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Die Olsenbande

Die Olsenbande

Einer die­ser Ein­träge, der lächer­lich wenige Leser fin­den wird, mir jedoch unglaub­lich wert­voll ist. Im MDR-Fernsehen läuft wie­der jeden Sonn­tag pünkt­lich um 11 Uhr vor­mit­tags, eine kleine Film-Reihe Namens Die Olsen­bande. Mit die­sen Fil­men bin ich damals auf­ge­wach­sen. Jedes Jahr zur Weih­nachts­zeit, durfte man sich an die­sen Klas­si­kern erfreuen. Wenn ich die Filme mitt­ler­weile sehe, fällt es nicht schwer zu ver­ste­hen, wieso diese Serie zeit­los gut ist.

“Es ist was faul im Staate Däne­mark.”

Diese Film­se­rie kommt und spielt im guten alten Staate Däne­mark. Die Olsen­bande würde heute sicher­lich ganz hipp als Crime-Comedy bezeich­net wer­den. Es ist eine Komö­die im ganz alten Stil. Die Olsen­bande sind drei Klein­kri­mi­nelle, die sich in jedem Teil der Serie, erneut am gro­ßen Coup ver­su­chen und daran schei­tern. Anfüh­rer der Bande ist Egon Olsen, der Archi­tekt hin­tern allen Machen­schaf­ten. Seine zwei Hand­lan­ger hei­ßen Benny Frand­sen und Kjeld Jen­sen. Benny ist der ewige kleine Junge, gefan­gen im Kör­per eines Erwach­se­nen, zustän­dig für alles was einen Motor hat und wenn es um ver­schlos­sene Türen geht. Kjelt ist der über­ge­wich­tige, ängst­li­che Toll­patsch mit Fami­lie, der Schmiere ste­hen muss und immer alle nöti­gen Werk­zeuge bei Hand hat.

Wei­tere Cha­rak­ter wären noch ein völ­lig über­for­der­ter Polizei-Inspektor Mor­ten­son, der immer einen Schritt zu lang­sam unter­wegs ist, Ivonne Jen­sen, Kjelt’s Ehe­frau sowie Børge, Kjelt’s Sohn. Oft mit dabei ist auch Dynamit-Harry, Spreng­meis­ter, Berufstrin­ker mit Arbeits­all­er­gie und Bru­der von Benny. Als einer der weni­gen Wider­sa­cher immer wie­der in ver­schie­de­nen Fol­gen zu sehen: “das dumme Schwein”. Ein namen­lo­ser Wär­ter in jenem Ort, der von unse­ren Haupt­ak­teu­ren als Ziel aus­ge­wählt wird.

Ganz im Stile alter Comics, funk­tio­nie­ren diese Figu­ren schon nur durch ihre Sil­hou­ette. Von Links nach Rechts: Kjelt, Benny und Egon.

Illustration Olsenbande

Das Kon­zept der Filme ändert sich sel­ten. Die Filme begin­nen damit, dass Egon aus dem Knast kommt und dort von Benny und Kjelt abge­holt wird. Sie trin­ken in der Woh­nung der Fami­lie Jen­sen ihr Bier­chen und Egon zau­bert einen Plan aus dem Ärmel, der mit wenig Auf­wand zu den Mil­lio­nen füh­ren soll. Bei der Aus­übung geht immer etwas schief, Egon wird dabei gefasst, lan­det wie­der im Gefäng­nis und das Ganze beginnt von vorn. Ganz ein­fach.

Um die Komik der Serie kurz zu ver­an­schau­li­chen. Einer der bes­ten Teile lau­tet “Die Olsen­bande stellt die Wei­chen”. In die­ser Folge geht es darum, einen Wagon vol­ler Gold­bar­ren zu steh­len. Als der Wagon schließ­lich nach auf­wen­digs­ter Vor­ar­beit, auf ein totes Gleis geschafft ist, geht es darum die Bar­ren auf einen LKW umzu­la­den. Die­ser LKW wurde zuvor von Benny beschafft und war­tet schon auf seine Bela­dung. Das erste Bild was wir sehen, deu­tet die kom­me­nen Bil­der schon an. Benny und Kjelt wuch­ten schließ­lich jam­mernd und stöh­nend die schwe­ren Kis­ten auf die Lade­flä­che des LKWs. Plötz­lich muss es schnell gehen, denn die Poli­zei erscheint. Als Kjelt schließ­lich über­has­tet auf den LKW auf­springt, bricht die­ser unter der Last der Gold­bar­ren und unse­res dicken Dar­stel­lers zusam­men. Was folgt ist die Flucht zu Fuß ohne Beute. Diese Szene ist so popu­lär, dass es davon sogar eine Ver­sion bei YouTube gibt:

Syn­chro­ni­sa­tion

Was die Serie so zeit­los gut macht sind ihre Cha­rak­ter, die wun­der­schön unschul­dige Komik und die Details bei der Aus­übung ihrer Taten. Was McGy­ver erst viel spä­ter ins TV brachte, gab es hier schon viel frü­her zu sehen. Hier wer­den Sicher­heits­an­la­gen noch mit Zahn­sto­chern und Spiel­zeu­gen aus­ge­he­belt. Jeder Film kommt völ­lig ohne Gewalt aus. Es gibt nicht einen Toten oder Ver­letz­ten in 14 Fol­gen und den­noch ist es nicht lang­wei­lig.

Die Filme bewah­ren ihre Unschuld und stam­men aus einer Zeit, in der das Leben noch unbe­schwer­ter war. Genau die­ser Aspekt und die per­fekte Syn­chro­ni­sa­tion machen den Reiz und den Wert der Serie aus. Im doch sehr lesens­wer­ten Wikipedia-Eintrag sind dazu fol­gende Zei­len zu fin­den:

In Däne­mark und in Ost­deutsch­land gel­ten die Olsen­ban­den­filme als Kult. Ihr Erfolgs­ge­heim­nis in die­sen Län­dern ist dabei noch immer nicht ganz geklärt. In der DDR war es neben der all­ge­mei­nen Begeis­te­rung für west­li­che Filme mög­li­cher­weise die Tat­sa­che, dass die Olsen­bande es mit sim­pels­ten Mit­teln wagte, es mit den Mäch­ti­gen auf­zu­neh­men, dabei fast immer zum Schei­tern ver­ur­teilt war, aber den­noch nie auf­gab. Hier konnte sich viel­leicht der durch­schnitt­li­che DDR-Bürger wie­der­fin­den.

Was für ein Schwach­sinn. Diese Filme sind des­halb so erfolg­reich, weil sie ein­fach gut sind. Es gibt kei­nen lächer­li­chen Sub­text. Es sind seichte, hand­werk­lich per­fekte Komö­dien. Schaut man sich so an, was zu der Zeit an wah­rem Schrott im Wes­ten der Repu­blik so pro­du­ziert wurde (dut­zende Klaumauk und Musik-Filme, mit unter­ir­di­schen Dia­lo­gen), dann braucht man nicht nach dem “Geheim­nis” der Olsen­bande zu suchen. Zu ihrer Zeit, gab es kaum wirk­li­che Kömo­dien mit Anspruch, die ein deut­sches Publi­kum anspra­chen. Auch wenn diese Serie aus däni­scher Hand kommt, so ist sie doch irgend­wie sehr deutsch gewor­den. Das ZDF hat in den 90er ver­sucht, diese Serie neu zu syn­chro­ni­sie­ren. Das Ergeb­nis? Grau­sam.

„lau­sige Ama­teure, elende Sozi­al­de­mo­kra­ten, Ruß­fur­zer, unta­len­tierte Käse­ka­cker, Hän­ge­oh­ren, stroh­dumme Holz­köpfe, Knall­tüte, Schwach­köpfe und Mol­lus­ken, Schlaf­mütze, Sand­ho­cker, feige Hunde, Fett­wänste, Schlapp­schwänze, erbärm­li­che Pie­se­pam­pel, geld­gie­rige Gewit­ter­hexe, Schei­ße­tre­ter, Sauf­haus, Fieps­kö­ter, Knall­horn“

Die Stär­ken der Serie sind deut­sche Über­set­zung und die Spre­cher­stim­men. Ich möchte hier jetzt kein “frü­her war alles bes­ser” brin­gen, aber Fakt ist, dass diese Serie in einer Zeit ent­stand, als man sich noch Mühe gab, aus­län­di­sche Filme ein­zu­deut­schen. Sämt­li­che Dia­loge sind makel­los über­setzt und eingspro­chen. Bis auf ein paar Aus­nah­men (in 14 Fil­men wech­sel­ten einige Cha­rak­tere die Stim­men) fin­den wir hier viel­leicht einen der weni­gen Glanz­punkte der deut­schen Syn­chro. Ein High­light in jedem Film? Immer geht etwa schief. Was folgt ist der ver­bale Angriff Egons auf seine zwei Hand­lan­ger und zwar in sprach­lich beein­dru­cken­der Varia­tion und nie­mals unter die Gür­tel­li­nie. Nied­li­che Beschimp­fun­gen trifft es ganz gut. Sprach­lich fin­den wir hier auch immer wie längst aus­ge­stor­bene Rede­wen­dun­gen wie “Das fetzt ein!”.

“Das fetzt ein!”

Jeder der die Chance hat, einen der frü­hen Teile der Serie zu sehen, sollte sie nut­zen. Es ist ein Relikt aus einer ver­gan­ge­nen Zeit, als Filme noch Seele, Komö­dien noch Hand­lung und deut­sche Syn­chro­ni­sa­tion noch Niveau hat­ten. Für mich sind es auch immer wie­der kleine Rei­sen zurück in die Kind­heit, als drau­ßen der Schnell lag, es drin­nen nach Weih­nach­ten roch und im RFT-Fernsehgerät Die Olsen­bande für die Fami­li­en­un­ter­hal­tung sorgte.

Der Kult die­ser Serie begrün­det sich ein­fach auf der Tat­sa­che, dass wenige die Filme gese­hen haben, diese weni­gen jedoch bis heute ihren wah­ren Wert ken­nen. Selbst auf heu­ti­gen Rating-Seiten wie IMDB oder Rot­ten Toma­toes, genie­ßen diese Filme einen aus­ge­zeich­ne­ten Ruf. Es ist ein­fach wun­der­ba­res Film­hand­werk, wel­ches ich mit die­sem Ein­trag jeden ans Herz legen möchte.

PS. Hätte gern mehr Bild­ma­te­rial für den Ein­trag ver­wen­det, nur waren mir die bis­he­ri­gen Samm­ler­bo­xen doch immer einen Hauch zu teuer. Mitt­ler­weile gibt es eine dritte Ver­sion die­ser Box, die aktu­ell bei Ama­zon für knapp 140,- Euro zu haben ist.

[…] auch nicht, ist aber > für das Urteil ja auch unwich­tig, genauso wie die (für die­ses > Urteil!) “unwich­tige” Szene mit dem ande­ren Demons­tran­ten. Eben nicht! Diese Szene bewies ja gerade die Not­wehr des […]

[…] Die Olsen­bande Die Filme begin­nen damit, dass Egon aus dem Knast kommt und dort von Benny und Kjelt abge­holt wird. Sie trin­ken in der Woh­nung der Fami­lie Jen­sen ihr Bier­chen und Egon zau­bert einen Plan aus dem Ärmel, der mit wenig Auf­wand zu den … […]

feeeeeeeeeetzt. wei­ter­ma­chen.

  • #4
  • Mo, 01. Februar 2010
  • martin_bz schrieb:

Dein Arti­kel fasst es zusam­men.

Die Olsen­bande ist ganz gro­ßes Kino. Die däni­sche wie deut­sche Fas­sung der DEFA Aus­füh­rung über­zeuge, die Filme sind zeit- und gewalt­los und eben für die ganze Fami­lie.

Wer die Olsen­bande nicht mag hat wirk­lich kei­nen Schim­mer Film­ge­schmack.

Danke für die­sen Bei­trag. Zu Wiki­pe­dia kann man wirk­lich nur sagen: ent­täu­schend wie eh und je.

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safari bug

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