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Neo Horror Trilogie

Das wird mal wie­der ein lan­ger Ein­trag. Letzte Woche hat es meine Last House DVD end­lich durch den deut­schen Zoll geschafft. Vie­len Dank dafür an die deut­schen Zoll­be­am­ten sowie an Play.com. Diese DVD ist auch der Grund die­ses Ein­trags. Dies hier soll nicht nur ein ein­fa­ches DVD Review sein. “Last House” fügt sich neben “Night” und “Chain­saw“ in eine Reihe ein und kom­plet­tiert so das, was ich die Neo Hor­ror Tri­lo­gie nenne.

Ich mag Hor­ror Filme und ich spre­che hier nicht von irgend­ei­nem aktu­el­len Schrott ala Ske­le­ton Key oder den in die Mode gekom­me­nen asia­ti­schen Hor­ror Flicks. Ich meine mit Hor­ror in ers­ter Linie diese drei oben genann­ten Klas­si­ker. Diese drei Filme, sind in mei­nen Augen die bes­ten Bei­spiele, für zeit­lo­ses und ein­fluss­rei­ches ame­ri­ka­ni­sches Kino. “Last House”, “Night” und “Chain­saw” haben das Genre neu erfun­den. Nach­dem jahr­zehnte lang Hor­ror darin bestand, durch euro­päi­sche Mythen wie Dra­cula und Fran­ken­stein ver­kör­pert zu wer­den, revo­lu­tio­nier­ten ein paar junge und uner­fah­rene Film­ma­cher das Genre. Weg vom Mär­chen, hin zum rea­len Hor­ror. Weg vom Taschen­mons­ter hin zum Psy­cho von nebenan.

Erstaun­lich, dass allen drei Fil­men, sehr ähnli­che Ent­ste­hungs­ge­schich­ten zu Grunde lie­gen. Ein paar junge Film­freaks wol­len sich selbst als Macher ver­su­chen. Die Umstände waren bei allen gleich schlecht. Man besaß kein Geld, kei­nen Namen und keine Erfah­rung. Ein­zig auf eine Idee und den Wil­len diese ein­fach nur umset­zen zu wol­len, konnte man zäh­len. Es ist wie immer. Die schlech­tes­ten Bedin­gun­gen för­dern oft die bes­ten Ergeb­nisse. Auch hier erge­ben die Umstände, eine Kon­zen­tra­tion auf das Essen­zi­elle.

Night of the Living Dead

Romero hat mit Night sicher nicht den Zom­bie erfun­den. Aber er hat die Unto­ten als Haupt­dar­stel­ler defi­niert und ver­wen­det das Motiv des Unto­ten als Meta­pher. Etwas was es zuvor nicht gege­ben hat. Ins­be­son­dere in Hin­blick auf die Sequels wird einem bewusst wie cle­ver diese Idee ist. Rome­ros Zom­bies sind nicht nur hirn­lo­ses Kano­nen­fut­ter.

“We′re them, they′re us.”

Romero lie­fert hier den effek­tivs­ten Film ab, den ich bis heute sehen durfte. Es gibt in Night nichts Über­flüs­si­ges. Es gibt keine Län­gen. Es gibt keine Show­ef­fekte oder Actions­e­quen­zen, die feh­len­den Inhalt über­de­cken müs­sen. Alles was man sieht funk­tio­niert per­fekt. Stan­darts wer­den hier am Lau­fen­den Band defi­niert. Was heute oft als “Siege-Movie” bezeich­net wird, hat Romero hier genauso vor­ge­führt, wie das was man als “House-Movie” bezeich­net. Egal ob Came­rons Ali­ens, oder die tau­send Filme, die sich um ein schau­ri­ges Gru­sel Haus dre­hen, alle gehen in bestimm­ten Punk­ten auf Rome­ros Night zurück.

Beson­dere Erwäh­nung gebürt dem Ende von Nights. Ich werde nichts ver­ra­ten nur soviel. Die­ses Ende ist so depri­mie­rend und passt wie die Faust aufs Auge. Ich kenne kei­nen wei­te­ren Film, der so uner­war­tet endet. In heu­ti­gen Hol­ly­wood Zei­ten wäre ein sol­ches Ende undenk­bar. Die End­credits set­zen dem gan­zen die Krone auf und erzäh­len den Film in Moment­auf­nah­men wei­ter.

Night DVD

Meine Nights DVD stammt aus der Undead Tri­logy Box. Dies hat Vor- und Nach­teile. Bild und Ton sind für einen sol­chen Film abso­lut gut. Diese Box beinhal­tet lei­der den soge­nann­ten 30th Anni­versary Cut. Eine Ver­sion, die total unnö­tige neue Sequen­zen beinhal­tet, die sich noch nicht mal naht­los in den Film ein­ord­nen. Die Ori­gi­nal Ver­sion ist auf jeden Fall bes­ser. Die neuen Sequen­zen tra­gen nichts Neues zur Story bei, im Gegen­teil. Die DVD beinhal­tet einen Hau­fen Extras. Den Kom­men­tar von Savini muss ich mir noch­mal geben. Ich kenne nur Savi­nis Kom­men­tar zum Night Remake, wo er Regie führte und die­ser Kom­men­tar ist köst­lich. Ins­ge­samt ist Night in der DVD Box, beson­ders in Hin­sicht auf das Preis Leis­tungs Ver­hält­nis mehr als gut. Abso­lute Genre Fans, brau­chen den­noch eine DVD des Ori­gi­nal Cuts.

Texas Chain­saw Mas­sa­cre

Was für ein Film­ti­tel. Schon bevor man eine Sekunde des Films gese­hen hat, erwar­tet man bei einem sol­chen Titel, ein Schlacht­fest. Allein diese Tat­sa­che wird viele abschre­cken und die­sen Klas­si­ker als Schund dekla­rie­ren las­sen. Chain­saw ist ein Klas­si­ker. Chain­saw setzt in gewis­sen Tei­len bei Night an. Zen­trum des Films ist eben­falls ein Hor­ror typi­sches Haus. Was man heute als Teen-Slasher bezeich­net, ist in gewis­sem Maße von Chain­saw defi­niert wor­den.

Die Story ist so sim­pel wie bei heu­ti­gen Teen-Slashern. Wieso Chain­saw so genial ist, ist etwas ande­res. Das Böse ist hier kein Fran­ken­stein, kein Dra­cula und kein Zom­bie. Böse­wicht des Films sind ganz nor­male Leute. Naja so nor­mal wie ein Jef­frey Dah­mer oder ein Ed Gein gewe­sen sind. Das ist die geniale Idee von Chain­saw. Die­ser Film ist genau wie Rome­ros? Erst­ling, Effek­ti­vi­tät vom Feins­ten. Allein die Intro Sequenz von Lea­ther­face ist ein ein­zi­ger Tritt in die Leis­ten­ge­gend.

Als Lea­ther­face die Tür zuschlägt ist man fast dank­bar dafür, nicht mehr sehen zu müs­sen. Optisch ist das ganze sehr im Stil von Doku­men­ta­tio­nen gehal­ten, darum wirkt es nicht bil­lig son­dern echt, zumin­des­tens ech­ter, als der heu­tige Hol­ly­wood Glanz­schliff Look. Chain­saw lebt von dem genial gestal­te­tem Haus und Lea­ther­face. Auch wenn der Titel ein Gore Fest ver­mu­ten lässt, Chain­saw ist blut­är­mer, als eine heu­tige Sen­dung der Tages­schau. Den­noch ist die­ser Film ein durch­aus har­tes Stück Film­kunst. Nicht so hart wie der nächste Titel, aber den­noch, Mas­sen­taug­li­che Unter­hal­tung sieht anders aus. Die The­ma­tik des Films ist es, die die­sem Film einen welt­wei­tem Publi­kums­er­folg vor­ent­hält. Den­noch erwähne ich Chain­saw in die­sem Arti­kel, weil die­ser Film sti­lis­tisch und the­ma­tisch, bis heute andere Filme beein­flusst. Fast alle gro­ßen Hol­ly­wood Regis­seure wur­den von Chain­saw beein­flusst. Auch ein Spiel­berg hat von Chain­saw mehr gelernt, als er zuge­ben möchte.

die DVD

Diese DVD Ver­sion ist kaum zu ver­bes­sern. Man erhält hier den Film samt einer Unmenge Extras. Sound- und Bild­qua­li­tät sind so, wie man es für einen Film die­ses Alters und die­ser Art erwar­tet. Hoo­pers Kom­men­tar hört man sich nur ein­mal an, wenn über­haupt. Da gibt es span­nen­dere Kom­men­tare als die­sen. High­light der Extras ist etwas ande­res. Ein ein­stün­di­ger Film, über die glei­che The­ma­tik die­ses Ein­trags. Hier wer­den alle gro­ßen ame­ri­ka­ni­schen Hor­ror­meis­ter, samt Schaf­fens­werk und deren Wir­kung vor­ge­stellt. Allein diese Doku recht­fer­tigt den Kauf, für jeden Fan des Gen­res.

Last House on the Left

Last House ist das kon­tro­ver­seste Stück die­ser drei Filme. Es ist in mei­nen Augen, bis heute Cra­vens beste Arbeit. House habe ich letzte Woche zum ers­ten mal gese­hen. Oh man, was für ein hef­ti­ges Stück Film. Dies ist ein Hor­ror Film ohne jeg­li­che Art von Uner­klär­li­chem oder Über­na­tür­li­chem. Hier gibt es auch keine Durch­geh­knall­ten Freaks ala Chain­saw. House bie­tet eine Stu­die der Bes­tie Mensch. Cra­ven zeigt hier, was eigent­lich nie­mand zur Unter­hal­tung sehen möchte. Genau das ist die Stärke die­ses Films.

Die Hand­lung ist wie­der rela­tiv sim­pel. Zwei junge Damen gera­ten in die Gewalt, von ein paar sehr unan­ge­neh­men Bei­spie­len, der mensch­li­chen Exis­tenz. Sie über­le­ben die Begeg­nung nicht. Die Eltern des einen Mäd­chens rächen sich an den Mör­dern ihrer Toch­ter. Gebo­ren ist das Genre des “Ven­ge­ace” Flicks. Hallo Kill Bill, ich schaue in deine Rich­tung.

House zeigt so gut wie alles. Die Kamera geht sel­ten weg von der Gewalt oder der Ernied­ri­gung. Dem Zuschauer wird hier nichts ver­schönt oder vor­ent­hal­ten. Vom dem Moment an, als die eigent­li­che Hand­lung des Films los­geht, schlägt der Film dem Zuschauer im Minu­ten­takt ins Gesicht. The­ma­ti­sche und sti­lis­ti­sche High­lights des Films sind die “Rape-Scenes”. Defi­ni­tiv nichts, was man am Sams­tag vor­mit­tag im öffent­lich recht­li­chen Fern­se­hen zei­gen sollte.

Die­ser Film lebt von den Dar­stel­lern. David A.Hess ist abso­lut erschre­ckend als Krug.Vergessen ist Darth Vader oder Lea­ther­face als Böse­wicht. Krug hasst man von der ers­ten Sekunde an. Krug braucht keine Maske und kein Kos­tüm. Die­ser Kerl ist ein ein­zi­ges unmensch­li­ches Stück Scheiße. Das gleicht trifft für den Rest sei­ner Gang zu. Alles Wun­der­bare Por­traits des mensch­li­chen Abschaums.

Als ich den Film sah, fie­len mir sehr viele Stel­len auf, wo ich mir sagte: “Das kennst du doch.“ Taran­tino scheint House auf jeden Fall mehr als ein­mal gese­hen zuha­ben. Pulp Fic­tion: die Szene, als Butch in dem Laden nach einem pas­sen­den “Werk­zeug” sucht, fin­det sich fast 1:1 in House, als der Vater des getö­te­ten Mäd­chens, exakt genauso nach einem pas­sen­den “Werk­zeug” sucht.

Reser­voir Dogs: die legen­däre Fol­ter Szene, mit dem gefes­sel­tem Cop. Taran­tino spielt hier zu einer sehr bru­ta­len Szene, eine the­ma­tisch kom­plett andere Musik ab. Das Glei­che fin­den wir in House wie­der. Zur Rape Szene lässt Cra­ven im Hin­ter­grund einen Blues ablau­fen. Die Wir­kung die­ser Szene ist dadurch kaum zu beschrei­ben. Das ist auf jeden­fall ein Stück Film­ge­schichte.

Last House - die DVD

Die Extras der DVD sind ein Muss für die­sen Film. Wieso? David A.Hess ist Zen­trum vie­ler Extras und diese zei­gen einem, dass Hess nicht Krug ist son­dern nur ein wun­der­ba­rer Schau­spie­ler und … Musi­ker ist. High­light der Extras ist das Fea­ture “Sco­ring Last House”. Hier sehen wir Hess, auf einer Gitarre, die Lie­der des Films spie­len und das knapp 30 Jahre nach Ver­öf­fent­li­chung des Films. Hess hat tat­säch­lich sämt­li­che Songs des Films kom­po­niert und gesun­gen. Die­ses Extra nimmt eine enorme Last von die­sem Film. Plötz­lich sehen wir “Krug” sin­gend und Gitarre spie­lend. Damit sollte auch der Letzte ver­ste­hen, dass Hess wirk­lich ein guter Schau­spie­ler und ein guter Musi­ker ist. Nicht mehr und nicht weni­ger. Es ist keine “Sick-Bastards-of-the-Century” Doku. Last House ist ein Film, es ist nur ein Film.

Ame­ri­cas Most Wan­ted

Ob nun die Rein­heit eines Night, die Inten­si­tät eines Chain­saw oder die Härte eines Last House, alle drei sind Bei­spiele, für bes­tes ame­ri­ka­ni­sches Kino. Ver­ges­sen sind Spiel­berg oder Scorcese und co. Diese Neo Hor­ror Filme präg­ten das Kino der ver­gan­ge­nen 30 Jahre und wer­den dies auch wei­ter­hin beein­flus­sen, weit über ihr Genre hin­aus.

Wer immer auch nur einen Hauch Gefal­len an dem Genre Hor­ror fin­det, der wird frü­her oder spä­ter die­sen drei Fil­men über den Weg lau­fen und erken­nen, dass wir hier höchst inno­va­ti­ves Film­werk vor­fin­den und kei­nen Schund. Auch heute noch haben diese Bei­spiele kaum etwas von ihrer Qua­li­tät ein­ge­büsst. Heu­tige Film­werke ver­schwin­den inner­halb von Wochen in der Ver­sen­kung. Ein Chain­saw oder ein Night wird man, auch in den nächs­ten 30 Jah­ren noch refe­ren­zie­ren.

1 Kommentar

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  • #1
  • Mo, 12. Juni 2006
  • John schrieb:

Bei “Night…” ver­ste­hen wir uns, “Chain­saw” ist bestellt (aller­dings habe ich eine schlimme Vohr­ah­nung, denn…) “Last House…” habe ich in einer 16er Fas­sung bekom­men und die ist so der­ma­ßen geschnit­ten (64min) das kaum noch etwas übrig ist. Nun denn, schauen wir mal…