09
02

Niveau runter, Klicks rauf

Niveau runter, Klicks rauf

Die Online­aus­gabe der Zeit hat am Wochen­ende mit einem Arti­kel über­rascht. Die Über­schrift im RSS-Reader, war eine völ­lig andere, als die eigent­li­che Über­schrift der Seite. Was sich erst wie ein Feh­ler laß, ent­puppte sich als sehr kle­ve­rer Schach­zug, per­fekt zum Thema insze­niert. Es geht also um die Frage, wie weit darf die Finan­zie­rung eines Medi­ums die Inhalte bestim­men, oder so zumin­dest meine Essenz des Arti­kels.

Bemän­gelt wird, dass auch ehe­mals seriöse Mas­sen­me­dien, ihren jour­na­lis­ti­schen Ethos opfern, um mehr Klicks zu bekom­men und vor der Kon­kur­renz, die so wert­volle Wer­bung schal­ten zu kön­nen. Einen ziem­lich ver­zwei­fel­ten Kampf um jeden Klick, scheint auch zoomer.de zu füh­ren, dass per Javaskript Anker-Links zum kom­plet­ten Neu­la­den der Seite erzwin­gen lässt. Sicher­lich nur die Spitze des Eis­ber­ges, wenn es um nega­tive Klick-Optimierung geht, aber hier soll es um die inhalt­li­che Klick­op­ti­mie­rung gehen.

Zum einen ver­stehe ich als das Thema eini­ger­ma­ßen, wel­chen Wert Wer­bung und Maus­klicks momen­tan besit­zen. Auf der ande­ren Seite ist ein rei­ner Fokus auf Klicks viel zu kurz­sich­tig. Das bis­he­rige Klick-System ist - da wol­len wir nie­man­den etwas vor machen - eine große Illu­sion, die auch irgend­wann trans­pa­rent wird. Klicks sind das bis­her ein­zige Mit­tel um Wer­ben­den den eige­nen Wert und somit eine Plat­zie­rung von Anzei­gen attrak­tiv zu machen.

Zuge­ge­ben ein Arti­kel mit einer Bikini-tragenden Schön­heit wird rela­tiv klar mehr Klicks fin­den, als ein ellen­lan­ger Text zur Poli­tik. Ein­zig die Macher dafür zu ver­ant­wor­ten ist jedoch viel zu ein­fach. Ich für mei­nen Fall sehe eher das Pro­blem auf Sei­ten der Wer­ben­den, denn ob ich mein Pro­dukt neben einem Arti­kel über Paris Hil­ton, oder Angela Mer­ken pla­ziert sehen möchte, ver­än­dert schon die zu bewer­bende Marke.

Geht das Niveau bei Klick-Raten run­ter und bei wer­be­freien Sei­ten hoch? Zumin­des­tens der umge­kehrte Trend ist nicht erkenn­bar. Sicher­lich bestände eine heile Welt aus völ­lig wer­be­freie seriö­sen Online­auf­trit­ten, dann aber auch mit Auto­ren, die für die Freude an der Arbeit ihre Stun­den run­ter­reis­sen ohne dafür bezahlt wer­den zu wol­len.

Die Wer­bung ist hier zur Hand­lung auf­ge­ru­fen, end­lich mal tie­fer in die For­schung von Online-Werbung zu finan­zie­ren, um dann even­tu­ell zu sehen, dass 10.000 Leser der Gruppe A, viel wert­vol­ler sein kön­nen als 100.000.000 Leser der Gruppe B. Wenn wir im Stande sind so detailiert zu ana­ly­sie­ren, dann brau­chen wir auch keine sub­stanz­lo­sen Klatsch-Artikel zum Schön­heits­ge­heim­nis irgend­ei­nes C-Promis mehr fürch­ten.

Kommentar schreiben
safari bug

Vorschau:

HTML ist in Kommentaren zugelassen. Erlaubt sind die HTML-Tags:
<a href>, <i>, <p>, <strong>, <em>, <ul>, <ol>, <li>, <blockquote>.
Alle themenfremden oder persönlichkeistverletzenden Beiträge werden gelöscht, also immer schön sachlich argumentieren.

schrieb: