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World of Warcraft

Wie schon in die­sem Bei­trag zu erken­nen war, bin ich einer der weni­gen Freaks die dem Genre seit Jah­ren die Stange hal­ten, seit 1999 spiele ich fast nix ande­res mehr - Aus­nah­men ein­ge­schlos­sen. Aber mit dem Release von World of War­craft bin ich plötz­lich nicht mehr der beti­telte Freak, der Stun­den ein­sam im Dun­keln Orks schlach­tet, son­dern gehöre ab sofort nun zur hip­pen WoW Com­mu­nity aka dem Main­stream.

Story of my Life

So rich­tig los ging es Ende 99 / Anfang 2000 als ich von Freun­den nach Ever­quest gelockt wurde. Seit dem bin ich mal mehr und mal weni­ger ein begeis­ter­ter EQ Spie­ler. In 5 Jah­ren sam­melt man eini­ges an Erfah­run­gen. Mit­ler­weile bilde ich mir ein zu ver­ste­hen, wie das Geschäft rund um MMOR­PGs funk­tio­niert und was ein gutes MMORPG aus­macht. WoW spielte ich zum ers­ten mal in der Open Beta der US Ver­sion, das war im letz­ten Jahr. Es folgte die Open Beta der Euro Ver­sion sowie nun 2 Wochen des fer­ti­gen Spiels. WoW ist ein bedeu­ten­des Stück Soft­ware gewor­den, soll es doch schließ­lich ein gesam­tes Genre auf die nächste Stufe und weg vom Schmud­del Image des kran­ken MMOR­PG­lers brin­gen.

Auf den ers­ten Blick macht Bliz­zard alles rich­tig, sofern man sich die Ziel­gruppe des Spiels anschaut und das sind nicht EQ Spie­ler mit Jah­ren der Spiel Erfah­rung, son­dern Joe Nor­mal von nebenan. EQ galt und gilt immer als Hard­core Spiel: man muss eine Unmenge Zeit inves­tie­ren um Spaß dran zu haben. Das ist mit Ein­schrän­kun­gen erst­mal nicht falsch. Genau an dem Punkt setzt WoW von der ers­ten Sekunde an. Der Spie­ler wird sofort an der Hand genom­men und bekommt seine Auf­ga­ben. Es gibt wirk­lich immer was zu tun und das Spiel belohnt auch klei­nere Zeit­ein­hei­ten des Spie­lers.
Die­ser Punkt ist in mei­nen Augen schon dis­ku­ta­bel.

Was ist der Sinn eines MMOR­PGs wie WoW es ist bzw. was soll es von einem nor­ma­len off­line RPG unter­schei­den ? Nun ja hier kommt der so schi­cke Ter­mi­nus Vir­tual World ins Spiel. Der Spie­ler soll für eine gewisse Zeit eine kom­plett andere “Welt” erle­ben. Auf dem Papier macht WoW hier wie­der alles rich­tig. Die Welt wird her­vor­ra­gend prä­sen­tiert, sei es Gra­fik oder Sound alles per­fekt. Das Manko was ich sehe ist, der Spie­ler wird zu sehr geführt. Von einem selb­stän­di­gen Erfor­schen des Spie­lers kann keine Rede sein. Der Vir­tual World Aspekt tritt voll­kom­men in den Hin­ter­grund. Im Vor­der­grund ste­hen die vom Spiel selbst gesteck­ten Auf­ga­ben an den Spie­ler, soge­nannte Quests.

Mal schauen was pas­siert

Als Ever­quest oder auch Ultima Online damals vor Jah­ren auf den Markt kamen, waren dies nichts ande­res als Expe­ri­mente. Die Macher betra­ten Neu­land und wuss­ten nicht ob ihre Pro­jekte sowohl tech­nisch als auch wirt­schaft­lich funk­tio­nie­ren wür­den. Es war für beide Sei­ten Macher und Spie­ler etwas völ­lig Neues. Hier liegt der größte Unter­schied zu WoW. Dem ers­ten ech­ten MMORPG der 2ten Gene­ra­tion wenn man so will. Bliz­zard (ehe­mals begeis­terte EQ Spie­ler) als auch die zukünf­ti­gen Kun­den wuss­ten was zu erwar­ten ist. Darum erfin­det WoW das Genre nicht neu, son­dern schließt Leh­ren aus den Expe­ri­men­ten wie EQ.
Bliz­zard weiß genau wen man als Spie­ler gewin­nen möchte. Die Unbe­kannte in Bliz­zards Rech­nung ist die Com­mu­nity der Spie­ler. Etwas, mit dem Bliz­zard recht schnell ler­nen muss umzu­ge­hen. Eine Armee von monat­lich zah­len­den unzu­frie­de­nen Spie­lern ist kaum zu besänf­ti­gen.

Aus­tausch­bar­keit

Grund­stein eines jeden MMOR­PGs ist die Fest­le­gung wel­che Klasse was wie kann. Dar­auf basie­rend wer­den dann die Inhalte zurecht­ge­schnit­ten. An die­sem Punkt fährt WoW eine kom­plett andere Schiene als das olle EQ.
In WoW ist jede Klasse bzw. jeder Spie­ler rela­tiv ersetz­bar, mal mehr mal weni­ger. Ziel des­sen ist es, für alle mög­li­chen Kom­bi­na­tio­nen von Klas­sen Inhalte bie­ten zu kön­nen. Im Ansatz eine wirk­lich nette Idee. besteht das Spiel in EQ doch seit Jah­ren aus höchst spe­zia­li­sier­ten Klas­sen, ohne die viele Inhalte ein­fach nicht spiel­bar sind. Auch die­ser Ansatz hat einen Vor­teil der in EQ nun nach Jah­ren immer stär­ker wirkt. Die Spiel­tiefe ist um ein viel­fa­ches höher als im Ansatz der Aus­tausch­bar­keit den WoW bie­tet. Sicher hinkt der Ver­gleich etwas, da EQ mehr als 5 Jah­ren Markt­reife besitzt und WoW dage­gen erst am Anfang steht, aller­dings wird sich WoWs Ansatz so schnell nicht ändern und so immer ein durch­ge­wa­sche­nes leich­te­res Spiel bie­ten als dies bei EQ der Fall ist. WoW muss als neues Pro­dukt auch jetzt mit dem Con­tent andere Pro­dukte beste­hen kön­nen und momen­tan zieht es da etwas den Kür­ze­ren.
Der Raum für Spie­ler für Tatkti­ken und Tricks ist klei­ner, als das bei EQ der Fall war und ist. Sicher fällt bei WoW der Ein­stieg leich­ter, dafür ist die Lern­kurve viel kür­zer und fla­cher. EQs Vor­teile brin­gen aber halt nicht die Mas­sen zum Spie­len, womit ich wie­der beim Punkt Ziel­gruppe bin. Beide Pro­dukte zie­len ein­fach auf 2 ver­schie­dene Arten von Spie­lern. EQs Zah­len an neuen Spie­lern sta­gnie­ren seit Jah­ren. Alle die immer noch wie ich EQ spie­len, sind ein­ge­fleischte Fans, die die Vor­teile EQs sehen und die vor­han­de­nen Nach­teile ein­fach tole­rie­ren.

I see bored people

Bliz­zards Mas­sen Markt Model funk­tio­niert auf den ers­ten Blick mehr als gut. Die Ver­kaufs­zah­len sind phä­no­me­nal. Fakt ist aller­dings, das Bliz­zard mit dem Ver­kauf der Spie­le­bo­xen kein Geld ver­dient, son­dern erst mit den Monats­ge­büh­ren der Spie­ler. Genau hier sehe ich die Pro­bleme des Bliz­zard Models. Selbst für der Anfän­ger hat inner­halb von ein paar Wochen 90% des Inhalts gese­hen und wird sich fra­gen was noch kommt. Der Ver­zerr des Inhalts der Spie­ler ist enorm. Bliz­zard kann nicht mit der glei­chen Geschwin­dig­keit neue Inhalte ent­wer­fen, wie die Spie­ler diese ver­brau­chen. EQ hat dafür seit Jah­ren oft sinn­lose und lang­wei­lige Mecha­nis­men inte­griert, die genau die­ses Pro­blem ent­span­nen. Dem Spie­ler wer­den mehr als ein­mal Steine in den Weg gelegt um den Inhalt künst­lich zu stre­cken. Ent­stan­den ist das allein aus der Tat­sa­che das es damals nicht die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten wie heute gibt, wo Spie­ler auch in einem MMORPG ihren eige­nen abge­schlos­se­nen Raum genannt Instanz bekom­men kön­nen. EQ musste einen Raum auf alle Spie­ler auf­tei­len und dies wurde ein­fach dadurch gelöst, das Spie­ler Schlüs­sel haben muss­ten um bestimmte Abschnitte betre­ten zu kön­nen.
Sofern Bliz­zard nicht irgend einen magi­schen Trick in der Hin­ter­hand hat, wer­den die nächs­ten 3 Monate sehr span­nend. Mit einem MMORPG ist kein schnel­les Geld zu machen. Viel­mehr spu­cken diese Pro­dukte erst nach Mona­ten bzw. Jah­ren das große Geld aus. SOE (Sony Online Enter­tain­ment - die Macher von Ever­quest) hat bewie­sen, dass auch mit einem Hard­core Spiel das große Geld zu machen ist. Jetzt nach knapp 6 Jah­ren bringt ihnen Ever­quest so rich­tig Geld in die Kas­sen und das auch noch mit sin­ken­den Spie­ler­zah­len. Bliz­zard muss hier recht schnell begrei­fen, das MMOR­PGs Lang­zeit­pro­dukte sind die nur über den Inhalt funk­tio­nie­ren. Gra­fik oder der Sound kön­nen nicht für Jahre begeis­tern.
Ich gehe stark davon aus, dass auch WoW recht schnell das Niveau anzie­hen wird.

Der letzte macht das Licht aus

Die der­zei­tige Situa­tion auf dem Markt der MMOR­PGs ist sehr span­nend. Wir haben den alten Vete­ra­nen EQ der krän­kelt (Ser­ver Mer­ges und sin­kende Spie­ler­zah­len), des­sen noch jun­gen Nach­fol­ger EQ2 der nach Start­pro­ble­men immer noch im Schat­ten des momen­tan hip­pen Königs steht - WoW. Fast alle auf eine andere Kli­en­tel aus­ge­rich­tet und mit kom­plett ande­ren Grund­an­sät­zen. Es wird sich zei­gen wel­ches Kon­zept die bes­ten Chan­cen hat, aber die 6 Jahre EQ’s müs­sen von WoW erst­mal geschla­gen wer­den. Allein eine Schät­zung, wie viele Inhalte Bliz­zard für 6 Jahre WoW pro­du­zie­ren müsste, gemes­sen am heu­ti­gen Maß­stab, ist schon fast illu­so­risch.

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