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schlechte Angewohnheiten, virtuelle Nostalgie und Doppelstandards

The point is, I think hard­core rai­ders are like smo­kers or anyone who does some­thing to excess. It’s sim­ply a habit. While you’re doing it, you can’t ima­gine not doing it, and when you stop doing it, you won­der how you did it for as long as you did.

Die­ser Text könnte meine schrift­li­che Abrech­nung mit der heu­ti­gen schlech­ten Ange­wohn­heit MMORPG sein. Es ist komisch, man ver­sucht sich die objek­tivs­ten Texte aus dem Hin­tern zu zie­hen und endet mit der abso­lut sub­jek­ti­ven Erkennt­nis, frü­her war ja alles bes­ser. Die­ser Ein­trag begann als drit­ter Teil der Item-Design Reihe. Das neue Tier-3-Set sollte ana­ly­siert wer­den und ich wollte daran einen klei­nen Aus­blick auf die Mud­fla­tion WoWs geben. Nach kur­zer Sicht der Fak­ten wurde klar, das ich mich wie­der nur im Kreis bewege. Ich komme jetzt in das Spieler-Alter, wo man wohl schon fast alles gese­hen hat und einen die neuen Auf­güsse des alten Krams, nur noch ein lan­ges Gäh­nen her­vor­ru­fen, so wie beim Durch­stö­bern der Itemda­ten WoWs. Von da an schrieb sich der fol­gende Text wie von selbst.

Ich unter­scheide hier zwei Aspekte eines MMOR­PGs: Com­mu­nity und Spiel. Zwar ver­su­che ich die per­sön­li­chen Anek­do­ten aus die­sem Blog raus zu hal­ten, aber dies­mal ist dies fast unmög­lich. Wenn es um die Com­mu­nity eines MMOR­PGs geht, muss man über die Spie­ler läs­tern schrei­ben.

Ich sehe heute Genre-Neulinge, die kein tief­ge­hen­des Wis­sen über jenes Genre besit­zen, mir aber sagen wol­len, wie ich meine Cha­rak­tere zu skil­len habe. Raid­mit­glie­der, die sim­ple /assist Befehle nicht mehr ken­nen, weil in Zei­ten von Team­speak, jeder seine Unfä­hig­keit ver­ste­cken kann. Wenn man Mist baut, reicht ein schnel­ler Scherz und alle lachen und bemer­ken nicht, wer wel­chen Feh­ler gemacht hat. Ich sehe Spie­ler, die ihre Fähig­kei­ten auf ihr Equip­ment stüt­zen und deren Klasse “lang­wei­lig zu spie­len ist”, weil sie mal wie­der kei­nen Loot bekom­men. Diese hüb­sche neue MMORPG-Welt und mag sie auch noch so rie­sig sein, wird schnel­ler ihren Antrieb ver­lie­ren, als dies frü­her der Fall war. Ich sehe keine Anzei­chen mehr von spie­le­ri­scher Sub­stanz, inner­halb der Com­mu­nity. Ein har­ter Kern wird weich geklopft, um ihn der Masse näher zu brin­gen. Nach Jah­ren der Inten­si­tät, sehe ich die wider­li­chen Rand­er­schei­nun­gen, die der Spaß kaum mehr auf­wie­gen kann und den­noch wer­den die Accounts brav wei­ter bezahlt.

End­game

Es dürfte mitt­ler­weile bekannt sein, wie inten­siv ich vor Jah­ren Ever­quest gespielt habe. Ich war offen­sicht­lich nicht der ein­zige. Auf­fäl­lig ist, wie sehr sich die alten Mit­spie­ler heute so ähneln. Wer auch immer den Absprung aus der Zeit­falle MMORPG gefun­den hat, scheint erleuch­tet zu sein und möchte nicht mehr zurück. Wenn wir in 5 Jah­ren den gro­ßen Bur­nout von WoW sehen wer­den, wird es auch dann Mil­lio­nen von gesät­tig­ten Spie­lern geben, die ihre Frei­zeit nicht mehr in die­sem Maße in die­ses Hobby ste­cken wol­len.

“We raid zones we hate, so we can loot shit we don′t need.”

Ich habe noch Kon­takt zu ein paar weni­gen ehe­ma­li­gen Mit­spie­lern, sowohl aus Everquest-Zeiten, als auch der ehe­ma­li­gen WoW-Gilde. Beson­ders die Leute, von denen ich dachte, sie seien wunsch­los glück­lich sind es nicht, ver­las­sen aber den­noch nicht ihr bekann­tes Teri­to­rium. Man hat sich an etwas gewöhnt, was zwar nicht per­fekt ist, aber scheut das Risiko die eigene Situa­tion zu ändern. Inso­fern ist das Zitat am Anfang abso­lut kor­rekt. Wäre ich noch in der alten Gil­den, wär auch ich einer der unzäh­li­gen Mit­läu­fer, die nach der Uhr ein­log­gen um ja keine DKPs zu ver­pas­sen, um damit dann Zeug zu loo­ten, was in der nächs­ten Instanz schon wie­der ersetzt wird. Wie meinte der neue Raid­lea­der so schön: “Wir kön­nen euch nicht zwin­gen on zu blei­ben.” Auf der Jagd nach Items, Erfah­rungs­punk­ten und Ehre, schei­nen viele Spie­ler die­sen nicht vor­han­de­nen Zwang über­se­hen zu haben. WoW funk­tio­niert super darin, Spie­ler indi­rekt unter Druck zu set­zen. Jeder kann täg­lich den schi­cken Loot an Mit­glie­dern sei­ner Endgame-Gilde bewun­dern: “Wow eines Tages möchte ich auch sowas besit­zen!” Dabei über­sieht man das Ver­hält­nis von inves­tier­ter Zeit und Spaß. End­game.

Wenn mein WoW-Paladin kein Geld mehr hat, weil ihm die Repa­ra­tur­kos­ten arm gemacht haben, dann steht mir ein lus­ti­ger stun­den­lan­ger Grind mit mei­nem Twink zur Wahl, oder die Option einem net­ten asia­ti­schen Mit­spie­ler finan­zi­ell unter die Arme zu grei­fen. Die erste Option kos­tet mich Stun­den Frei­zeit, die zweite nicht. Das alles wird not­wen­dig, um wei­ter­hin mona­te­lang die glei­che Zone zu spie­len. Es wun­dert mich abso­lut nicht, wieso WoWs Second-Market so rie­sig ist. Sicher­lich stehe nicht nur ich vor der Qual der Wahl. End­game. Die­ser ganze Mist, den wir heute als Stuk­tur des PvE End­ga­mes akzep­tie­ren, ergab sich aus ver­damm­ten Zufäl­len, die nun das Spiel von 6 Mil­lio­nen Men­schen dik­tie­ren. WoW ist so mark­do­mi­nie­rend, dass man sich auch mit fes­ter Über­zeu­gung nicht dem Strom ent­zie­hen kann.

Com­mu­nity

Wie Lem­minge fres­sen wir MMORPG Spie­ler wider­stands­los, den inhalt­li­chen Fraß der uns vor­ge­setzt wird. Bliz­zard ist in der glück­li­chen Lage mitt­ler­weile mehr als jeden zwei­ten MMO-Spieler füt­tern zu dür­fen. Sie kön­nen ihre Kost noch so ver­wür­zen, irgend­je­mand wird es schlu­cken, denn ansons­ten droht der spie­le­ri­sche Hun­ger. Mag das Essen bei Level 1 noch Gourmet-Niveau besit­zen, so scheint man bei Level 60, nicht mehr auf die Qua­li­tät der Zuta­ten zu ach­ten. Die Folge sind Man­gel­er­schei­nun­gen bei Level 60 Spie­lern, in Form von feh­len­der Loya­li­tät, Neu­gier und Respekt gegen­über allem und jedem. Heute wie damals besteht die Masse der Spie­ler aus Typen, die ganz offen­sicht­lich den Luxus besit­zen, sehr viel Frei­zeit zu haben: Schü­ler, Stu­den­ten. Aus Ever­quests dama­li­gen Stu­den­ten sind heute zum gro­ßen Teil pro­duk­ti­vere Mit­men­schen gewor­den, mit weni­ger Frei­zeit und mehr Ein­sicht in das Genre. Diese Ein­sicht darf man von zukünf­ti­gen WoW-Abtrünnigen nicht mehr erwar­ten, wo sollte sie auch her­kom­men? Aus den inhalt­lo­sen Foren? Dem sinn­lee­ren Team­speak oder dem ster­ben­den Guild­chat?

Ich kann mir schwer vor­stel­len, dass WoW solch blei­bende Erin­ne­run­gen schaf­fen kann, wie ein Ever­quest, ein Meri­dian oder ein Ultima Online dies damals geschafft haben. Die­ses Glü­hen in den Augen der Spie­ler, diese Sorge im ihr neu ent­deck­tes Spiel­zeug war ein­zig­ar­tig. Gilden-Websites erblick­ten das Licht der Welt. Unglaub­lich eine eigene Seite für die Gilde und dann noch mit lesens­wer­ten Inhal­ten. Was ist eigent­lich ein Raid? Ein Chat-Channel eigens für den Raid? Oha, wie ver­tei­len wir nun den Loot? Hat da jemand eine Idee? Egal, setzt die Bil­der vom Loot auf die neue Web­site! Offi­zi­elle Foren gibt es nicht? Dann müs­sen wir Spie­ler selbst, so infor­ma­tive und objek­tive Foren schaf­fen, um die Ent­wick­ler dort­hin locken zu kön­nen. Teil die­ser Com­mu­nity gewe­sen zu sein, war in der Nach­be­trach­tung wirk­lich etwas Beson­de­res. Wird ein heu­ti­ger WoW-Spieler in 5 Jah­ren ähnlich zurück­bli­cken? Um WoWs Spie­ler­ba­sis nicht 100% abzu­schrei­ben sei gesagt, dass WoWs offe­nes Inter­face eine wirk­lich gran­diose Gemein­schaft an Interface-Tüftlern geschaf­fen hat. Jene Spie­ler, die sich näch­te­lang durch XML-Code wüh­len, damit sich die raid-geile Bande, am nächs­ten Mor­gen wie Hams­ter durch die Zonen wüh­len kann. Jene UI Addon-Entwickler, die Lösun­gen für Pro­bleme kre­ie­ren, um Wochen spä­ter von Bliz­zard der eige­nen Idee beraubt zu wer­den und den­noch wei­ter für das Inter­face ent­wi­ckeln.

Zitate zu brin­gen ist nicht meine Stärke, aber hier passt es. Der fol­gende kleine Abschnitt stammt aus dem Song “Kapi­tel 1″. Ein Lied aus dem Jahr 92(?), ein Klas­si­ker des deutsch­spra­chi­gen Hip-Hops. Diese Zei­len pas­sen so ver­dammt per­fekt und beschrei­ben ein Pro­blem vie­ler moder­ner Com­mu­nities, ganz gleich wel­cher Art.

“…schreck­lich, für den der das Pro­dukt kon­su­miert, ohne auch zu sehen was im Hin­ter­grund pas­siert.”

Hin­ter­gründe und -geschich­ten inter­es­sie­ren auch heute noch wenige. Zuge­ge­ben, bei vie­len Bei­spie­len passt das Argu­ment unse­rer immer schnel­ler wer­den­den Gesell­schaft. Alles muss schnell gehen und Spaß machen, der Rest scheint unwich­tig. Bei einer Unter­hal­tungs­form, die aller­dings Ton­nen von Zeit vor­rau­setzt, zieht die­ses Argu­ment nicht, des­halb mag ich nicht wirk­lich ver­ste­hen, wieso WoWs Spiel­er­ge­meinde soviele Ja-Sager und Mit­läu­fer beinhal­tet, die auf der Jagd nach dem nächs­ten Loot, das Genre auf einer Ein­bahn­straße, Rich­tung spie­le­ri­schem Abgrund fah­ren las­sen.

5 Kommentare

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  • #1
  • Di, 25. Juli 2006
  • Florian schrieb:

Dein Abge­sang auf das Genre MMORPG erin­nert mich in vie­len Punk­ten an die weh­mü­ti­gen Nach­rufe von Leu­ten, deren Hob­bies bzw. Lei­den­schaft aus dem schein­ba­ren Dun­kel des Fan­tums oder Hardcore-tums in die grelle Sonne des Main­streams gezo­gen wur­den. Wie haben damals z.B. die Stra­te­gie­pro­fis gejam­mert, als die for­dern­den run­den­ba­sier­ten Flaggen- und Ein­hei­ten­schie­be­reien im Stil von SSI plötz­lich durch die knall­bunte C&C Welt abge­löst wur­den. Oder als Lucas Arts fei­nen Adventure-Perlen wie Mon­key Island und Indiana Jones plötz­lich ver­schwan­den und 3D-orientierten Action-Adventures wie z.B. Half-Life oder Tomb Rai­der Platz machen muss­ten. Vor allem auch abseits des Com­pu­ters sieht man immer wie­der die­ses Phä­no­men, wenn z.B. Musik­gen­res und deren Ver­tre­ter plötz­lich Viva-kompatibel wer­den und die “alt­ein­ge­ses­se­nen Fans” von Ver­rat, Ver­lust der Ori­gi­na­li­tät und dem Ende jeg­li­cher Unter­stüt­zung spre­chen. Was jam­mern die Kri­ti­ker über Filme wie X-Men oder God­zilla, ver­reis­sen sie als sinn­ent­leer­tes Popcorn-Kino…und doch schauen es sich Mil­lio­nen Men­schen im Kino an.

Aber was pas­siert in die­sen Momen­ten eigent­lich? Die Ent­wick­ler, Musi­ker, Schrift­stel­ler, Regis­seure öffnen ihre Pro­dukte dem Mas­sen­markt und zie­hen so Men­schen in ihren Bann, die mit den Kunstwerken/Spielen vor­her nichts anfan­gen konn­ten. Dass eine Öffnung zum Mas­sen­markt häu­fig auch ein Ver­lust an Tiefe bedeu­tet, ist lei­der eine zwangs­läu­fige Neben­wir­kung, denn den seich­ten Mas­sen­kon­su­men­ten kann man nicht mit kom­pli­zier­ter Bedie­nung, schwie­ri­gen Lied­tex­ten oder ver­schach­tel­ten Hand­lun­gen begeis­tern (wobei Aus­nah­men hier die Regel bestä­ti­gen).

Aber sind dadurch die Pro­dukte auch schlech­ter? Ist WoW des­halb auch schlech­ter? Ich denke nicht. Denn den Ver­lust, den eine kleine Gruppe eta­blier­ter Online-Hardcore’ler sieht, emp­fin­det eine rie­sige Gruppe von Online-Neulingen als sat­ten Gewinn.

Für mich ist WoW das erste Online-Spiel, und viel­leicht wird es auch das Ein­zige blei­ben. Aber ich habe es mit mei­nen Freun­den ange­fan­gen zu spie­len und bereits nach kur­zer Zeit soviele “magi­sche Momente” gehabt, dass wir mit Sicher­heit noch in Jah­ren dar­über spre­chen wer­den. Auch habe ich durch WoW viele Men­schen ken­nen­ge­lernt, die ich sonst nie ken­nen­ge­lernt (teil­weise auch schon RL) hätte und mit denen es Spass macht, seine Frei­zeit zu ver­brin­gen, soweit mög­lich.

Sicher­lich hat WoW seine Schwä­chen. Die lan­gen Abende in MC/BWL/AQ machen nicht immer Spass, einige Balancing-Probleme har­ren ihrer Lösung, und sicher gibt es auch Leer­lauf. Aber immer­hin lernt Bliz­zard das Genre erst ken­nen und hat trotz­dem ein Pro­dukt erschaf­fen, dass sogar Leute vor den Moni­tor bringt, die noch vor 2 Jah­ren nicht­mal PC-Spiele gespielt haben.

Als ehe­ma­li­ger Dau­er­zo­cker, der schliess­lich mit Sin­gle Player Spie­len auf­ge­hört hat und erst nach einer län­ge­ren Pause und erst durch WoW wie­der zum Zocken kam, kann ich sagen: Das Spiel ist sicher wich­tig, aber ent­schei­dend für den Spass an einem Spiel sind die Leute, mit denen man das Spiel spielt. Was sche­ren mich kleine Balancing-Probleme im PvP, wenn ich bei der Warsong-Schlacht 9 gleich­ge­sinnte und lus­tige Leute im TS habe, die sich gegen­sei­tig anfeu­ern? Was inter­es­sie­ren mich Server-Downtimes, wenn ich mit den Gil­dies spon­tan auf nem ande­ren Ser­ver mit 5 Pala­di­nen neu anfange und Schild­du­elle in Goldshire mache? Natür­lich ist der Abend raid­tech­nisch ver­lo­ren, aber Spass hatte ich trotz­dem. Und um denn geht es letz­ten Endes. Du sagst, das die­ses Argu­ment bei einem zeit­rau­ben­den Hobby wie WoW nicht zieht. Im Grunde aber ist es das ein­zige Argu­ment, denn bei WoW wird man nie etwas gewin­nen kön­nen, es wird nie in Rich­tung eSport gehen, der Leis­tungs­ge­danke spielt ledig­lich für den kur­zen Ruhm eines First Kills eine Rolle, und selbst da inter­es­siert es nur eine kleine Gruppe von Foren­gän­gern, die auf der Jagd nach Was-auch-immer sind.

WoW ist doch ein­fach nur ein Zeit­tot­schlä­ger, wie viele andere Hob­bies auch, Haupt­sa­che man hat am Ende das Gefühl, dass einem der Tag/Abend Spass gemacht hat.

Wenn die­ses Gefühl fehlt, sollte man sich ein neues Hobby suchen.

Gruß, Flo­rian

  • #2
  • Di, 25. Juli 2006
  • Glyx schrieb:

Die lan­gen Abende in MC/BWL/AQ machen nicht immer Spass […] ich bei der Warsong-Schlacht 9 gleich­ge­sinnte und lus­tige Leute im TS habe […] mit 5 Pala­di­nen neu anfange und Schild­du­elle in Goldshire mache […] Spass hatte ich trotz­dem. Und um denn geht es letz­ten Endes

Auch, wenn ich mir jetzt dei­nen Text auf meine Bedürf­nisse arg zusam­men­schneide, fällt es mir in letz­ter Zeit immer häu­fi­ger auf: Je grö­ßer die Gruppe, desto klei­ner der Spaß.

Es ist doch viel coo­ler mit einer Hand voll Freun­den, die man kennt, denen man etwas bedeu­tet, los zu zie­hen, eine kleine Gruppe zu haben, in der jeder ein­zelne über Sieg und Nie­der­lage ent­schei­den kann, in der Feh­ler gemacht wer­den kön­nen und ein Wipe der gesam­ten Gruppe ein Grin­sen ins Gesicht zau­bert. Oder ein ver­dammt har­ter Kampf mit meh­re­ren Adds doch noch gemeis­tert wird, weil jeder über sich selbst hin­aus­wächst. Eine Gruppe in der man mit jedem im TS quat­schen kann, ohne dass es dem gesam­ten Raid auf die ner­ven gehen würde.

Nie­mand möchte einer von zig mehr oder weni­ger anony­men, aus­tausch­ba­ren Söld­nern sein, die einem (oder meh­re­ren) macht­hung­ri­gen Füh­rer­ty­pen fol­gen. Irgendwo in einer rie­si­gen Gruppe ste­hen und sich in der Masse ver­ste­cken. In RPGs geht es darum selbst ein Held zu sein… und das wird man nicht in einem gro­ßen Zerg, denn Hel­den sind ein­zig­ar­tig.

Sicher­lich gibt es da noch das Argu­ment der “Schlacht mit epi­schem Aus­maß”, doch in sol­chen Schlach­ten waren es auch immer nur einige wenige, die als strah­lende Hel­den her­vor­gin­gen und nicht alle 40… der Rest war schlicht und ergrei­fend Kano­nen­fut­ter. Man denke an Legen­den, Mythen und Sagen a la Troja, Alex­an­ders Schlacht­züge und der glei­chen mehr…

Mir fehlt in WoW in letz­ter Zeit ein­fach der 5-10Mann-Content, für den man locker eine Gruppe fin­det, für den man keine fes­ten Raid­tage und -ter­mine benö­tigt, der kein DKP-System ver­langt. Alle Instan­zen, die in diese Rich­tung gehen kennt man mehr, als nur in- und aus­wän­dig, man spielt sie im Halb­schlaf.

Dabei ist es mei­ner Mei­nung nach die­ser Con­tent, der das meiste Flair, die meiste Lore und die meiste Spiel­freude ver­mit­telt.

Sicher­lich ist es mit 40er Instan­zen ein­fa­cher viele Leute auf län­gere Zeit an das Spiel zu bin­den - schließ­lich gilt es Ter­mine zu ver­ein­ba­ren, Leute zusam­men­zu­trom­meln, ihnen Zugang zu ver­schaf­fen, Buffs und Power­ups zu far­men, Bosse zu legen und zu guter Letzt wol­len erst­mal alle mit Items ver­sorgt wer­den, bevor man sich zur nächs­ten Stufe auf­macht.

Das dies auch mit “klei­ne­rem” Kon­tent mög­lich ist sieht man am UBRS-Key, an den Zul’Gurub- und AQ20er-Sets, an den T0 und T0,5-Sets, an dem Düsterbruch-Mondsichelschlüssel und dem Tri­bu­trun.

Man könnte auch 5er Instan­zen so resis­tenz­ab­hän­gig machen, dass man erst Schutz­tränke und Resi-Equip far­men muss. Könnte Bosse so stark machen, dass T2-MTs dumm aus der Wäsche schauen und sie nur mit List und Tücke zu besie­gen sind… wie auch immer.

Meine Hoff­nun­gen in BC sind groß… ich möchte nicht ent­täuscht wer­den. ~Glyx

Webmaster

Wow, das sind mal zwei aus­führ­li­che Kom­men­tare, die ich so schnell nicht top­pen kann. Ich gebe zu, dass meine Inten­tion die­ses Ein­trags schon etwas vom alten “Opa Sim­psons” hat, getreu dem Motto “frü­her war alles bes­ser, weil ihr es sowieso nicht erlebt habt”. Ich darf mich glück­lich schät­zen, die Geburt eines Gen­res (Online Gaming) mit­er­lebt zu haben, dass die nächs­ten Jahre die Mas­sen erobern wird. Es ist das übli­che Jam­mern, wenn ein Nischen­pro­dukt, plötz­lich zum Main­stream wird. Es mag komisch klin­gen, aber wie viele andere, bin ich damals an Ultima-Online, spä­ter Ever­quest hän­gen geblie­ben, weil ich wusste, an der Tas­ta­tur der ande­ren Spie­ler, sitzt jemand, der auf irgend­eine Art und Weise wie ich ist. Genau die­ses Gefühl exis­tiert in WoW nicht mehr. Es bewer­ben sich mitt­ler­weile 13-Jährige bei mei­ner Gilde, ich weiß nicht ob ich da nei­disch sein, oder Mit­leid haben soll, wenn ich mich erin­nere, was ich mit 13 Len­zen so gemacht habe.

Wenn WoW die nächs­ten Jahre bedeu­tet, dass ich mit sol­chen Bewer­bern zusam­men mehr­mals die Woche im 40er Rudel Items farme, die ich sowieso in 2 Wochen wie­der auf die Bank lege, dann ist diese Form der Unter­hal­tung für mich einen klei­nen Schritt unwich­ti­ger gewor­den. Ich meine das ist sie jetzt schon, denn ich spiele im Ver­gleich zu frü­her sehr viel weni­ger und auch jetzt logge ich nur ein, weil der neue Raid­lea­der als Per­son den tiefs­ten Respekt ver­dient und nicht weil irgend­wel­che Loots oder Zonen locken.

WoW ist als Pro­dukt exzel­lent aber als Bei­spiel die­ses Gen­res sehr kri­tisch zu bewer­ten, weil es das Genre um Jahre zurück wirft. Noch sieht der 13-Jährige Bewer­ber nicht, wieso WoW dies tut, aber wenn er in 2 Jah­ren sein Tier-6 Armor Set auf die Bank packt, wird die­ser Gedanke lang­sam aber sicher kom­men.

Wie Glyx hoffe auch ich, dass die Erwei­te­rung das Spiel zum Bes­se­ren ändert, klei­nere Instan­zen, weni­ger nach dem Kalen­der spie­len usw. Auch ein WoW wird an den Punkt kom­men, wo die Masse der Spie­ler ein­fach keine Zeit mehr hat um wöchent­lich 3 Instan­zen zu far­men, dazwi­schen die Rep-Kosten zu erfar­men und viel­leicht noch neben­bei im PvP-Rang zu grin­den. Momen­tan ist für die Mehr­heit der Spie­ler noch alles frisch und cool, weil unbe­kannt, aber die­ser Ansatz wird keine 7 Jahre hal­ten.

  • #4
  • Mi, 26. Juli 2006
  • Florian schrieb:

Ich gebe dir Recht, Glyx, auch mir gerät der 5-10 Mann Inhalt reich­lich zu kurz. Aber Bliz­zard hat ja an die­ser Stelle schon Bes­se­rung ver­spro­chen und wird hof­fent­lich mit den jetzt fol­gen­den mittel- und lang­fris­ti­gen Plä­nen die­sen Bereich des High End Group Con­tent aus­bauen. Zumal sich ja auch gezeigt hat, das längst nicht alle Spie­ler bereit sind, sich den zwangs­läu­fig vor­han­de­nen Regeln und Arbeits­pa­ke­ten eines 40-Mann-Raids zu unter­wer­fen.

Wobei ich die­sen Bereich nicht gene­rell schlecht machen will. Wir haben z.B. in unse­rem Raid eine “föde­ra­lis­ti­sche” Struk­tur mit rela­tiv star­ken Klas­sen­spre­chern, die gemein­sam mit uns Raid­lea­dern bzw. Gil­den­lea­dern (wir sind ein Ver­bund aus zwei Gil­den) die Lei­tung über­neh­men. Uns fehlt also der eine starke Lea­der, dafür haben aber alle Spie­ler die Mög­lich­keit, sich über ihre Spre­cher bzw. aus­ser­halb des Raids auch direkt in die Pla­nung mit ein­zu­brin­gen. Zusam­men mit unse­rem recht hohen Alters­durch­schnitt (weit über 20) und unse­rem glück­li­cher­weise sehr hohen Frau­en­an­teil (ca.20%) ergibt das einen manch­mal arg kom­pli­zier­ten, aber immer sehr leben­di­gen und auch mensch­li­chen Raid. Wir gehö­ren durch die feh­lende straffe Füh­rung auch nicht zu den Top Gil­den (haben jetzt erst Nefa­rian gelegt und ste­hen in AQ bei Fan­k­riss) und haben so manch ner­vi­gen Raid, wenn mal gar nichts zusam­men­läuft, aber ins­ge­samt ist es eine super Truppe, in der auch das Spiel in gro­ßen Raids Spass macht. Und so ein First Kill bei Rag­na­ros oder Nefa­rian oder auch “klei­ne­ren” Bos­sen ist natür­lich ein super Gefühl, dass ich in die­ser Inten­si­tät in klei­nen Instan­zen nie hatte. Da braucht man schliess­lich auch keine wochen­lan­gen Farm­ak­ti­vi­tä­ten und Übungs­ver­su­che, bis es klappt.

Was den 5-Mann-Inhalt oder auch Solo­in­halt angeht, hat Bliz­zard schon eini­ges gelernt. Die T0,5 Reihe, die ich jetzt zum ers­ten Mal mit einem Twink gemacht habe, ist auf jeden Fall inter­es­sant und auch for­dernd. Und wenn ich mir vor­stelle, dass ich den glei­chen Inhalt ohne den Back­ground einer Raid­gilde schaf­fen müsste, sprich ohne Leute, die einem bei den Reas hel­fen kön­nen oder mit ihren T2 Tanks und DD’s unter­stüt­zen, wäre ich bestimmt auf Wochen hin­aus voll beschäf­tigt. In die­ser Art sollte Blizard mehr machen, von daher teile ich eure Hoff­nung auf BC.

Gruß, Flo­rian

  • #5
  • Do, 10. Mai 2007
  • Will schrieb:

Das mit dem neuen und fri­schen für die­je­ni­gen, die noch nie ein MMORPG gespielt haben stimmt. Jemand der schon durch frü­here Spiele die­ses Gen­res vor­be­las­tet ist, der kommt natür­lich mit Vor­be­hal­ten in ein Spiel das nun mas­sen­taug­lich ist. Natür­lich kann man hier keine ver­zwick­ten und ver­schach­tel­ten Quests rein­set­zen usw. damit die Leute es ver­ste­hen. Schade ist es aller­dings schon. Bin zwar auch gewis­ser­ma­ßen WoW-Neuling wenn auch schon etwas ein­ge­lebt g aber was du schreibst mit den 13-jährigen die in eine Gilde wol­len ist schon arg. Beson­ders wenn die da irgend­wel­che Begriffe auf­schnap­pen die sie mal von ande­ren WoW­lern gehört haben und dann den “alten Hasen” erklä­ren wol­len warum sie denn shice spie­len und falsch ges­killt sind. Kleine Jun­gens die noch net mal Haare an ihren Lüm­meln ham aber die gro­ßen Reden schwin­gen. Das ist wohl ein Grund dass man Online­spiele viel­leicht doch eher hätte da las­sen sol­len wo sie waren… Spiele die nicht jeder kennt aber für ein­ge­fleischte Spie­ler super geeig­net die sich da drauf stür­zen kön­nen und sich sicher sein kön­nen, dass sie da mit Gleich­ge­sinn­ten los­zie­hen kön­nen. Ich will War­craft kei­nes­falls schlecht­ma­chen, da ich es schon sehr gern spiele aber: die die sich heut­zu­tage so dazu­ge­sel­len spie­len es ent­we­der weil sie sich damit in ihrer Klasse pro­fi­lie­ren wol­len.. “jeah ich hab ges­tern nen OHK bei Kel’thuzad geschafft usw..” Oder sie haben nix ande­res zu tun und wol­len halt irgend­was spie­len und sto­ßen halt auf WoW weils wie Google und viele andere Dinge schon als erste Wahl gel­ten. Wer kennt es nicht.. man hat ja auch bei den Such­ma­schi­nen soviele zur Aus­wahl doch wel­che neh­men die meis­ten? google natür­lich. Und WoW ist nich viel anders. es kennt jeder… nicht ver­wun­der­lich bei dem Hype der darum gemacht wird.

Will nicht gemein sein aber ich finde alle die unter 18 sind haben hier in dem Spiel ein­fach nix ver­lo­ren.. die soll­ten lie­ber raus­gehn und irgend­wel­che wag­hal­si­gen Sachen mit ihren Kum­pels machen wie ich das in dem Alter gemacht hab oder was auch immer. Mit sol­chen Kid­dies kann ich beim spie­len nix anfan­gen. Ent­we­der ner­ven die mich mit sinn­lo­sen Duel­len, cree­pen mir die Vie­cher weg, die mir für irgend­wel­che Quests feh­len usw. Am schlimms­ten sind ja die Ferien, wenn sie dann alle ihre game­cards kau­fen und sich grad ein­log­gen und ich komm net rein weil ich erst­mal über ne halbe stunde auf War­te­liste bin. Der Latenz-timer geht gen >400ms und dann kann man kein ver­nünf­ti­ges Game­play mehr erwar­ten inclu­sive noch dem dum­men Gesab­bel. Aber mit WoW ist es wie mit vie­lem was mas­sen­taug­lich ist… das ist bei myvi­deo genauso.. jeder idiot muss sich heut­zu­tage pro­du­zi­ern und is damit “berühmt” toll ne?

Aber wo ich wider­spre­chen muss ist, dass WoW bald aus­ge­katscht sein soll.. das glaub ich nicht, aber das hängt ja wie gesagt von den Mit­spie­lern ab.. am Spiel selbst kann ich nix bemän­geln… sel­ten ein Spiel erlebt was solch rie­sige Dimen­sio­nen hat… allein die gan­zen Gegen­den auf die­sen 3 Kon­ti­nen­ten und den gan­zen Gefah­ren die über­all so lau­ern wenn man nicht auf dem Tram­pel­pfad bleibt. Wenn man natür­lich nur so ein 24/7 pr0g4m3r ist der alles nur rul0rt (keine angst, das ist nich meine Art zu schrei­ben son­dern eher nur ne kleine Ver­ar­sche an die, die mit sol­cher “Elo­quenz” um sich wer­fen) dann hat man für das ganze Ambi­ente kein bissl Inter­esse und das find ich schade. Rai­den und PVP kann doch nicht wirk­lich alles sein. Jeder hat was was er darin sucht.. dem einen eins auf die Mütze geben, ich z.B. um diese Rie­sen­welt zu erfas­sen und ein bissl was von der War­craft Story zu erfah­ren, die ja auch noch dazu­ge­hört. Wer da immer in den Rezen­sio­nen schrieb dass es keine gibt der irrt bzw. ist er nich voll dabei un rat­tert nur stu­pide irgend­wel­che Quests ab ohne sich den Spaß mal durch­zu­le­sen.