Looking for Irgendwas – WoW’s Schwächen der Spieler-Struktur

Seit mittlerweile gut 8 Wochen suchen meine WoW-Charaktere irgendwie den Sinn im jetzigen Spiel. Stück für Stück offenbart sich eine sehr angeschlagene Struktur der Spielergemeinschaft, die sich auch im Detail erklären lässt.

Zugegen mein aktueller Server ist sicherlich einer der grottigsten deutschen Server überhaupt. Mit etwas mehr als 4000 Allianz Charakteren, schafft es der Server gerade mal drei halbwegs effektive Raid-Gilden zu stellen, eine davon mit deutlichem Content-Vorsprung, die sich jedoch nun an Kael’thas festgefressen hat und dort seit Wochen verweilt. Auf den Punkt gebracht: mit einer 4000er Spielerbasis, schafft es der Server nicht über das zweite Raid-Tier hinaus. Nur eine einzige dieser drei Gilden, führt ein sauberes Guild-Roster, darum auch der deutliche Vorsprung. Die anderen zwei schleppen zuviel Fett mit sich herum, was den Fortschritt verlangsamt.

Auf Horden-Seite sieht es noch düsterer aus. Bei rund 650 Horden-Charakteren fällt aktuell nur noch eine einzige höhere Raid-Gilde ab, nachdem zuvor zwei andere implodiert sind. Tirion ist ein sehr schönes Beispiel, als einer von sicherlich vielen Servern, die auch aufgrund der Spieler-Struktur, global gesehen in der Progression nicht wirklich vorran kommen.

Wer hat’s verbockt

Auf Server wie diesem ist es schwer für den Server, die Spieler gleichmäßig vorran kommen zu lassen. Wenige, fortgeschrittene Raid-Gilden ziehen jeden noch so suchenden Spieler an, wie die Motten das Licht. Während ambitionierte kleine Gilden schon vom Startpunkt aus, um qualitativ gutes Spielermaterial kämpfen müssen, können es sich die wenigen Raid-Gilden erlauben, ihre Bewerber ausreichend zu filtern. Was übrig bleibt landet wieder am Boden und verlangsamt umso mehr den Aufstieg der kleineren Gilden.

Spieler, die brauchbar sind, aber aus welchem Grund auch immer nichts mit den existierenden Gilden anfangen können, werden praktisch zum Server-Wechsel gezungen. Auch hier bedienen sich die wenigen Endgame-Gilden gegenseitig mit neuen Spielern. Diese Serverwechsel erlauben es jeder Endgame-Gilde, sich um Nachwuchsförderung keine Sorgen machen zu müssen. Infolge dessen leidet wieder die eigene Server-Progression, der unteren Ligen. Eine deutliche Zwei-Klassen-Gesellschaft entsteht.

Grund dafür sind auch viele Änderungen im Spiel selbst. Pickup-Raids wie in WoW 1.0 funktionieren nicht mehr, da man nicht erwarten kann, dass sich jeder Teilnehmer ordentlich vorbereitet, darunter leidet dann die eigene Leistung, der Raid insgesamt und somit auch die Zukunft dieses Raids. Auch die ehrgeizigste Ambition endet recht schnell in WoW 2.0, wenn das Umfeld nicht 100% stimmt.

Die Änderungen im Class-Design, die der Items im Spiel und die Anforderungen der Instanzen, sorgen für ein wirklich verzogenes Bild eines Spielers. Gear und Talente sind auf der einen Seite wichtiger denn je, auf der anderen Seite ist Gear so unbedeutend wie nur möglich geworden, denn Gear kann nicht mehr wie früher, Schwächen in der spielerischen Leistung wett machen.

Ich spiele WoW nun seit der US-Beta. Seitdem war ich nie so gelangweilt vom Spiel wie heute, wobei das Problem nicht im spielerischen Inhalt liegt, sondern eher am Umfeld, primär der aktuelle Main-Server. Mit Blick auf die kommenden Änderungen zum Leveln neuer Charaktere, werde ich vermutlich erstmal irgendwas auf Horden-Seite anfangen zu spielen. Allianz auf Tirion ist aktuell, wie im Regen stehend, auf den 2 Stunden verspäteten Bus zu warten, um dann nach dem Einsteigen feststellen zu müssen, dass alle Sitzplätze vergeben sind und die Fahrt noch weitere 3 Stunden dauern wird.