17
05

Portal - spielerische Reinheit

Por­tal is ein wirk­lich in jeder Bezie­hung ande­rer Titel, der sowohl bei Kri­ti­kern als auch Spie­lern Lob ern­ten konnte. Ich habe Por­tal als Teil der Orange Box gekauft. Zwar kann ich nicht sagen das Por­tal der beste Inhalt der Box ist, aber es bie­tet die viel­leicht bes­ten weni­gen aber dafür umso unter­halt­sa­me­ren Spiel­stun­den. Por­tal ist ein Puzzle-Game ver­steckt in der 3D-Source-Engine und einem Look&Feel, der beson­ders an die­ses legen­däre Björk-Video erin­nert. Der Spie­ler schlüpft in die Rolle der Prot­ago­nis­tin, die in einer engen Zelle erwacht und als Teil eines Expe­ri­ments im Stil des Films Cube, Tests beste­hen muss, um ihrem Gefäng­nis zu ent­kom­men. Diese Tests sind die jewei­li­gen Kam­mer bzw. Level des Spiels. Für den wei­te­ren Ver­lauf des Tex­tes gibt es den ein oder ande­ren Spoi­ler.

Kern aller Portal-Puzzles ist die dem Spiel namen­ge­bende Portal-Gun, die dem Spie­ler ermög­licht Por­tale zu erschaf­fen um von einem Ort des Rau­mes in einen ande­ren zu gelan­gen. Klingt ein­fach, ist es zum Beginn auch. Por­tal ist ein abso­lu­tes Designer-Spiel im Sinne des Begriffs Game-Design. Dem Spiel gelingt es per­fekt, die Regeln lang­sam zu erklä­ren, ohne direkt und schnell Druck auf den Spie­ler aus­zu­üben. Wer viel­leicht noch den ers­ten Tea­ser in Erin­ne­rung hat, der wird im fina­len Pro­dukt viel­leicht ent­täuscht wer­den, da man allzu abs­trakte und somit for­dernde Puz­zles und Geschick­lich­keits­test ent­fernt hat und Por­tal so her­lich locker und zugäng­lich gewor­den ist.

Beim ers­ten Durch­spie­len hatte ich im 18ten der 19 Räume ein Tief. Bis dato übt das Spiel sogut wie kei­nen Hauch von zeit­li­chem Druck auf den Spie­ler aus. Kam­mer 18 und 19 jedoch zie­hen dann spür­bar an und war­ten mit zum Teil zu akro­ba­ti­schen Ein­la­gen auf und schie­ben Por­tal so deut­lich in die Nische der hek­ti­schen FPS-Shooter-Kost, auch wenn im gan­zen Spiel nicht ein Schuss fällt. Kam­mer 19 war dann auch die ein­zige Stelle im Spiel, wo ich wirk­lich den wei­te­ren Weg nicht mehr gefun­den habe. Das Spiel fällt an die­ser Stelle optisch zurück auf seine Half-Life 2 Wur­zeln und der kla­ren Optik wei­chen im Schat­ten lie­gende ros­tige Pfade, die erst­mal gese­hen wer­den möchte.

Prä­sen­ta­tion und Game Design

Optik und Sound sind nur die Sahne auf dem Kuchen. Kuchen spielt übri­gens am Ende des Spiels eine wich­tige Rolle, genauso wie es die Prä­sen­ta­tion schafft, einen sim­plen Wür­fel ech­ten Cha­rak­ter zu geben. Optisch domi­niert eine per­fekt insze­nierte Ste­ri­li­tät, die von der Off-Sprecherin (im eng­li­schen Ori­gi­nal) pas­send unter­stri­chen wird. Beson­ders zum Ende des Spiels kommt die­ser Spre­che­rin eine beson­dere Rolle zu. Ins­ge­samt ist die Prä­sen­ta­tion beson­ders sti­lis­tisch sehr gelun­gen. Spä­tes­tens wenn der Boss besiegt ist und das Outro samt gesun­ge­nem Lied auf dem Screen flim­mert, merkt man recht schnell, das Por­tal etwas beson­de­res gewor­den ist. Por­tal besitzt Charme und Rein­heit, etwas was wirk­lich sehr sel­ten gewor­den ist, wo Millionen-Budgets von Video­spie­len gene­ri­sche Dut­zend­ware pro­du­ziert.

Screenshot Portal

Am Ende des Spiels geht es dann außer­halb der Test-Kammern wei­ter.

Por­tal ist im bes­ten Sinne des Begriffs ein Casual Game. Auch wer nichts mit die­ser Art Spiel anfan­gen kann, dem sei Por­tal sehr emp­foh­len. Por­tal ver­mei­det ganz bewusst zu anspruchs­voll zu wer­den, was das erste Durch­spie­len betrifft. Es lässt erah­nen, dass die Macher noch unver­braucht und unver­saut vom Busi­ness sind.

Die­ses Spiel beweist auch end­lich seit lan­gem mal wie­der, dass gute Spiele immer noch aus nur einer ganz sim­plen Idee beste­hen und den­noch unglaub­lich viel Spaß berei­ten kön­nen, wenn man die eine Idee nur gekonnt genug aus­nutzt. Por­tal ist spie­le­ri­scher Mini­ma­lis­mus in sei­ner bes­ten Form. Por­tal ist ein Sandbox-Game ohne jemals das Kon­zept ins Auge gefasst zu haben. Die Gund­idee bringt es mit sich. Das letzte mal, dass ich sowas ähnli­ches gespielt habe, war Can­non Fod­der, mit dem Por­tal erstaun­lich viele Gemein­sam­kei­ten ver­bin­det, nicht nur einen Ohr­wurm als Titel-Song. Por­tal erlaubt beson­ders in den spä­te­ren Leveln meh­rere Lösun­gen. Nach dem ers­ten Durch­spie­len, habe ich mir ein paar Videos ande­rer Spie­ler ange­schaut und sehr oft völ­lig andere Lösun­gen gese­hen, die ich beim ers­ten Durch­spie­len über­haupt nicht in Betracht gezo­gen habe. Beson­ders der Anfang der letz­ten Kam­mer.

Por­tal schafft es auch unver­gleich­lich und im direk­ten Ver­gleich mit EP2, bes­ser eine Geschichte zu insze­nie­ren. Es gibt keine Cuts­ce­nes, keine Doku­mente im Spiel, nicht mal Dia­loge. Es gibt einen ein­zi­gen Cha­rak­ter, der als Off-Sprecher durch das Spiel lei­tet und lang­sam aber mas­siv an Ecken und Kan­ten gewinnt, um schließ­lich als wun­der­schön insze­nier­ter und lus­ti­ger Boss­kampf zu enden.

Als Teil der Orange-Box ist Por­tal kon­kur­renz­los. Ein­zeln kos­tet es wohl 20,- Euro und bie­tet effe­kiv eher wenige Spiel­stun­den. Loh­nen tut sich defi­ni­tiv das erste Durch­spie­len, samt einem zwei­ten Anlauf mit ein­ge­schal­te­tem Kom­men­tar der Ent­wick­ler. Man darf von die­sem Team noch eini­ges erwar­ten, sofern sie mit dem Erfolg von Por­tal nicht auf diese eine IP fest­ge­na­gelt wer­den. Rech­nen darf man sicher­lich mit zusätz­li­chen Maps, kos­ten­los oder gegen ein klei­nes Ent­gelt. Völ­lig unin­ter­es­sant in mei­nen Augen, ist der Ver­such den Ansatz die­ses Spiels - die Por­tal Gun - in andere For­mate zu ver­frach­ten. Das kann nur schief­ge­hen. Por­tal ist so wie es ist feh­ler­frei, abha­cken und was Neues anfan­gen bitte. Im Schutz der Orange-Box genießt Por­tal auch einen sehr sta­bi­len Arten­schutz.

Das Spiel ist inso­fern wich­tig gewor­den, weil es beweist, dass auch bei Video­spie­len im Jahre 2007, weni­ger oft mehr sein kann. Beson­ders der Ver­gleich mit Bio­s­hock bie­tet sich hier an, da Bio­s­hock so ziem­lich das beste Ying zu Portal’s Yang ist, unterm Strich aber trotzt sei­ner Masse an dut­zen­den Ideen, dut­zen­den Waf­fen, Gra­fi­ken und Story in Ver­ges­sen­heit gerät, wäh­rend Por­tal ein­zig­ar­tig und auf lange Zeit unver­ges­sen bleibt. “Still alive”

  • #1
  • Mo, 12. November 2007
  • generex schrieb:

Hört sich gut an. Habe mir die Orange Box mal ange­schaut, werde ich mir wohl kaum kau­fen, aber evtl. dann doch das Spiel ein­zeln, auch wenn es wie du sagst für ~20€ nicht beson­ders viel Spiel­zeit bie­tet.

Kommentar schreiben
safari bug

Vorschau:

HTML ist in Kommentaren zugelassen. Erlaubt sind die HTML-Tags:
<a href>, <i>, <p>, <strong>, <em>, <ul>, <ol>, <li>, <blockquote>.
Alle themenfremden oder persönlichkeistverletzenden Beiträge werden gelöscht, also immer schön sachlich argumentieren.

schrieb: