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power to the people - Bürgerjournalismus

Für einen kom­men­den Arti­kel zum Thema Typo­gra­phie im Netz, bin ich vor ein paar Tagen auf diese Seite gesto­ßen. Ein fei­nes Bei­spiel für eine gelun­gene Typo­gra­phie, aber darum soll es jetzt nicht gehen. Dort fand ich ges­tern einen Text, der mir aus der Seele spricht. Es geht um die Kri­tik an auch zum Bei­spiel Web­sei­ten wie die­ser hier. Genau­er­ge­sagt um den jour­na­lis­ti­schen Anspruch ver­öf­fent­lich­ter Texte und Fotos der Mas­sen, oder um es mal ganz sim­pel auf den Punkt zu brin­gen: die alt­ein­ge­ses­se­nen Medien kom­men nicht drü­ber hin­weg, dass ihnen moderne Medi­en­for­men wie Web­blogs die Kun­den weg­neh­men.

Die­ser Text bezeich­net den Trend als Bür­ger­jour­na­lis­mus und ver­weist auf den dazu pas­sen­den Wikipedia-Eintrag. Der Arti­kel spricht viele Wahr­hei­ten aus, ohne zu sehr eine Seite zu bevor­tei­len, beste Journalisten-Schule also, es bleibt alles schön neu­tral. Nun ist das hier mein pri­va­tes Web­log und ich muss nicht der fach­li­chen Dir­ka­tur des Journalismus-Labels unter­lie­gen.

Was wir hier erle­ben ist die klas­sisch deut­sche Reak­tion auf eine Ver­än­de­rung. Der Mensch hasst Ver­än­de­run­gen, der deut­sche Mensch noch viel mehr. Nun ich kann die Frus­tra­tion auf Sei­ten der über­be­zahl­ten Redak­teure mehr als nach­voll­zie­hen. Da kom­men plötz­lich namen­lose Schrei­ber ohne Stu­dium und neh­men ihnen die Leser­schaft weg. Die wenigs­tens fra­gen, sich wes­halb die­ser Trend vor­liegt, oder wie man ihn für sich benut­zen kann. Die deut­sche Medi­en­land­schaft fragt sich, wie kön­nen wir die­sem Trend ent­ge­gen­wir­ken. Offen­sicht­lich hat man sich für die ein­fachste Lösung ent­schie­den: der Kri­tik.

Der Medi­en­kon­sum des Normal-Bürgers ändert sich, nur die Pro­duk­tion tut es nicht. Gibt es eine täg­li­che deut­sche Zei­tung, die mir die neu­es­ten MMO-Nachrichten frisch in den Brief­kas­ten lie­fert? Nein, die gibt es nicht und des­we­gen ver­lie­ren mich viele Medien als ihren Leser, Zuschauer und Zuhö­rer. Wenn mir kein deut­scher Medi­en­kon­zern meine Dosis Infor­ma­tio­nen ver­pas­sen kann, dann suche ich sie mir selbst und finde sie auch - Medi­en­kom­pe­tenz nennt man so was.

In Zukunft wer­den immer mehr Men­schen sich ihre Nach­rich­ten selbst suchen und nicht dar­auf war­ten, irgend­wann mal aus deut­scher Hand gefüt­tert zu wer­den. Je erfah­re­ner die Gesell­schaft im Umgang mit dem Inter­net wird, umso stär­ker wird die Flucht aus klas­si­schen Medien sein. Viele Grund­pfei­ler des deut­schen Pres­se­ko­dex blo­ckie­ren den moder­nen Kon­sum von Medien, wes­halb die Infor­ma­ti­ons­quel­len die die­sem Kodex nicht unter­lie­gen, ihre Vor­teile leicht aus­spie­len kön­nen: Masse statt Klasse, für den Infor­ma­ti­ons­jun­kie der Neu­zeit. Offen­sicht­lich auch mit Erfolg, ansons­ten gäbe es die Kri­tik daran nicht. Auch dies ist typisch deutsch, kri­ti­siert wird erst wenn der Erfolg da ist und alte Dog­men in Gefahr gera­ten.

Ein Punkt den der Text etwas ver­nach­läs­sigt möchte ich noch hin­zu­fü­gen. Nie war es ein­fa­cher als heute, sei­nen Out­put der brei­ten Masse zur Ver­fü­gung zu stel­len. Wer heute eine Computer-Tastatur bedie­nen kann, besitzt alle tech­ni­schen Fähig­kei­ten, die ein Jour­na­list haben muss. Das Inter­net und diverse Blogging-Tools machen es so ein­fach wie nie zuvor. Wenn plötz­lich jeder aus einem Stück Holz einen Schrank selbst bauen könnte, würde auch Ikea mit der Kri­tik an selbst­ge­bau­ten Schrän­ken sei­ner Kun­den los­le­gen. Schließ­lich schrei­ben die Herrn und Damen Jour­na­lis­ten auch nicht um die Welt, son­dern um ihre Finan­zen zu ver­bes­sern, wes­halb diese Kri­tik stark geheu­chelt ist.

Man schwingt das Zep­ter des Pres­se­ko­dex und pro­pa­giert den Qua­li­täts­an­spruch, um sich in die letzte ver­blei­bende Nische zu ret­ten. Dank des Inter­nets bekommt jeder freien Zugriff auf alle Infor­ma­ti­ons­quel­len, wie sie kom­mer­zi­elle Redak­tio­nen seit Jah­ren für sich mono­po­lis­tisch bean­spru­chen. Das Bild des Jour­na­lis­ten, mit Notiz­block in der Hand und Kamera um den Hals, ist leicht ange­staubt. Seit Jah­ren kom­men Infor­ma­tio­nen auch für die Redak­tio­nen der Presse und der Sen­de­an­stal­ten, aus weni­gen gro­ßen Quel­len und wer­den dann je nach Redak­tion unter­schied­lich gefil­tert. Nichts wofür es einen sepa­ra­ten Kodex geben müsste. Hinzu kommt der Ver­lust von Ein­fluss, Macht und damit wie­derum von Geld. Wer­bung wird nicht nur weni­ger geschal­tet weil die Leser­zah­len schwin­den, son­dern auch weil sie woan­ders viel effek­ti­ver plat­ziert wer­den könnte. Einem pri­va­ten Blog ein Pro­dukt kos­ten­los zum Tes­ten zur Ver­fü­gung zu stel­len, kann viel effek­ti­ver sein, als es jede klas­si­sche Wer­be­maß­nahme.

power to the people

2 Kommentare

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macht für die men­schen

chris­tian von cold-heat.de hat einen klasse arti­kel dar­über ver­fasst warum die klas­si­schen medien sich zu recht über diie wach­sende kon­kur­renz der blogs beschwe­ren.

  • #2
  • Di, 22. August 2006
  • Robert schrieb:

Mitt­ler­weile gilt bei dem Amis der­je­nige als “out-of-business”, wer kein Blog betreibt. Blog­ger, ist dort inzwi­schen ein Beruf sehr sehr vie­ler selb­stän­di­ger. Wer­be­ein­nah­men und Spon­so­ring sei dank. Das “her­kömm­li­che” Jour­na­lis­ten, die nicht recht­zei­tig auf das Medium auf­sprin­gen, nicht mit­kom­men ist doch nur eine logi­sche Kon­se­quenz. Es gibt aller­dings auch schon eine sicht­bare Kris­tal­li­sie­rung von “Amateur-” und “Journalisten-” Blogs. Übri­gens soll von einer Ent­wick­ler­schmiede in den USA jetzt eine Soft­ware ent­wi­ckelt wor­den sein, die Bör­sen­be­richte und Bilan­zen von Unter­neh­men auto­ma­tisch erstellt. Hier­für wer­den bald keine “Men­schen” mehr benö­tigt ;)