der dann aus einem kleinen ruhigen Film, eine brachiale Lawine macht. Ich kenne keinen anderen Film, der seine Action so clever inszeniert. Es braucht keine einstürzenden Brücken, keine mit Benzin beladenen Trucks, keine endlosen Straßen, nur einen kleinen Flur und ein gekonnte Kameraführung.

Léon bekommt kein Happy End. Der Held spielt mit dem Feuer, verbrennt sich dabei die Finger und erlöst sich selbst. Der Schluss ist so konsequent wie die vielen Minuten zuvor. Eigentlich muss man dankbar sein, dass diese Figur stirbt. Der Gedanke an eine Fortsetzung ist einfach falsch. Zwar gab es viele Jahre lang den Wunsch Mathilda’s Geschichte weiter zu erzählen, aber so einen Film hat Besson schon vor Léon gemacht – Nikita. Es ist unmöglich mit einer älteren Mathilda ein so gut funktionierendes Duo aufzubauen, wie es hier schon gelingt. Hierbei sei auch zu erwähnen, dass die erste Fassung des Drehbuchs auch Mathilda sterben lässt, was dann aber doch einen Schritt zu weit geht.

Der Film ist wie so viele Klassiker nur die Summe seiner wenigen perfekten Zutaten. Besson hat hier seine zwei besten Figuren geschrieben und perfekt besetzt. Egal in welches Szenario man Reno’s Léon und Portman’s Mathilda steckt, es wäre immer sehenswert. Selten bekommt man so überzeugende Darstellungen ganz klassischer Charaktere. Léon ist im Kern so altbacken wie die griechische Sage, des tragischen Helden, die Besson hier wirklich selbst noch heute zeitlos gut inszeniert. Immer wieder erstaunlich, wie gut echte Qualität altert. Léon befindet sich hier ganz klar in der Kategorie Film, die man jährlich einmal ansehen kann.

4 Kommentare

Für diesen Eintrag wurden die Kommentare geschlossen.

  • #1
  • Di, 15. September 2009
  • ben_ schrieb:
Webmaster
  • #3
  • Di, 15. September 2009
  • ben_ schrieb:
  • #4
  • Di, 15. September 2009
  • Hex schrieb: