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Mythos weibliche Spieler - ein Interview

Mythos weibliche Spieler - ein Interview

Vor weni­gen Wochen gab es Zah­len, über den durch­schnitt­li­chen Video­spie­ler. Die Zah­len stam­men von der ESA und beschrei­ben somit nur den US-Markt. Den­noch lau­tet ein Fazit die­ser Zah­len ganz ein­deu­tig, das Mär­chen vom weib­li­chen Video­spie­ler ist kein Mär­chen mehr, son­dern schon lange Rea­li­tät.

Aus die­sem Anlass möchte ich ein­mal eines die­ser Fabel­we­sen vor­stel­len. Sie ist eine mei­ner weni­gen fes­ten Mit­spie­ler in World of War­craft und mitt­ler­weile sind genug Kri­sen über­stan­den, um sagen zu kön­nen, wir wer­den sicher­lich noch län­ger zusam­men die vir­tu­elle Welt unsi­cher machen. Anna ist sicher­lich nicht die erste Mit­spie­le­rin. Seit­dem ich das Genre MMO ent­deckt habe, sind Mit­spie­le­rin­nen, keine Aus­nahme, son­dern Nor­ma­li­tät und sicher­lich ein wich­ti­ges Merk­mal für MMOs.

das Inter­view

Chris: Erzähl kurz was zu dei­ner Per­son. Wer sitzt da an der Tas­ta­tur?

Anna: Woher soll ich DAS bitte wis­sen?? ;) Anna, 24, lebe mit mei­nem Freund (ist mir vor sechs Jah­ren zuge­lau­fen) in Ingel­heim am Rhein, stu­diere in Wies­ba­den Soziale Arbeit (4. Semes­ter).

Chris: Wie lange spielst du jetzt WoW?

Anna: Juli 2006 ange­fan­gen.

Chris: Deine Cha­rak­tere haben alle sehr ähnli­che Namen. Woher stammt der Name ursprüng­lich?

Anna: Naja, den Namen hab ich nu seit knapp 10 Jah­ren als “Nick” im Inter­net, habe damals mit ein paar aus mei­ner Schul­klasse ein Pen&Paper-Rollenspiel gespielt (Vam­pire) und da für einen neuen Cha­rak­ter einen Namen gesucht, und beim Latein-Hausaufgaben machen (klingt toll, was?) über jenen Namen gestol­pert. Muss ja kei­ner wis­sen, dass damit eine Eulen­gat­tung (Kauz) bezeich­tet wird.

Geblie­ben ist der Name, weil er kurz, leicht zu schrei­ben und mer­ken, und vor­al­lem geschlechts­neu­tral ist, mit dem Ergeb­nis, dass mich die meis­ten fürn Kerl hal­ten. Und wie du weißt, sehr wan­del­bar, zumin­dest für mich.

Chris: Seit­dem wir zusam­men­spie­len, habe ich dich Hexer, Druide, Jäger und nun Shaman spie­len sehen. Wel­che Klasse ist für dich am spa­ßigs­ten und warum. Als Folge dazu viel­leicht noch, die Frage nach den Ände­run­gen dei­ner Klas­sen im Ver­lauf von Burning Cru­sade. Hast du bemerkt, wie sich deine Klas­sen ver­än­dert haben?

ShamanAnna: Am “spa­ßigs­ten” ein­deu­tig die Eule, warum? Weil sie so häss­lich ist. Da hab ich halt immer was zu lachen. Die meis­ten Freude hat mir aber der Jäger berei­tet, auf der einen Seite recht viel­sei­tig, aber vor­al­lem abso­lut selbst­stän­dig und unab­hän­gig. Ich werde ihn aber nicht mehr im “End­game” spie­len, dort gibts ein­fach zu viele Vor­ga­ben, wie man zu spie­len und skil­len hat. Mir hat damals ein wenig das Herz geblu­tet, als ich zum Rai­den auf MM ums­kil­len musste (von BM) und meine Sau weg­pa­cken… Weil MM gerade ange­sagt war. Nun ist der Beast­mas­ter imba, um das auch wirk­lich zu sein, musss man ihn aber so skil­len, dass das Solo­spiel wie­der lei­det und es muss eine lang­wei­lige Katze oder ein häss­li­cher Felz­het­zer sein. Dann braucht man ein Schuss-Rotations-Makro, was aber an die Waf­fen­ge­schwin­dig­keit ange­passt sein muss, weil sonst die DPS erheb­lich lei­det. Und stumpf auf eine Makro-Taste drücken…nein. Das ist eine der Ver­än­de­run­gen, die ich mit­be­kom­men habe. Man ist so patch­ab­hän­gig gewor­den. Das ist aber wohl bei allen Klas­sen so, aber beim Jäger ists am auf­fäl­ligs­ten. Inzwi­schen bin ich auch nicht mehr in der Lage, den Jäger auf hohem Niveau zu spie­len, müsste da erst­mal wie­der “Arbeit” rein­ge­ste­cken.

Hexer ist auch ganz nett, weil halt Imba-Boom-Bäm. Aber da gibts wie­der das selbe Pro­blem. Zum Rai­den muss es dann der Opfer-Hexer sein, aber wenn ich mich noch nicht mal von mei­ner Sau tren­nen kann, gehts auch nicht ohne den Wich­tel. Ich bin da ziem­lich unfle­xi­bel.

Schami ist des­we­gen nett, weil er recht viel­sei­tig ist. Damage, Sup­port und Hei­lung, alles recht gut. Aber: er ist nir­gendwo “spitze”. Und das passt mir gar nicht. Auf der ande­ren Seite ists mal nett, eine Klasse zu spie­len, die wirk­lich gebraucht wird und auch ein­mal in einer wich­ti­gen Posi­tion und eben nicht eine von vie­len zu sein. Werd aber beim Scha­ma­nen blei­ben, höchs­tens irgend­wann ein­mal einen Todes­rit­ter anfan­gen, oder was ganz ande­res… :P

Aber Ver­än­de­run­gen an sich habe ich nicht viele bemerkt, liegt aber daran, dass ich in 1 1/2 Jah­ren BC Jäger, Druide (Eule), Hexer, Druide (Feral), Schami hoch­ge­zo­gen und mit ihnen gerai­det habe. Da bin ich nie wirk­lich lang am Ball geblie­ben. Ich gehöre auch zu den Leu­ten, die sich wei­gern, in die Zukunft zu bli­cken, auf das, was da kommt. Also über Wotlk weiß ich so gut wie nix, und will es auch nicht.

Chris: Egal wel­che, du warst mit dei­nen Klas­sen spie­le­risch immer ganz weit vorn (/schleim). Die These, weib­li­che Spie­ler seien die schlech­te­ren ist hier­mit wider­legt. Auf­fäl­lig auch, dass du beson­ders mit Hexer und Jäger zwei Klas­sen beherrscht hast, die kom­ple­xer zu spie­len sind. Woher kam da das Grund­wis­sen der jewei­li­gen Klasse?

Anna: Ich halte die These, dass Frauen die schlech­te­ren Spie­ler sind für wahr. Und wie immer bestä­ti­gen Aus­nah­men die Regel. Die meis­ten weib­li­chen Spie­ler, die ich kenn spie­len grot­tig, haben aber den so genann­ten “Titten-Bonus”. (Und hier ein Ver­weis zum unisex Namen). Mei­ner Mei­nung nach fehlt Frauen der nötige Ehr­geiz, wirk­lich gut zu sein, wenn sich alle lieb haben ist doch die Welt schon in Ord­nung. Wie viele Frauen siehst du schon ein Dmg-Meter pos­ten? Gut, ich starr die ganze Zeit drauf, aber nicht um gut zu sein, son­dern bes­ser ;)

Und deine Mei­nung von mei­ner Spiel­weise wäre eine andere, wenn du mich von Anfang an in WOW gekannt hät­test. Mich und mei­nen Schur­ken. Mei­nen Gimp­schur­ken. Mit dem hab ich so ziem­lich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Ich war rich­tig schlecht; nie Geld gehabt für irgend­was, schon gar nicht für Skills, und als ich die Skills end­lich hatte, war ich zu faul zum Beschrei­bung lesen. Talent­punkte wur­den nach Zufall ver­teilt, in Random-Ini-Gruppen war ich der Schreck aller Mit­spie­ler. So war ich irgend­wann 60 und ziem­lich frus­tiert. Weil wegen “Titten-Bonus” bin ich in ein paar Zul´Gurub-Raids gekom­men, aber da rich­tig mies abge­schnit­ten.… Weil ich aber so eine lus­tige schwarze Sau haben wollte, ein­fach mal einen Jäger ange­fan­gen… Den Rest kennst du ;)

Anmer­kung: Rolf ist ein wei­te­rer mitt­ler­weile fes­ter Mit­spie­ler und sicher­lich mal ein sepa­ra­tes Thema wert.

Jäger lag mir ein­fach, war damals mehr der Typ Solo-Spieler, es war kurz vor BC, da war eh alles leer. Rolf hat mich damals viel gezo­gen (wir haben Druide und Schurke zusam­men gele­velt) und ich hab ein­fach viel aus­pro­biert. Und anfangs ist der Jäger auch sehr leicht zu spie­len. Hatte also viel Zeit zu ler­nen und durch den Schur­ken habe ich auch ne Menge mit­ge­nom­men, ich mach zwar manch­mal wirk­lich blöde Feh­ler, aber diese meis­tens auch nur ein­mal. Also an Hin­ter­grund­wis­sen hatte ich bis vor ca. 2 Wochen vom Jäger nichts, war alles nach Gefühl.

Hexer war schon bis­sel anders, da habe ich die Wow-Foren ent­deckt und eine Menge gele­sen, aber das meiste lief auch hier noch nach Try&Error-Prinzip. Ich glaub, dass macht auch ein bis­sel was aus. Ich ver­lass mich eben nicht auf das, was gerade ange­sagt ist und was andere für gut hal­ten, wenn es heißt, man soll aus den Feu­er­säu­len raus lau­fen bin ich die erste, die drin steht um zu schauen, was dann pas­siert. Ansons­ten war das der Zeit­punkt, an dem ich die Mathe­ma­tik hin­ter WOW ken­nen­ge­lernt habe. Und wo ich mir im Vor­hin­ein Gedan­ken um meine Aus­rüs­tung und so gemacht habe, der Hexer war also bis­her der durch­dach­teste Cha­rak­ter.

Chris: Zur Mathe­ma­tik bei WoW im Hin­ter­grund. Für einige Spie­ler mag es span­nen­der sein, Zah­len­ta­bel­len auf­zu­stel­len, als das eigent­li­che Spiel zu genie­ßen. Ich selbst kann dem Zah­len­brei sogar auch noch was abge­win­nen. Wie sieht es bei dir aus? Not­wen­di­ges Übel oder eine Her­aus­for­de­rung abseits des eigent­lich Spiels?

Anna: Naja, mit Taschen­rech­ner hab ich hier noch nie geses­sen, obwohl ich der Mathe­ma­tik nicht abge­neigt bin und auch immer einen TR griff­be­reit habe, in letz­ter Zeit lese ich schon recht viel. Aber ich glaube ein­fach, wenn es heißt, beim Hexer ist Hit-Cap 203, das rechne ich nicht nach.

Es inter­es­siert mich auch nicht wirk­lich, wenn ich sol­che Pos­tings durch­schau, fil­ter ich. Ich suche nur die benö­tigte Infor­ma­tion, der Rest… naja… ne…

Auch ver­pul­ver ich recht viel Gold mit Sockeln und Ver­zau­be­run­gen um die rich­tige zu fin­den, anstatt es vor­her mal durch­zu­rech­nen.

Also das Grund­wis­sen habe ich, der Rest geht nach Glück und Latenz ;)

Chris: Gehen wir mal ein paar Schritte in die Ver­gan­gen­heit. Ist WoW dein ers­tes Spiel? Ich ver­mute mal nicht. Neu­lich mein­test du, dein Freund ver­zweifle bei einer Szene in God of War und du konn­test ihm leicht aus­hel­fen. Ich ver­mute da steckt mehr spie­le­ri­sche Ver­gan­gen­heit dahin­ter, als WoW?

Anna: Nein, WOW ist nicht mein ers­tes Spiel, das erste war King’s Quest oder so. Bei einer Freun­din am PC ihres Vaters, haben wir manch­mal stun­den lang gezockt, eine Art Adventure-Spiel. Dann hat mein Bru­der sich frü­her immer irgend­wo­her Spiele-Konsolen aus­ge­lie­hen, Nin­tendo und so, dar­auf haben wir auch ne Menge gespielt, dann ist der Sack zum Bund gegan­gen und ich habe sein Zim­mer und mei­nen eige­nen Pc bekom­men :D . Ich glaub, dass war da für ein 14-jähriges Mädel nicht üblich. Mein aller ers­tes Spiel, was ich wirk­lich bis zum Erbre­chen gespielt habe, war die “Das schwarze Auge” Trio­lo­gie (Rol­len­spiel), wovon ich aber nur Teil 2 und 3 spie­len konnte, 1 war ein­fach zu alt. War schon rich­tig geil. Würde sagen, das hat mich “geprägt”. Ansons­ten habe ich gesie­delt, geem­pi­ret, gekai­sert, gepiz­zat, gety­coont, gedun­geon­kee­pert…

Dann kam unsere kleine PS2 auf die Welt ;) Und dar­auf habe ich dann regel­mä­ßig mei­nen Freund und mei­nen Bru­der ver­kloppt (Tek­ken).

Irgend­wann wurde die alte Kiste (PC) geschrot­tet und ein neuer kam her. Und ein Zau­ber­wort: DSL. Und Guild Wars. Eigen­lob und so stinkt, aber bei dem Wet­ter stinkt ja eh jeder… In GW gehört ich schon zu den “bes­se­ren” Spie­lern, frag Rolf ;) Ich glaub, es lag bei mir am bes­se­ren Ver­ständ­nis und der Fähig­keit zum Mul­ti­tas­king. Hatte in unse­rer Gilde auch ne tolle “Offi”-Position, habe das GW-Äquivalent zu WoW-Raids gelei­tet, naja, dann ist alles ein bis­sel schief gelau­fen, paar Leute woll­ten sich halt von mir jun­gen Spund nix sagen las­sen, vor­al­lem da ich an ein paar Stüh­len gesägt habe, da mir das dicke Eier­ge­tue von ein paar Ego­lo­sen aufm Sack ging. Gebrann­tes Kind scheut das Feuer, also werd ich auch in Zukunft um Raid­lei­tun­gen und sowas einen Bogen machen.

Und dann kam WoW, nur die Test­ver­sion, nur mal aus­pro­bie­ren… und auf ein­mal waren da paar von den GW-Leuten dabei, irgend­wie alle, mit denen ich damals gut klar kam. Nun gut, nur Rolf und Theg­nar (der Schluchti-Priester von Tirion) sind dabei geblie­ben. Und da sich mein Freund gerade nach Ita­lien abge­setzt hatte, hatte ich auch viiiiiel Zeit.

All­ge­mein kann man wohl sagen, dass ich in Sachen Tech­nik eine natür­li­che Bega­bung mit­bringe und auch nicht gerade unge­schickt bin (meine gesamte Fami­lie besteht aus Hand­wer­kern); äußert sich zb. darin, dass mein Freund ver­zwei­felt, weil wäh­rend er noch die Beschrei­bung von einem Tech­ni­schen Spiel­zeug am aus­pa­cken ist, ich schon längst alle Knöpfe min­des­tes ein­mal gedrückt und alles nach mei­nen Wün­schen pro­gram­miert habe.

Chris: 10er oder 25er Raids und warum?

Anna: 10er, 1. schafft mein PC eher, 2. weni­ger Leute, es kommt mehr auf den Ein­zel­nen an, die Dep­pen­quote ist gerin­ger und man weiß sofort, wer den Mist gebaut hat, im 25 kön­nen sich zu viele Leute hin­ter ande­ren Ver­ste­cken.

Und es ist leich­ter 10 Gute zu fin­den als 25. Das die Raids dann zu leicht wer­den glaub ich nicht, 10 Man(n) sind unfle­xi­bler als 25, wenn das Setup nicht opti­mal ist (bei 25ern ist’s eh meis­tens gleich) muss man sich halt irgend­wie durch bei­ßen, aber dafür ist man dann auch ein­ge­spiel­ter, ich weiß zb. was der andere Hei­ler packt und was nicht, bei sie­ben ande­ren kann ich das ein­fach nicht über­bli­cken.

Chris: Team­speak, Ven­trilo, Voice-Chat. Mitt­ler­weile hat man sich dran gewöhnt, dass hin­ter den klei­nen weib­li­chen rosa Gno­men, plötz­lich die tiefste ver­rauchte Män­ner­stimme erscheint. Hat Voice-Chat die Wahr­neh­mung weib­li­cher Spie­ler ver­än­dert? Um hier gleich was dran­zu­hän­gen: gab oder gibt es auf­dring­li­che Text­mel­dun­gen frem­der Spie­ler, sobald sie mer­ken, da sitzt wohl kein Kerl hin­ter dem Bild­schirm?

Anna: Anfangs habe ich mir nie Gedan­ken über die Leute hin­ter dem Cha­rak­taer gemacht, sie waren mir mehr oder weni­ger egal, also war es dann auch keine Über­ra­schung, als sich hin­ter den meis­ten weib­li­chen Ava­t­aren Män­ner ver­bar­gen. Und dann hatte ich mich dran gewohnt.

Zum zwei­ten Teil: Ist dir schon mal auf­ge­fal­len, wie oft ich in frem­den Teamspeak´s1 oder Raids auch nur einen Piep sage? Genau. Nie.

Also gibts diese Text­mel­dun­gen auch nicht, aber ja, es gab sie. Es fing von ein­fa­chen “net­ten” Kom­men­ta­ren, dass sich jemand ein­fach nur gefreut hat, auch mal mit einem weib­li­chen Spie­ler zu spie­len bis zu ganz mie­sen plum­pen Sprü­chen. Was ein­fach des­we­gen ins Gewicht fällt, weil ich genau weiß, das sol­che Typen im “RL” nie das Maul auf­be­kom­men wür­den, aber durch die Anony­mi­tät des Inter­nets mei­nen sie, sich so ein Ver­hal­ten raus­neh­men zu kön­nen. Man fühlt sich als Frau (diese Erfah­rung tei­len auch andere) ein­fach irgendwo schutz­los. Klar, igno­rie­ren und gut, aber in dem jewei­li­gen Moment…

Da kom­men Kom­men­tare wie “Wow, ein weib­li­cher Tank… ich mag starke Frauen…” nur blöd. Und sol­che Sachen kamen recht oft. So war es frü­her zum Bespiel üblich, uns im Teamspeak[^1] mit Vor­na­men anzu­spre­chen, auch wenn Fremde dabei waren, irgend­wann hab ich die Leute dann gebe­ten, mich eben nicht mehr mit Vor­na­men anzu­spre­chen, was auch alle ver­ständ­niss­voll auf­ge­nom­men haben.

Ein wei­te­res Pro­blem ist der schon erwähnte “Titten-Bonus”, einer­seits ganz nett, auf der ande­ren Seite: man weiß nicht, ob man wegen sei­ner Leis­tung gewür­digt wird, oder nur, weil man eine Frau ist. Beson­ders da frü­her oder spä­ter die gan­zen Nei­der auf­tau­chen. Naja, es ist auch meis­tens auch ziem­lich läs­tig. Die meis­ten blei­ben an einem kle­ben, sind zwar nett dabei, aber sie ner­ven trotz­dem.

Chris: Ein dickes Danke für das Inter­view. :) Dies ist quasi eine weib­li­che, spie­le­ri­sche Bilderbuch-Kariere. King’s Quest? Es kann kein Zufall sein, gilt die­ses Spiel doch bis heute als eines der ers­ten und erfolg­rei­chen Spiele aus Frau­en­hand.


“By the by: There are games out there that reward strong social skills, with lots of coope­ra­tive ele­ments, and you can choose whe­ther to accept or reject slutty ste­reo­ty­pes. We call them MMOs.”#

Ich erin­nere mich noch an ganz frühe Foren­tref­fen, bei denen die Demo­gra­fie zu 120% aus Ker­len im Alter zwi­schen 15 und 35 bestand. Wenn da mal jemand ein weib­li­ches Wesen auf­tauchte, dann war das höchs­tens eine Ablen­kung für viele Anwe­sende. Heute sind wir zum Glück ein paar Jahre wei­ter und das Medium ent­deckt eine völ­lig neue Ziel­gruppe: den weib­li­chen Spie­ler mit Anspruch. Es reicht nicht mehr nur Reiter-Hof-Simlulationen in rosa Boxen zu packen. Auch weib­li­che Spie­ler wis­sen schon lange was gut für sie ist und was nicht. Das Thema steck den­noch in den Kin­der­schu­hen. Auf der Suche nach einem pas­sen­den Sym­bol­bild für den Ein­trag hab ich mal bei google nach female gaming gesucht und wurde erschla­gen mit den übli­chen Vor­ur­tei­len. Hier­bei ist die­ses Medium aber nicht allein. Jede ehe­ma­lige Män­nero­mäne tut sich schwer damit, das weib­li­che Geschlecht ange­mes­sen für sich zu prä­sen­tie­ren. Ver­dammte Doppel-Moral.


  1. Team­speak ist eine sepa­rate Appli­ka­tion zum Voice-Chat und für Online-Spiele opti­miert. 

  • #1
  • Do, 31. Juli 2008
  • Talarion schrieb:

Also bei mir im Raid befin­den sich bestä­tigte 7 weib­li­che Spie­ler, die regel­mä­ßig auf hohem Niveau mitrai­den. ;) Und mir per­söhn­lich isses egal, ob das nun ne Frau oder ein Mann ist. Der Effekt ” Wow, das ist ja ne Frau die da gut spielt ” gibts bei mir schon lange nicht mehr. So lange der­je­nige die an ihn gestell­ten Erwar­tun­gen erfüllt isses ja egal.

Ansons­ten halte ich es was die Mathe­ma­tik angeht unge­fähr wie die dort inter­viewte Dame. Irgend­wel­che Tabel­len, wel­che das opti­male Ver­hält­niss von Int zu Wil­lens­kraft beschrei­ben, sind sehr nett. Im End­ef­fekt aber mei­ner Mei­nung nach schö­nes Bei­werk für die Maxi­mi­zer unter uns.

Wobei man vor­sich­tig sein sollte. Ich habe eine Reihe von Tanks gese­hen, denen offen­bar nicht klar war wel­che Ver­tei­dungs­wer­tung sie errei­chen müs­sen, um crit-Immun zu wer­den. Wenn es an sol­chen Grund­sätz­lich­kei­ten hapert, sollte man viel­leicht mit lvl 40 einen Test schrei­ben müs­sen scherz Was mich daran erin­nert, dass ich durch­rech­nen wollte ob der Stab von Archi­monde nun bes­ser ist als der aus den Fds… hust das habe ich jetzt nicht gesagt. Bitte wei­ter­le­sen, nicht ste­hen­blei­ben.

Also bei mir im Raid befin­den sich bestä­tigte 7 weib­li­che Spie­ler, die regel­mä­ßig auf hohem Niveau mitrai­den. ;) Und mir per­söhn­lich isses egal, ob das nun ne Frau oder ein Mann ist. Der Effekt ” Wow, das ist ja ne Frau die da gut spielt ” gibts bei mir schon lange nicht mehr. So lange der­je­nige die an ihn gestell­ten Erwar­tun­gen erfüllt isses ja egal.

Rich­tig und auch bei mir seit Jah­ren so eta­bliert, den­noch gibt es schlicht diese Vor­teile, dass Frauen es spie­le­risch “nicht brin­gen”. Der Schlüssel-Moment für die­sen Ein­trag stammt aus Team Fort­ress und ist wenige Tage her. Ein Sni­per hat mein Team deklas­siert. Als die Teams neu gemischt wur­den, stelle sich her­aus, die­ser Sni­per war nicht der typi­sche TF2-Spieler son­dern weib­lich. Anschlie­ßend ging ein Voice-Chat los, der dafür sorgte, dass nicht nur ich, den Ser­ver ver­ließ.

Klar ist auch, dass es jene Spie­le­rin­nen gibt, die nur basie­rend auf ihrem Geschlecht, bevor­zugt behan­delt wer­den wol­len und auch das geschieht. Es gibt schon jetzt legen­däre Gil­den­dra­men, die nur dar­auf basie­ren.

Und lass mich raten, eure 7er Frauen-Quote spielt geschlos­sen Female-Night-Elf-Priest? ;)

  • #3
  • Do, 31. Juli 2008
  • Søren schrieb:

Sehr schö­ner Bei­trag. Mei­ner Erfah­rung nach sind weib­li­che Mit­spie­ler immer eine abso­lute Berei­che­rung. Bei mir war’s damals sogar meine Freun­din, die mich aus EVE Online zu WoW kon­ver­tiert hat, nach­dem ich sie in mei­nen alten gaming clan (AQ, Pla­ne­ta­rion, EVE, WoW, XBOX Live) hin­ein­ge­schubst hatte.. wir haben dann ca. 2 Jahre zusam­men gespielt und gerai­det. Gene­rell besteht die Gilde eh aus vie­len Paa­ren und hat auch sonst einen hohen Anteil weib­li­cher Mit­glie­der.

Meine Freun­din ist mitt­ler­weile futsch, aber WoW spiele ich immer noch ab und an, mit WotLK sicher wie­der mehr. Da wird der Pala­din ent­mot­tet wer­den und der Fur­or­krie­ger zurück in den Schrank geschickt.

Was bei unse­ren “Mädels” nicht so im Vor­der­grund steht wie bei den “Jungs” ist das theo­rycraf­ting und num­ber­crun­ching, wie es so schön heißt. Scheint wohl eine eher männ­li­che Domäne zu sein, ich per­sön­lich habe auch einen Hei­den­spaß daran, mir für ver­schie­dene Situa­tio­nen Wunsch­sets zusam­men­zu­stel­len, bei Eli­tist Jerks auf dem neu­es­ten Stand zu blei­ben, und und und.

Bleibt noch zu sagen, dass meine weib­li­chen Gil­den­kol­le­gen auch ohne MinMaxing-Tabellen ver­dammt gute Spie­ler sind. Weib­li­che Über­le­gen­heit? ;)

  • #4
  • Do, 31. Juli 2008
  • Kiseran schrieb:

Mein Raid besteht zu guten 30% aus Frauen und mit Wrath wird die­ser Anteil wohl noch wei­ter wach­sen. Und das sind bei wei­tem nicht nur female NE priests son­dern gute DDs und der beste Tank, den ich von MC bis Sun­well je gese­hen hab. Die typi­schen “Tittenbonus-Weiber” gibts natür­lich auch (wenn auch nicht in mei­nem Raid), aller­dings glaube ich nicht dass Skill­mä­ßig ein gro­ßer Unter­schied zwi­schen Män­nern und Frauen ist. Der Unter­schied dürfte nur sein dass schlechte Kerls ein­fach nix errei­chen, wäh­rend schlechte Frauen manch­mal dank Tit­ten­bo­nus trotz­dem wei­ter­kom­men. Dass Hexer/Jäger zu den kom­ple­xe­ren Klas­sen gehö­ren halte ich aber für ne etwas gewagte Aus­sage ;) Def­krie­ger, Tank­druide, Hei­lig­pries­ter.. alle weit anspruchs­vol­ler mei­ner Mei­nung nach. Ich hab zwei DDs, einen Tank und einen Hei­ler auf 70 und DDs kamen mir prin­zi­pi­ell immer weit weni­ger kom­pli­ziert vor als Tanks oder Hei­ler. Schau in Forum x nach, was deine Dmg-Rotation ist und get out of the fire, mehr ists nicht.

Webmaster

DPS-Klasse ist nicht gleich DPS-Klasse. 90% aller Jäger und Hexer sind schlicht unbrauch­bar. Sind 90% aller Tanks, Hei­ler so schlecht? Nein. Kom­ple­xi­tät ist viel­leicht der fal­sche Begriff. Ich ändere die­sen hier­mit in Zugäng­lich­keit.

DPS-Klassen bekom­men kein Feed­back über ihre Leis­tung. Hei­ler und Tanks dage­gen sofort. Wenn ein Tank was falsch macht, hat er keine Aggro und merkt sei­nen Feh­ler sofort. Glei­ches gilt für Hei­ler. Wenn sein Ziel abnip­pelt, hat er einen Feh­ler gemacht. DPS-Klassen haben in WoW kei­nen Anzei­ger für ihre Feh­ler (abge­se­hen von Aggro). Wenn man im Enrage-Timer wiped, dann eben weil die DPS unwis­send ist, wie ihre Klasse funk­tio­niert.

Ist es ihr Feh­ler? Nein, das ist der Feh­ler Bliz­zards, Klas­sen nicht trans­pa­rent zu gestal­ten. Jäger und Hexer seien hier als Bei­spiel erwähnt. Meine aktu­elle Klasse jedoch, ist der Gip­fel die­ses Pro­blems. Um zu wis­sen wel­che Items für mich Upgrades sind, brau­che ich ein Addon und ein exter­nes Tool, was in hun­der­ten Stun­den von vie­len Spie­lern erstellt wurde, nur um gezeigt zu bekom­men, wel­ches Item bes­ser für mei­nen Shaman ist. Das Spiel selbst ist dazu nicht fähig, weil die Mecha­nis­men der Klas­sen gegen die Ite­mi­sa­tion arbei­ten.

Sicher­lich ist es beim Jäger “nur” ein Rotations-Makro zu fin­den und zu nut­zen, aber es ist ein end­los lan­ger Weg, bis zur Ein­sicht, dass man wirk­lich solch ein Makro benö­tigt, um die Klasse effek­tiv zu spie­len.

  • #6
  • Do, 31. Juli 2008
  • Søren schrieb:

Wie­der mehr onTo­pic: mir fiel grad der alte Multiplayer-Witz ein..

MMORPG – Many Men Online Role­play­ing Girls

Stimmt immer noch häu­fig, aber immer­hin gibts mitt­ler­weile auch den ande­ren Fall nicht mehr so sel­ten.

  • #7
  • Fr, 01. August 2008
  • Talarion schrieb:
Und lass mich raten, eure 7er Frauen-Quote spielt geschlos­sen Female-Night-Elf-Priest? ;)

Nein , lei­der falsch gera­ten , wenn auch nicht kom­plett ;) Also Nach­tel­fen sind schon­mal die meis­ten bei uns. 2 mal Nacht­elf ‚Priester(Heiler) ( rich­tig ;) ) 1 mal Nacht­elf, Priester(Schattenpriester) 1 mal Nacht­elf , Druide (Hei­ler) 2 Gnome, Hexer 1 Gnom Magier

Mein Ein­druck ist, dass sehr viele Frauen Gnome spie­len. Zumin­dest da bestä­tigt sich ein Vor­ur­teil ” Die sind ja soooooooo süß” ( nein, und man sicht auch nix was um einen herum vor­geht ;) )

  • #8
  • Fr, 01. August 2008
  • Talarion schrieb:

Nach­trag ;)

Ach ja, und was das Feed­back von DPS Klas­sen angeht.

Zum einen fin­det so ein Feed­back sehr wohl statt. Nur zu einem viel zu spä­ten Zeit­punkt. Wenn du dir Tools wie WWS ansiehst, so lässt sich dar­über wenn man die ent­spre­chende Fach­kennt­nis des Ana­ly­sie­ren­den vor­raus­se­tezt sehr wohl ein Feed­back geben. Die­ses Feed­back kann von ” streng dich mehr an ” bis zu ” du bist zu schlecht für den Raid ” lau­ten.

Was denke ich fehlt ist eine Art Ver­gleich­sys­tem für die Spie­ler. Eine Art inti­grier­tes Recap mit Historyfunktion.Dies kann auch nur auch für den Spie­ler selbst zugäng­lich sein. Auf­ge­lis­tet wer­den könn­ten z.b alle Instanz­gänge des Spie­lers. Wenn man jetzt noch eine Art inter­nes Rating­Sys­tem für die Aus­rüs­tung ein­führt, kann ich mich mit dem ande­ren Spie­ler ver­glei­chen und kann auf­grund des Ratings beur­tei­len, wie gut mein DMG an sich im Ver­gleich zu ande­ren ist.

Eine andere Mög­lich­keit, DD´s etwas mehr zu for­dern wären mehr Bosse, oder Encoun­ter, wel­che auf die Art des Angriffs rea­gie­ren. Neh­men wir zum Bei­spiel den ers­ten Boss in der Fes­tung der Stürme. Die­ser cas­tet rela­tiv stu­pide in kur­zen Abstän­den ein reflek­tie­ren­des Schild auf sich,welches abwech­selnd nah und Magie­scha­den auf den Angrei­fer zurück­schleu­dert. Da ist ziem­lich schnell ersicht­lich, ob ein DD Mist baut oder nicht. Wenn man einen fixen Hei­ler hat (leider/ zum Glück ) lei­der auch wie­der nicht in jedem Fall.

Man wird sich immer schwer tun in sol­chen Fäl­len ohne Aus­sa­ge­kräf­ti­ges Log­file den Schul­di­gen zu fin­den . Das sind lei­der in noch zu vie­len Fäl­len der Hei­ler oder Tank. Denn wer gibt schon gern einen Feh­ler zu, wenn es eh schwer ersicht­lich ist , dass man ihn ( der DD ) began­gen hat.

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Zum einen fin­det so ein Feed­back sehr wohl statt. Nur zu einem viel zu spä­ten Zeit­punkt. Wenn du dir Tools wie WWS ansiehst, so lässt sich dar­über wenn man die ent­spre­chende Fach­kennt­nis des Ana­ly­sie­ren­den vor­raus­se­tezt sehr wohl ein Feed­back geben.

Wenn man an dem Punkt ist, wo man externe Appli­ka­tio­nen als Ele­ment des Spiels akzep­tiert, dann hat das Spiel schon ver­sagt. Wir spre­chen hier nicht über mikro­sko­pi­sche Anfor­de­run­gen an Klas­sen. Ich rede über rudi­men­täre Grund­la­gen, die Tanks und Hei­ler erhal­ten haben, wenn sie Level 70 sind. DPS-Klassen dage­gen ste­hen völ­lig im Regen.

Analyse-Tools ins Spiel zu inte­grie­ren ist genau der fal­sche Weg. Nie­mand möchte Tabel­len any­li­se­ren, wenn er dabei ist einen vir­tu­el­len Dra­chen zu besie­gen. Kein Spie­ler möchte Mathematik-Hausaufgaben machen und dafür monat­li­che Gebüh­ren zah­len. Es geht darum, DPS-Klassen im Stil von WoW voll­kom­men zu über­den­ken, was Gruppendynamik/-leistung betrifft. Es gilt den Spie­lern einen Grad­mes­ser zu geben, der ohne Excel-Spreadsheets funk­tio­niert. Zah­len sind not­wen­di­ges Übel und ein not­wen­di­ges Übel ist immer ein Zei­chen für fla­wed game design.

  • #10
  • Mo, 04. August 2008
  • Kiseran schrieb:

Feh­len­des Feed­back, mit dem Begriff kann ich wohl leben :) Ein ein­ge­bau­tes Recap und zusätz­lich ein etwas ange­ho­be­ner Schwie­rig­keits­grad für DDs wären denke ich nötig, zb dadurch dass maxi­ma­ler Scha­den nur durch in bestimm­ter Rei­hen­folge kom­bi­nierte Spells ange­rich­tet wer­den kann, mit wech­seln­der Rei­hen­folge damit sinn­lose Makros nicht mehr mög­lich sind.

Bliz­zard scheint aber lei­der eher den Weg in die ent­ge­gen­ge­setzte Rich­tung genom­men zu haben, die Beta­ta­lente schei­nen eher drauf aus­ge­legt das spie­len für Tanks und Hei­ler leich­ter zu machen statt für DDs schwe­rer.

Das rudi­men­täre Omen an dem grad in der Beta gebas­telt wird schaut schon­mal inter­es­sant aus, viel­leicht gibts ja irgend­wann wenigs­tens auch ein Recount. Wobei sowas feh­ler­frei zu lesen auch schon ne Wis­sen­schaft für sich ist, nicht immer ist der der ganz oben steht auch der beste Spie­ler.

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